Mordende Frauen in Thüringen - meinanzeiger.de
10. Februar 2020
Arnstadt

Mordende Frauen in Thüringen

Archivar und Autor Frank Esche hat in verschiedensten Archiven nach interessanten Kriminalfällen und den damit verbundenen Personen geforscht. Das Ergebnis ist ein Sachbuch über Thüringer Mörderinnen. Foto: Andreas Abendroth

Spannende Akten wurden von Frank Esche in Archiven entdeckt

Von Andreas Abendroth

Den in Jena geborenen Frank Esche könnte man als Spezialist für Thüringer Kriminalfälle bezeichnen. Nein, nicht als Ermittler, eher als Spürnase für das Auffinden von Akten in den Tiefen von Archiven, in kilometerlangen Regalen voller historischer Akten. Der Diplom-Archivar arbeitete zunächst in einem Stadtarchiv, zuletzt im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt.

Als der Archivar war und ist er prädestiniert, so manches Licht in die dunkelsten Kapitel von Menschen zu bringen. „So grausam war die Realität nun oftmals. Und nicht immer wurde mit allen Mitteln die Ermittlungen geführt, nach dem wirklichen Recht gesucht“, so Esche.

Ein Buch über Frauenschicksale

Cover des Buches „Thüringer Mörderinnen“

Allgemeine Mordfälle aus allen Schichten der Gesellschaft schildert er in seinen Thüringer MordPitavalen. Jetzt präsentiert er ein Sachbuch mit dem Titel „Thüringer Mörderinnen“, welches bereits 2009 die Buchregale erobert hat. Gemeinsam mit dem Kriminalhistoriker Wolfgang Krüger hatte er in dem Buch „Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott“ gesammelt.

Warum eine Neuauflage? Auch darauf hat der Autor eine plausible Antwort: „Eigentlich gibt es zwei Gründe. Zum einen gab es viele Nachfragen zu dem Buch. Kriminalfälle scheinen ein großes Interesse zu wecken. Ein anderer Aspekt ist, dass ich wichtige Ergänzungen und Korrekturen vornehmen musste. Zu einigen Fällen konnte ich neue, zusätzliche Akten in den Archiven finden. Deshalb jetzt eine überarbeitete Neuauflage.“

Man sollte zu dem Buch auch wissen, es handelt sich um ein wissenschaftlich, fundiertes Sachbuch. In ihm werden keine fadenscheinigen, oftmals zusammengereimten Geschichten, wie in manchen Kriminalromanen oder Fernsehkrimis erzählt. Zu allem gibt es Akten – es sind wahre Kriminalfälle zwischen 1859 und 1938. Bloß, dass die Akten nicht immer da stehen sollten, wo sie eigentlich hingehören. „Die protokollierten Verhöre, Zeugenaussagen und Bilder wanderten zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und der Verteidigung hin und her. Dazu kommen noch Asservate – also für eine Gerichtsverhandlung wichtige Beweismittel – die auch in den Archiven eingelagert wurden. Dazu zählen in meinen recherchierten Fällen Schrotkugeln, Messer und Seile. Vieles wurde im 19. Jahrhundert, Anfang 20. Jahrhundert sehr chaotisch geordnet“, so der Archivar.

Gift ist ein beliebtes Hilfsmittel

Doch wo liegen die gravierendsten Unterschiede zwischen den Taten von Männern und Frauen? „Bei der Ausführung der verbrecherischen Taten nehmen sie sich nichts. Nur die Motivlage ist oftmals anders. Bei Männern steht das Materialistische im Vordergrund. Bei den weiblichen Mörderinnen geht es eher um Liebe, Rachegelüste oder der Angst, ihren sozialen Status zu verlieren. Die Ausführung der Tat erfolgt oftmals heimtückischer, oftmals unter Zuhilfenahme von Gift.“

Arsen und Strychnin kommen in vier geschilderten Fällen zur Anwendung. Auch die Kriminalakten von zwei abscheulichen Kindestötungen werden in dem Kriminalsachbuch aufgerollt. Das Urteil: Todesstrafen, aber auch Begnadigungen zu lebenslangen Haftstrafen. In einem Fall tauchten neue Akten auf, so dass es zu einem Revisionsprozess mit dem Ergebnis Freispruch kam. Im Fall Marie Rosine Strauß wurde die Akte mit der letzten öffentlichen Hinrichtung in Deutschland – 21. Oktober 1864, Enthauptung mittels Richtbeil – geschlossen.

Das Urteil: lebenslange Haft- und Todesstrafen

In der überarbeiteten Neuauflage werden 21 Kriminalfälle aus dem gesamten Thüringer Raum aufgerollt, im Detail geschildert. Die Opfer sind dabei nicht nur die Ehemänner. Auch Schwiegerväter, Schwiegermütter und Kinder verloren ihr Leben. Die beiden Autoren schildern in den Fällen aber nicht nur die reine Schandtat des Verbrechens. Sie beleuchten auch anhand der vorhandenen Dokumente das Lebensumfeld der Delinquentinnen. Sie beleuchten familiäre Umstände, psychologische Aspekte, welche der Auslöser für die Taten gewesen sein können. Gleichzeitig bekommt der Leser auch einen Einblick in das damalige Rechtssystem, dessen Umsetzung und den Vollzug des jeweiligen Urteils.

Informationen zum Buch:

– Thüringer Mörderinnen

– Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott

– 21 aufgerollte Kriminalfälle mit zahlreichen Abbildungen aus Kriminalakten

– Softcover mit 240 Seiten

– 2. überarbeitete Auflage 11/2019

– ISBN 3934277853

– Verlag Kirchschlager Arnstadt

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