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15. September 2022
Arnstadt

Vielseitig einsetzbar vom Kurztrip bis Mehrtagestouren

Im Test: Der Rucksack Millet UBIC 30

Auf Tour zum Jenner - hoch über dem Königsee in den Berchtesgadener Alpen. Auch auf diser Wanderung hat sich der Millet UBIC 30 bewährt. Foto: Andreas Abendroth

Von Andreas Abendroth – Redaktion Sonderthemen bei FUNKE Medien Thüringen

Wer gerne Wandern geht, führt meistens einen Rucksack mit sich. Die Auswahl ist scheinbar schier unendlich und wie sagt man so schön: „Wer die Wahl hat, hat die Qual“.

Doch was für einen Rucksack benötigt man wirklich? Was muss er können, was bieten und was aushalten? Ich habe mich auf die Suche nach meinem Favoriten gemacht.

Rucksäcke begleiten mich bereits mein ganzes Leben. Ich hatte und habe die unterschiedlichsten Modelle – dem Zweck entsprechend. Aufs Fahrrad nehme ich natürlich keinen großen Trekkingrucksack, auch nicht für eine Tageswandertour. Aber trotzdem sucht man immer nach dem Allrounder – sozusagen einer, passend für alle Gelegenheiten. Er darf nicht zu schwer sein, muss für die wichtigsten Dinge – manchmal auch für ein wenig mehr – Platz bieten, an der Außenseite Befestigungsmöglichkeiten haben, auf manche Fächer einen schnellen Zugriff gewähren, einen optimalen Tragekomfort aufweisen und muss auch schon einmal einen kleinen Regenguss ohne Schutzhülle standhalten.

Im Gespräch mit einem rüstigen Wanderer auf der Hintergrathütte (2.661 Meter) in Südtirol, machte mich dieser auf Millet aufmerksam. „Da musst du mal schauen, die gibt es schon lange. Von denen habe ich schon gute Rucksäcke seit den 80ern“, so der Tipp.

Wieder daheim in der Mittelgebirgsregion, recherchiere ich nach dem französischen Unternehmen Millet. Und ich bin sehr erstaunt: seit 1921 gibt es den Familienbetrieb. Über die Jahre rüsteten sie Bergsteiger bei ihren Himalaya-Expeditionen aus, namhafte Alpinisten wie Louis Lachenal, Maurice Herzog, Walter Bonatti nutzten die Ausrüstung, auch Reinhold Messner 1978, als ihm die erste Besteigung des höchsten Berges der Welt – Mount Everest (8.848 Meter) – ohne zusätzlichen Sauerstoff gelang. Wie es scheint, hat das französische Unternehmen immer nach vorne geblickt, war offen für zukunftsweisende Produktentwicklungen. Sie entwerfen den ersten Rucksack aus Nylon, verwenden bei der Bekleidung die Membrane-Technik, suchen die Zusammenarbeit mit Bergführern und Sportlern. Bis heute…

Der Millet-Rucksack ist gepackt für eine Hochgebirgstour in den italienischen Alpen (Südtirol/Alto Adige) unterhalb von Ortler (3905 m), Monte Zebrù (3735 m) – auf dem Foto – und Königsspitze ( 3851 m). Foto: Andreas Abendroth

Für Tageswanderungen bis zu Dreitagestouren mit Hüttenübernachtung reicht ein Rucksack mit 30 Litern Packvolumen völlig aus

Auf meiner Suche durch das Rucksackprogramm finde ich den UBIC 30. Mit einem Volumen von 30 Litern entspricht er meinen Größenvorstellungen. Auf der Homepage wird er mit: „Ein besonders vielseitiger Wanderrucksack, der sowohl auf Halbtages- wie auf Zwei- oder gar Dreitagestouren mit Hüttenübernachtung überzeugt.“ Und er ist aus vollständig recycelten Fasern gefertigt. Das finde ich aus Umweltgründen sehr gut und umso mehr bin ich auf den Rucksack gespannt.

