25. April 2017
Arnstadt

Geist ist geil! Wie Meditationstrainer Franz Leeder aus Saalfeld zu seinen positiven Gedanken kommt

Wir suchen das Glück zu selten in uns selbst, ist Meditationstrainer Franz Leeder aus Saalfeld überzeugt. Doch das Glück der materiellen Güter währt nur kurze Zeit. Achtsamkeit kann den inneren Frieden wiederherstellen.



Franz Leeder ist ein Mensch, der alles mit Bedacht tut, um seinen Geist zu schulen. Essen, zum Beispiel. Da wünscht er keine Ablenkung. Wenn seine Liebste morgens tanzend und trällernd den Tag begrüßt, ist er nicht gerade amüsiert. Die Geräuschkulisse beeinträchtigt seinen Geist, lenkt ihm vom Essen ab. Sein Geist ist nicht gegenwärtig. Diese Geistesgegenwart bezeichnet Franz Leeder als Achtsamkeit.
Der 31-Jährige ist Meditationslehrer, obwohl er selbst immer Schüler bleiben wird. „Ich lerne ja auch noch – von anderen Menschen“, sagt er. Meditation, weiß er, ist ein weites Feld. Jeder mache daraus, was er könne und das sei in Ordnung, denn sie sei frei von jeglicher Weltanschauung und Religion, ihre Wirkung auf Körper und Geist wissenschaftlich anerkannt. Wann eine Meditationsmethode die richtige ist, sage einem das Gefühl. Er selbst musste erst die halbe Welt bereisen, bevor sich dieses Gefühl endlich einstellte. „Auf meinen Reisen durch Nepal und Indien habe ich viel über Meditation gelernt, doch keine war dabei, die mich innerlich so berührte, dass ich sie täglich anwenden wollte. Dieses Gefühl hatte ich erst in Thailand.“

Um der Natur zu folgen, muss man nicht im Dschungel leben



Dort traf Leeder auf Waldmönche, die zum Leben nicht viel mehr brauchen als die Natur. „Um die Gesetze der Natur kennenzulernen, ihnen folgen zu können, muss man nicht im Dschungel leben oder besitzlos sein. Aber das wahre Glück liegt im Schulen des Geistes“, erklärt Leeder, der inmitten des deutschen Luxus‘ einem einfachen Lebensstil den Vorzug gibt.
Seine Philosophie: „Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest.“ In bestimmten Situationen, wenn uns die kalte Wut packt, vergessen wir diesen Grundsatz mitunter. „Wir schaukeln uns hoch, entwickeln Hass und negative Gefühle, die wir oft lange nicht loswerden“, beschreibt der Meditationstrainer. Er empfiehlt, diese Empfindungen bewusst zu verarbeiten. „Ignorieren wir sie, wird aus einem kleinen Flämmchen möglicherweise ein Buschbrand, den niemand mehr löschen kann.“

Achtsamkeit ist Geistesgegenwart



Achtsamkeit bedeutet in der Meditation auch immer Geistesgegenwart. Die kann manchmal empfindlich gestört sein. „Uns gehen am Tag etwa 60.000 Gedanken durch den Kopf, die unsere Geistesgegenwart beeinträchtigen“, erklärt Franz Leeder. „Bei Kindern ist das noch nicht so ausgeprägt. Die spielen stundenlang und vergessen darüber die Zeit. Ab und an spüren wir das ja auch: Wenn wir etwas mit Freude tun, spielt Zeit keine Rolle.“
Erwachsene, denen die Freude des Moments, dieses „Sich-im-Fluss-Befinden“ abhandenkam, können das trainieren. Die Meditation sei dafür ein probates Mittel. „Wenn ich meditiere, lerne ich viel über mich selbst, weil ich den Blick nach innen richte. Ich wusste vorher nicht, wie stark meine Gedanken mich beeinflussen und ich lerne, was bei bestimmten Emotionen mit mir passiert.“
Was macht Meditation aus? Im Schneidersitz mit geschlossenen Augen auf dem Fußboden sitzen und versuchen, an nichts zu denken, will im Alltagsstress nur selten gelingen. „Das Geheimnis liegt in der Atmung“, bringt Leeder Licht in das Dunkel. „Sie verändert alles. Fühle ich meinen Atem, bin ich raus aus den Gedanken, werde geistesgegenwärtig, empfinde Freude. Bin ich hingegen atemlos, bedeutet das Chaos. Man sagt nicht umsonst: In der Ruhe liegt die Kraft.“

