Die "Zirkuskirche" von Hauteroda - meinanzeiger.de
13. November 2017
Artern

Die „Zirkuskirche“ von Hauteroda

AA-Serie: Hohe Kunst - dafür legen wir den Kopf gern in den Nacken

Gundula Beutler, Küsterin in der evangelischen Kirche „Sankt Martini“ in Hauteroda bei Heldrungen, gibt Auskunft über den ungewöhnlichen Sternenhimmel.

„Siehst du, wie viel Sternlein stehen…? – Diese Liedzeile fällt Betrachtern unserer Kirchendecke wohl als erstes ein. Die Sterne am tonnengewölbten Himmel unserer Kirche in Hauteroda zu zählen, würde wahrscheinlich Stunden dauern und einen verspannten Nacken bescheren. Mit ihren akkuraten Quadraten gleicht die Decke einem Rechenheft, wobei in jedem Kästchen ein goldener Stern statt einer Ziffer prangt.
1708 wurde unsere Kirche erbaut, nachdem die alte aufgrund von Bauschäden abgerissen war. Aus alten Unterlagen geht hervor, dass es den Sternenhimmel schon lange gegeben haben muss. In den 1980er Jahren war davon kaum noch etwas zu sehen, weil die Kachelöfen die Kirche verrußt hatten. Also fanden sich die meisten Männer des Dorfes zusammen, um die Decke zu erneuern. Jeder, der Zeit und Sinn für das Gemeinwohl hatte, war dabei. Die Männer standen auf einem Baugerüst und brachten die Sterne mittels Schablonen auf. 
Wenn der Himmel auch an verschiedenen Stellen gerissen ist, so hat er von seiner Leuchtkraft bisher kaum etwas eingebüßt – dank unserer modernen Bankheizung. Und er steht in angenehmem Kontrast zu den übrigen Farben, die die Kirche dominieren: rot, blau, braun, gold, weiß. Die älteren Leute im Dorf nennen sie der vielen Farben wegen Zirkuskirche, aber das ist Ansichtssache.“

Auch interessant