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15. April 2020
Apolda

Leere Kassen bremsen

[Serie: Thüringer Rathäuser] Das alte Rathaus in Blankenhain hat schicksalhafte Jahre erlebt

Foto: Stefan Eberhardt / medien-partner.net

20200402 / Blankenhain / Rathaus / Foto: Stefan Eberhardt - medien-partner.net

Empfohlen von Jens Kramer, Bürgermeister der Lindenstadt Blankenhain (Thüringen)

 

Nachdem bei einem der verheerenden Stadtbrände am 3. April 1729 auch das Rathaus in Schutt und Asche zerfiel, ­begann der Wiederaufbau zwar sofort, dauerte aber viele Jahre. Der Baumeister Krone aus Weimar erhielt 1733 den Hauptauftrag. Der Rat schloss mit verschiedenen Handwerkern und Künstlern Verträge, so mit dem Berkaer Bildhauer Johann Heinrich Stärken zur Errichtung einer Treppe vor dem Rathaus. Auch zum Turm gab es ­mehrere Entwürfe, entschieden hat man sich aber anders.

Der Wiederaufbau des Rathauses verzögerte sich. Der Baumeister Krone ließ es viele Jahre halb vollendet stehen und wurde 1752 mit 100 Gulden in Strafe genommen, weil er seine Vertragspflichten nicht eingehalten hatte. Auch im folgenden Jahrhundert wurde am Rathaus gebaut und gewerkelt. So wurde am 9. März 1888 eine Ausschreibung an Gewerke veröffentlicht.

Im beginnenden 20. Jahrhundert hat man mit Hinzukauf des Graneß’schen Hauses eine Erweiterung des Rathauses vorgenommen. In das Dachgeschoss wurden zwei Wohnungen eingebaut. Den Auftrag dazu erhielt die Firma Böhme und Liebeskind aus Blankenhain am 9. September 1920, mit einer Bausumme von 60 000 Mark. Die Schlussabnahme erfolgte ein Jahr ­später am 27. September 1921.

Dass die Finanzen der Stadt schon immer ein Problem für die Blankenhainer Stadträte waren, zeigt ein Auftrag für eine Lichtanlage im Ratskeller von 1932. Durch das Kraftwerk Thüringen in Gispers­- leben wurde die Anlage beanstandet, wonach sie angeblich den polizeilichen Vorschriften nicht entsprechen soll. Die Bürgerliche Brauhaus AG Saalfeld / Saale hat geholfen: „Da jedoch die Finanzen der Stadt Blankenhain auch nicht auf Rosen gebettet sind, wollen wir uns bereit erklären… die Hälfte der anstehenden ­Kosten zu übernehmen.“

Die Notwendigkeit eines weiteren Umbaus des Rathauses, „da ­mehrere geeignete Räume auf Grund der veränderten Verhältnisse fehlen“, wurde am 6. Februar 1939 vom Stadtrat bestimmt. Nach einer ­Besichtigung wurde ­jedoch festgestellt, dass der Umbau im Erdgeschoss aus bautechnischen Gründen nicht so einfach vorzunehmen ist. Am 15. November 1939 wurde der Zimmermeister Kurt Böhme aus Blankenhain mit dem Projekt beauftragt. Abgeschlossen wurde der Umbau mit dem Einbau einer Heizungsanlage und dem Parkett im Standesamt 1943.

In den Jahren nach dem Krieg bis zur Wende gab es ­immer wieder Umbau- und ­Renovierungsarbeiten. Nach der Wende wurden mit Fördermitteln das Dach, Fenster und die Fassade erneuert. Die Räumlichkeiten entsprachen jedoch bald nicht mehr den Erfordernissen. Seit 1999 ist der Sitz der Verwaltung der Stadt Blankenhain und der hinzugekommenen 23 Orts­teile, das ehemalige Amtsgericht. Bis zur Fertigstellung der Sanierungsarbeiten im und am Schloss Blankenhain wurden der Sitzungsraum und das Trauzimmer des Rathauses ­genutzt. Heute finden die Sitzungen des Stadtrates und Veranstaltungen im Schloss statt. ­Heiratswilligen bietet es ein ­attraktives Ambiente.

Mehr zur Stadt: www.blankenhain.de

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