21. September 2017
Apolda

Kurzer Sätze – einfache Grammatik

Landesgartenschau in Apolda bietet Führungen in „Leichter Sprache“ an

„Diese Brücke ist aus Lärchenholz. Das Holz nimmt kein Wasser auf“, erklärt Gästeführerin Bärbel Behrendt. Dicht an dicht überspannen die Holzleisten das Ufer des Friedenssees. Am äußeren Rand ragen sie direkt übers Wasser.

Mit ihren zwei erklärenden Sätzen nimmt Bärbel Behrendt den Besuchern der Landesgartenschau in Apolda jedoch nicht nur die Angst nehmen, hier ausrutschen zu können. Sie demonstriert „Leichte Sprache“.

Breit sind die Wege auf dem Gartenschaugelände. Selbst in den Blumenhallen messen sie mindestens 1,50 Meter. Genug Platz für Rollstuhlfahrer, bequem für Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind. Barrierefrei eben im allgemeinen Verständnis.

Doch in Apolda werden auch jene einbezogen, deren Beeinträchtigung nicht auf den ersten Blick offensichtlich ist; Menschen mit geistiger Behinderung, psychischer Beeinträchtigung oder Lernschwierigkeiten. Drei Gästeführer haben sich deshalb nicht nur alle Fakten über das florale Großereignis angeeignet, sondern sich auch intensiv mit sprachlicher Barrierefreiheit auseinandergesetzt.

Federführend war hierfür das Lebenshilfe-Werk Weimar / Apolda. „Wir haben im Frühjahr 2016 mit diesem Projekt begonnen“, erklärt Lebenshilfe-Mitarbeiterin Dorothea Schenk. Gemeinsam mit Annett Hausdörferund Bärbel Behrendt hat sie die reguläre Gästeführer-Ausbildung absolviert und während dessen die beiden Frauen auch unterstützt. Diese nutzen wegen einer seelischen Beeinträchtigung ambulante Angebote der Lebenshilfe.

Gleich zweifach wirkt das Angebot. Nicht nur eine neue Besuchergruppe wird angesprochen. „Das Projekt stärkt das Selbstbewusstsein, macht die zwei Frauen stolz“, attestiert Heike Jordan. Sie leitet Zentrum Ambulante Komplexleistungen Weimarer Land, in dem das Lebenshilfe-Werk viele Angebote bündelt.

Das wird für jeden sichtbar, der die Frauen begleitet, ihnen zuhört, zusieht. Doch im Zwiegespräch gesteht Bärbel Behrendt: „Ich bin immer ein bisschen aufgeregt und muss mich sehr konzentrieren.“ Schließlich erklärt sie in einer Sprache, die sie selbst erst lernen musste. „Kurze Sätze, eine einfache Grammatik“, beschreibt Annett Hausdörfer die wichtigsten Anforderungen. Insgesamt aber gebe es 60 Regeln für die leichte Sprache.

Das macht die Übersetzungsarbeit umso schwieriger. Professionelle Übersetzer unterstützen die Frauen dabei.  Später haben sie selbst ihre Manuskripte Schritt für Schritt immer wieder verfeinert, damit ihre Zielgruppe sie gut versteht. „Wir haben lange daran gesessen“, erinnert sich Annett Hausdörfer. Ihre Arbeit hat sich gelohnt.

Zur Sache

+ Einfache Sprache wurde für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und Lernschwierigkeiten entwickelt. Sie nutzt zudem auch Nicht-Muttersprachlern und Demenzkranken.
+ Sie zeichnet sich durch einen einfachen Satzbau aus und verzichtet auf Fremd- und Fachwörter, auf den Genitiv und Konjunktiv. Je Satz soll nur eine Information gegeben werden.

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