11. Oktober 2021
Arnstadt

Das wahre Leben kann sehr grausam sein

Autor Frank Esche recherchierte über wahre und spektakuläre Modefälle im Thüringer Raum

Der Rudolstädter Autor Frank Esche hat wieder in Archiven, Ermittlungs- und Gerichtsakten recherchiert und präsentiert einen neuen Band der Reihe „Thüringer Mord-Pitaval“ spannende Thüringer Geschichten aus originalen Kriminalakten. Im Band 3 geht es um erschreckende Mord- und Übeltaten aus den Jahren 1915 bis 1960. Foto: Andreas Abendroth

Von Andreas Abendroth

In alten Akten und Dokumenten zu stöbern liegt den in Jena geborenen und jetzt in Rudolstadt lebenden Frank Esche. Bis zur Pensionierung war er im Staatsarchiv Rudolstadt tätig. „Bei Recherchearbeiten“, so Esche, „bin ich immer wieder mal auf alte Kriminalakten gestoßen. Aus der Neugier wurde die Idee, diese auszuwerten und zu veröffentlichen.“  Es sind keine Kriminalromane, sondern Sachbücher mit einem brisanten Inhalt. Gräueltaten, welche durch Menschen verursacht wurden. Der frisch gedruckte Band 3 des „Thüringer Mord-Pitaval“ gewährt jetzt Einblicke in Ermittlungs- und Gerichtsakten im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen und aus der DDR (1915 bis 1960). „Endlich ist das Buch erschienen. Durch die Corona-Wirren musste die Veröffentlichung verschoben werden“, so Frank Esche.

So grausam kann die Realität sein

Die dokumentierten 20 Kriminalfälle zeigen viele menschliche Abgründe auf. Schwerstverbrechen, aus den gesamten Thüringer Raum, welche zur damaligen Zeit Medienereignisse – auch über die Landesgrenzen hinaus wahren.  Sie stammen beispielsweise aus Ilmenau, Jena, Saalfeld, Gera. Sie verlangten von den damaligen Ermittlern ein starkes Nervenkostüm. Und jetzt auch von den Lesern, denn das Buch ist mit Fotografien aus den Originalakten bebildert. „So grausam war die Realität nun einmal“, betont Frank Esche. Und er fügt an: „So manches Mal – wenn ich abends noch an den Akten gearbeitet habe – war mir irgendwie unwohl, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken.“

Mord zur Befriedigung der Geschlechtslust, Eifersuchtsdramen und Bereicherung

Es geht aber nicht allein darum, alte Kriminalfälle zu präsentieren. Ein wichtiger Punkt ist, den Opfern und Tätern ein Gesicht zu geben. Zu hinterfragen, was eigentlich die Ursachen vor dem Verbrechen, was ging im Kopf des Verbrechers vor sich. Mord und Verbrechen zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Besonders in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen hatte man ein gefährliches Verständnis von Gewalt. Der Tod war durch den Krieg ständig zugegen. Ein Teil der Bevölkerung führte einen ständigen Überlebenskampf, andere lebten im sprichwörtlichen „Saus und Braus“. Das führt zu Neid und Konflikten. Im Buch werden aber Fälle aufgezeigt, bei denen Ermittler und Richter zu Mördern werden. Ein Justizirrtum wird zum Justizmord. In anderen Fällen geht es um vorgetäuschte Schwangerschaften, Mord zur Befriedigung der Geschlechtslust, Eifersuchtsdramen und um Bereicherung.

„Besondere Brisanz haben aber auch Fälle, in denen Verbrecher zum Tode verurteilt und danach zu lebenslänglicher Haft begnadigt wurden. In den Akten ist zumeist nicht verzeichnet, was aus den Delinquenten geworden ist“, so Esche. „Hier habe ich versucht, mehr in Erfahrung zu bringen.“ Keine einfache Aufgabe, denn theoretisch könnte der Täter noch leben. Hier galt es die Persönlichkeitsrechte einzuhalten. Die Opfer und deren Familien aber auch die Täter und deren Angehörige müssen geschützt werden. Die Namen wurden in diesem Fällen anonymisiert.

Plan für neues Buch über Mordfälle aus dem ehemaligen Bezirk Erfurt

Und Autor Frank Esche hat schon wieder Pläne für ein neues Buch. „Ich werde mich mit Mordfällen aus dem Bezirk Erfurt befassen. Zu DDR-Zeiten waren Ermittlungs- und Gerichtsakten gut strukturiert und sehr präzise angelegt.“

 

Der Autor:

Frank Esche, Jahrgang 1953, aus Jena, studierte Archivwesen in Potsdam, arbeitet als Diplomarchivar im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt

Zum Buch:

Thüringer Mord-Pitaval, Band 3

Pitaval: Sammlung von historischen Strafrechtsfällen

Band 3: Erschreckliche Mord- und Übeltaten aus alten Thüringer Kriminalakten (1915 – 1960)

278 Seiten, 20 Gerichtsfälle, Bilder und Abbildungen

Verlag Kirchschlager, Arnstadt, 2021

ISBN: 978-3-934277-77-9

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