So, der Rucksack ist da. In Marineblau – einem intensiven, dunklen Blauton. Mit roten Reisverschlüssen und roter Innenfarbe. Was mir sofort auffällt, von dem Rucksack kommen keinerlei chemische noch andere Gerüche. Auf einem Anhänger werden die Vorzüge und Besonderheiten aufgezeigt: Ein Rucksack für alle Jahreszeiten, aus 100 Prozent recyceltem Material hergestellt, mit multifunktionell einstellbarem Variloop-Befestigungs-/Haltesystem und so weiter. Die Rückseite bietet einen festen und doch gut gepolsterter Rückenbereich. In den Polyurethanschaum sind Lüftungsschlitze eingearbeitet, welche eine Luftzirkulation und Wärmeableitung nach außen ermöglichen. Alles ist mit einem 3D-Netzmaterial überzogen. Darüber hinaus verfügt der Rucksack über eine Innen- und Außentasche mit Reißverschluss in der Deckelklappe, einer Fronttasche mit Reißverschluss und einem Netz-Frontfach, einer linke Seitentasche aus Netzmaterial, einer rechten Tasche mit Reißverschluss und einem Bodenfach mit Reißverschluss. Zur Ausstattung gehört zudem noch eine Regenhülle. Die Wasserdichtigkeit wird mit 1.000 Millimeter angegeben. Das entspricht der Klasse 2: Wasserdicht auch bei starkem Regen (Wasser von oben). Aber es könnte Wasser eindringen, wenn Wasser aus einem seitlichem Winkel auftrifft. Der Rucksack ist mit einer PFC-freien *1, dauerhaft wasserabweisende Imprägnierung versehen.

Alles klar. Also bei stärkerem, länger anhaltenden Regen die Hülle darüberstülpen.

Zum Schluss noch die Überprüfung des Gewichtes mit der Kofferwaage: Mit den Werbe und Hinweisetiketten knapp 1.390 Gramm.

Vor dem ersten Einsatz auf einer Wandertour im Thüringer Wald, muss natürlich der Rucksack passend zu mir eingestellt werden. Ich löse die Gurte für Hüfte, Schulter und Brustbereich. Danach belade ich den Rucksack mit rund fünf Kilogramm Inhalt. Dann heißt es Schultern und den Hüftgurt anpassen und schließen. Es folgen die Einstellung der Schultergurte und des Brustgurtes. Hier finde ich es genial, dass man den Brustgurt in vorgesehene Laschen einrasten kann, um so die passende Höhe zu finden. Der Rucksack liegt direkt am Rücken an, die Hauptlast wird auf den Hüftbereich verteilt. Eine Nachjustierung wird unterwegs mit Sicherheit notwendig sein, doch jetzt fühlt sich der Rucksack richtig gut an.

Vorderansicht des Millet UBIC 30 nach dem Auspacken. Foto: Andreas Abendroth
Rückansicht des Millet UBIC 30. Foto: Andreas Abendroth

Wer sich zu einer Tour aufmacht, sollte an eine Grundausstattung im Rucksack denken

Zur Grundausstattung bei mir gehören immer ein Erste-Hilfe-Paket, Trillerpfeife, ein kleines Taschenmesser, Feuerzeug, Wander-Isolier-Sitzkissen, Taschentücher, verschiedene Karabinerhacken und ein Handtuch. Dazu kommen je nach Tour und Wettersituation: Wechselkleidung, Trinken und Essen, Taschenlampe und Knicklicht, Kartenmaterial, Kompass, ein GPS-Gerät, Fernglas, Sonnenschutzmittel, Wanderstöcke, Seile und Gurte, Helm und meine Fotoausrüstung.

Mein Tipp: Mehrere Rettungsdecken einstecken. Sie wiegen nicht viel und sind sehr vielseitig einsetzbar. So kann man sich oder andere zum Warmhalten einhüllen, sie halten im Notfall Wind und Regen ab und man kann sie großflächig auf dem Boden als Noterkennungszeichen ausbreiten (goldene Seite nach oben), um so eine 210 x 160 Zentimeter große Reflektionsfläche zu schaffen, welche aus der Luft oder von Gegenhängen gut sichtbar ist.

Im Vorfeld den Rucksack Zur Probe bepacken und Grundeinstellungen für einen optimalen Sitz vornehmen

Unterwegs im Mittelgebirge: Auf meiner ersten Tour rund um den Schneekopf (978 Meter) trägt sich der Rucksack richtig angenehm. Er sitzt gut auf der Hüfte auf, die gepolsterten Schulterträger merkt man kaum. Der Rucksack liegt dicht am Rücken an und auch nach der Hälfte des Rundweges – bei Kilometer 6 – ist mein Rückenbereich dank der integrierten Belüftungs-Einsätze trocken. Auf die Außenfächer hat man während der Wanderung leichten Zugriff. Im Bodenfach ist die Kameraausrüstung verstaut. Im Hauptfach Jacke und das Essen. Benötigt man insgesamt mehr Stauraum lässt sich das Bodenfach durch einen Reißverschluss öffnen, das Hauptfach wird im Volumenumfang vergrößert.