Auf Kommando zu entspannen, ist schwieriger als gedacht



Sich in Geistesgegenwart üben kann man überall und man muss sich dafür nicht in den Schneidersitz begeben. „Das funktioniert auch auf einem Stuhl, auf den ich mich ganz aufrecht setze, die Hände lege ich auf die Knie“, demonstriert Franz und lädt zu einem kleinen Experiment ein, das er nach etwa fünf Minuten mit einem „Omhhhhh“ beenden wird.
Sich auf Kommando zu entspannen, ist schwieriger als gedacht. Bevor die neugierig zwinkernden Augen zur Ruhe kommen, vergeht bestimmt eine Minute. Noch einmal kurz geblinzelt – Franz scheint bereits entrückt zu sein.
Der Atem geht langsam und gleichmäßig in den Bauch: Vier Sekunden ein- und vier Sekunden ausatmen. Im Kopf beginnt sich ein Schutzschild aufzubauen. Gedanken jeglicher Art prallen ab wie Gummibälle an einer Glaskuppel. Und plötzlich sind sie weg. Da ist nur noch Entspannung. Das ist unglaublich. Viel zu bald ertönt Franz‘ „Omhhh“ – ein Ton aus tiefster Kehle. Augen auf – willkommen zurück. Minutenlang an gar nichts zu denken, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Und der Geist ist zweifellos klarer als zuvor.
Franz lächelt breit, als hätte er genau diese Reaktion erwartet. „Meditieren“, sagt er, „kann man auch in der Natur. Ich liebe das.“ Bis zum Garten, wo es blüht und brummt, sind es zu Fuß nur wenige Minuten. Dort angekommen begibt sich Franz sogleich in die Waagerechte und zieht den Duft der bunten Blüten tief ein. „Viele Menschen suchen das Glück zu selten in sich selbst“, sagt er, den Blick auf das Blütenmeer geheftet. „Sie suchen es außerhalb, im Materiellen. Doch dieses Glück währt nur kurze Zeit. Irgendwann haben sie alles, nur die Früchte des inneren Friedens bleiben ungeerntet.“ Vielleicht taugen diese Worte als Erklärung dafür, dass viele Menschen unzufrieden sind, obwohl sie sich beinahe jeden Wunsch erfüllen können.

Meditation ist Schulung des Geistes



Eine kleine Meditation am Tag sorge bereits für ein gutes Lebensgefühl, weiß Franz Leeder. „Wir putzen uns zweimal täglich mindestens drei Minuten die Zähne, warum sollten wir nicht ebenso viel Zeit für unseren Geist aufbringen können?“ Meditation bezeichnet Leeder als eine Schulung des Geistes, in der alles mit allem zusammenhängt: „Gedanken, Gefühle, Geist, Körper.“
Und die Gedanken sind frei? – „Ja“, antwortet der Meditationstrainer. „Sie sind wie Wolken, die vorüberziehen. Ob Regen- oder Gewitterwolken daraus werden oder ob sie sich auflösen und der Sonne Platz machen, liegt in meiner Kraft.“


Zur Person:
Franz Leeder, Jahrgang 1986, studierte Lehramt, brach das Studium kurz vor dem Staatsexamen ab, um auf Selbstentdeckungsreise zu gehen. Seit 2015 gibt er als Meditationsleiter Kurse in Saalfeld.
www.spektrumherz.de

Hintergrund:
Mentaltechniken beugen Depressionen vor. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe leiden in Deutschland vier Millionen Menschen unter Melancholie, darunter doppelt so viele Frauen wie Männer. Gründe sind hormonelle Veränderungen und Gedankenmuster, wie Angst und Zweifel.
Glückshormone wie Serotonin, Dopamin und Endorphine werden vor allem durch Licht, Bewegung an der frischen Luft und eine ausgewogene Ernährung gebildet.
Ziel eines Mentaltrainings sollte es sein, eine achtsame Lebensweise innerlich zu verankern. Das kann man mittels bestimmter Atemtechnik – zum Beispiel in den Bauch – erreichen.


Zum guten Schluss noch eine der vielen Meditationsarten:
Ach, du liebe(nde) Güte!
Meditation ist nicht gleich Meditation – es gibt verschiedene Arten. Der berühmte deutsche Dichter Friedrich Schiller war der Auffassung: „Die Kraft der Liebe ist eine unerschöpfliche Quelle.“ Diese Worte könnten die Basis der „Liebende-Güte-Meditation“ sein. Meditationstrainer Franz Leeder erklärt sie: „Es gibt Menschen, die wir nicht mögen, mit denen wir aber auskommen müssen. Solche Aversionen können wir beeinflussen. Wir denken an ein Lebewesen, das uns nahesteht, bei dem uns das Herz aufgeht. Dieses Gefühl des Wohlwollens übertragen wir auf eine neutrale Person, wie beispielsweise den Briefträger. Gelingt uns das, können wir mit etwas Übung dieses Gefühl bei einer komplizierten Person entstehen lassen.“

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