4. September 2020
Arnstadt

Sicher rodeln

Im TÜV-Prüflabor in Arnstadt werden die neuesten Schlitten einem Härtetest unterzogen

Die Schlittenprüfung erfolgt jetzt im Sommer. Foto: TÜV Thüringen

Mit Schnee und Eis ist bei den derzeitigen Temperaturen nicht zu rechnen. Trotzdem werden die neuesten Schlitten schon hervorgeholt. Denn ihnen steht ihre härteste Prüfung im Prüflabor für Gerätesicherheit des TÜV Thüringen in Arnstadt bevor – wer hier versagt, darf im Winter nicht mitspielen.

Rodelschlitten müssen einiges aushalten, schließlich sollen sie nicht beim ersten Sprung über eine Bodenwelle zerbrechen – und auch gewichtigeren Rodlern standhalten. Neben aufblasbaren Schlitten, Rutschtellern und Bobs sind vor allem die klassischen Rodelschlitten aus Holz oder Kunststoff sehr beliebt.

Alle Rodelschlitten für den Freizeitspaß müssen der europäischen Spielzeugnorm DIN EN 71-1 und den entsprechenden Prüfgrundsätzen entsprechen. Diese Schlitten werden vom TÜV Thüringen im Prüflabor in Arnstadt geprüft. Die Schlittenhersteller erklären mit dem CE-Zeichen die Konformität mit den europäischen Normen und dokumentieren so die Mindestanforderungen in Sachen Produktsicherheit. Doch das ist einigen Herstellerfirmen noch nicht genug: Sie lassen ihre Produkte zusätzlich von einem unabhängigen Prüflabor für Gerätesicherheit überprüfen. Bei einem positiven Ausgang erhalten die Schlitten dann das begehrte GS-Prüfsiegel.

Bei einer Schlittenprüfung werden in erster Linie die mechanischen und physikalischen Eigenschaften untersucht. Jeder Schlitten muss pro Sitz für fünf Minuten eine statische Belastung von 180 Kilogramm aushalten, für einen Zweisitzer bedeutet das einen Test mit 360 Kilogramm. Generell darf es keine Stellen geben, an denen man sich die Finger quetschen oder scheren kann. Die Produktsicherheitsexperten achten zudem auf scharfe Ecken und Kanten. Das Verletzungsrisiko soll für die Benutzer so gering wie möglich sein. Deshalb wird auch die Standsicherheit des Schlittens auf einer schiefen Ebene unter Last simuliert. Hier darf der Schlitten auch bei einer Seitenneigung von 10 Grad nicht kippen.

Noch härter sind die Prüfungen mit dynamischer Belastung: Hierbei wird ein Gewicht von 90 Kilogramm aus einem halben Meter Höhe auf den Schlitten fallengelassen. So wird der Aufprall des Rodlers beim Überfahren einer Bodenunebenheit auf den Schlitten nachgeahmt. Kunststoffrodel müssen für diesen Falltest zunächst auf winterliche Umgebungstemperaturen gebracht werden, denn sie dürfen auch bei Frost nicht zu spröde werden und müssen die Prüfung auch bei -25 Grad Celsius überstehen. Zudem werden Kunststoffschlitten einer chemischen Untersuchung unterzogen. Auch Haltegriffe und Zugseil gehören zum Umfang der GS-Prüfung, wenn vorhanden wird natürlich auch die Bremse getestet.

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