Auch auf kleinen Tageswanderungen – hier bei einer Pause am „s’Brönnle“, einer Quelle bei Gehlberg im Thüringer Wald – hat sich der Millet-Rucksack bewährt. Foto: Andreas Abendroth

Unterwegs im Hochgebirge: Meine nächsten Touren führen mich ins Hochgebirge und durch eine Klamm. Ein anderes Terrain, welches ein ganz anderes Profil im Bewegungsablauf erfordert. Von Königssee geht es hinauf auf den 1.874 hohen Jenner in den Berchtesgadener Alpen. Kein ebener, weicher Waldwanderweg. Es geht über Forst- und Schotterwege, eine sommerlich grüne Skipiste. Die Kieswege sind manchmal ganz schön rutschig. Die Steigung ist nicht ohne und lässt einen schon aus der Puste kommen. Man versucht aufrecht zu gehen und doch läuft man mit dem Oberkörper nach vorne gebeugt. Doch der Rucksack liegt gut am Rücken an, drückt nicht, verrutscht kaum. Auch wenn ihn mal absetzte, um zu trinken, die Beine mal auszustrecken oder das Objektiv an der Kamera zu wechseln, die Trageposition bleibt erhalten. Ich bin sehr zufrieden.

Auch für einen Kurztrip im Hochgebirge – hier Berchtesgadener Alpen – reicht der Millet-Rucksack UBIC 30 völlig aus. Foto: Andreas Abendroth

Unterwegs in einer Klamm: Die dritte Tour führt mich in die Almbachklamm bei Marktschellenberg. Die tiefe, sehr wassereiche und nasse Schlucht kann man auf einer Länge von 2,8 Kilometern durchlaufen. Eher müsste man sagen durchsteigen. Auf mehr als 320 Stufen, über 29 Brücken und Stege, durch einen Tunnel und über 168 Meter Nischenwege überwindet man einen Höhenunterschied von 220 Metern – in einem grandiosen Naturambiente.

Auf Tour durch die Almbachklamm bei Marktschellenberg. Mit dabei: das Testobjekt, der Millet-Rucksack UBIC 30. Spritzwasser und so manches entlangschleifen am Fels konnten dem Rucksack nichts anhaben. Foto: Andreas Abendroth

An manchen Stellen kann man in der wildromantischen Schlucht nicht aufrecht gehen, kommt Gegenverkehr heißt es warten oder sich aneinander vorbeizuschieben. Der Oberkörper ist ständig in Bewegung. Mein Gepäck – in diesem Falle der Rucksack – sitzt fest, verrutscht nicht. Auch schleift der Rucksack ab und zu am Felsen entlang. An anderen Stellen tropf Wasser von oben herab. Am Sulzer Wasserfall angekommen, setze ich den Rucksack ab, um ihn zu begutachten. Er hat die Tortur gut überstanden. Etwas feuchter Schmutz von den Felswänden, der sich leicht entfernen lässt – keinerlei Beschädigungen. Ich bin richtig froh. Das Material ist also sehr strapazierfähig.

Der Millet UBIC 30 bietet ein sehr gutes Tragegefühl. Der Rucksack liegt direkt am Rücken an, die Last wird über die Hüftgurte gut verteilt. Foto: Andreas Abendroth

 

 

Zu guter Letzt – Mein Fazit

Der Millet Ubic 30 hält, was im Namen bereits verankert ist. Ubic – abgeleitet vom lateinischen ubique – steht für einen überall einsetzbaren, verwendbaren Rucksack. Besonders sein durchdachtes Design, die vielfältigen Möglichkeiten Dinge zu verstauen und zu befestigen, machen in zu einem Multitalent für Wander- und Bergtoren. Er ist vom Material robust, auch bei voller Beladung bleibt er in der vorgegebenen Form. Das festintegrierte, atmungsaktive Rückensystem lag gut an und in Kombination mit den Einstellmöglichkeiten der Schulter-, Hüft- und Brustgurte hatte ich ein sehr bequemes Tragegefühl. Wer einen klasse Rucksack sucht – meine Empfehlung.

 

 

 

Technische Angaben

Typ:                       Millet UBIC 30

Volumen:            30 Liter

Maße:    Höhe 62 cm, Breite 27 cm, Tiefe 22 cm

 

 

Mehr Informationen: https://www.millet-mountain.de

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