Elisabeth von Thüringen – eine bemerkenswerte Frau - meinanzeiger.de
4. Oktober 2018
Artern

Elisabeth von Thüringen – eine bemerkenswerte Frau

Reihe der Montagsgespräche fortgesetzt

Seit einigen Jahren gehören zu den regelmäßigen Veranstaltungen der Ländlichen Heimvolkshochschule (LHVHS) Kloster Donndorf die Montagsgespräche. Diese Reihe wurde am 01. Oktober durch Pastorin Beate Stöckigt aus Apolda fortgesetzt. Sie referierte zum Thema „Elisabeth von Thüringen – eine bemerkenswerte Frau“. Anlass dazu bot ein zur gleichen Zeit an der LHVHS angebotenes Seminar zum Thema „Auf den Spuren der Thüringer Landgrafen“. Stöckigt übernahm dabei für Elisabeth den aus der Literatur entliehenen Titel „Die große Liebende“ (Autorin: Elfriede Kiel) als charakteristische Beschreibung ihres Lebens. Mit dieser Charakterisierung ließe sich das ganze Leben der Heiligen Elisabeth beschreiben.
Aus dem ungarischen Königsgeschlecht abstammend wurde sie 1207 geboren und schon vier Jahre später durch einen Ehevertrag dem Sohn des damaligen Thüringer Landgrafen versprochen. Dabei seien die Gründe für die Heirat vor allem politischer Natur gewesen, da durch diese das prostaufische Bündnis gestärkt werden sollte. Nachdem Elisabeth mit einer umfangreichen Mitgift ausgestattet und von thüringischen Gesandten begleitet in Eisenach ankam, wurde die feierliche Verlobung zwischen Elisabeth und ihrem vorgesehenen Ehemann Hermann gefeiert. Nachdem dieser allerdings verstarb, nahm sich dessen jüngerer Bruder Ludwig Elisabeths an. Das natürliche Verhalten Elisabeths gegenüber Ludwig lässt erahnen, dass es sich bei deren Hochzeit 1221 um eine Liebesheirat handelte. Drei Tage lang wurde mit Turnier, Tanz und mittelalterlichem Pomp gefeiert.
Hatte sie sich schon als Kind für die Armen eingesetzt, so konnte sie nun umso mehr ihr Augenmerk auf diese richten. In Zeiten von Hunger und Seuchen speiste sie bis zu 900 Kranke aus den Gaben der landgräflichen Küche. Sie verkaufte für die sozial Benachteiligten ihre Kleider und Juwelen, öffnete die Getreidekammern und verteilte Almosen. Dass dies am Hofe nicht gern gesehen war, hielt sie von dieser Lebensweise nicht ab. Da sie sich der Unterstützung ihres Mannes sicher war, konnte sie unterhalb der Wartburg sogar ein Hospital errichten, das sie selbst zweimal täglich besuchte, um sich um die Kranken zu kümmern. Sie erbrachte wahrliche Samariterdienste in den Siechenhäusern Thüringens. Nachdem Ludwig nach nur sieben Jahren Ehe bei einem Kreuzzug auf dem Weg ins Heilige Land im italienischen Otranto verstarb, lebte Elisabeth gemäß einem Gelübde fortan keusch und streng nach den Vorstellungen des Franz von Assisi, indem sie allem Reichtum absagte und ihr Leben weiterhin allein in den Dienst für die Armen stellte. Sie ergab sich dem Willen Gottes in vollkommener Weise, auch wenn sie ab diesem Zeitpunkt aufgrund der Vormünder ihres noch minderjährigen, also nicht regierungsfähigen Sohnes nicht mehr aus den Vollen der landgräflichen Kassen schöpfen konnte.
Sie zog auf ihr Witwengut in Marburg und verzichtete auf ihre Kinder, damit diese weiterhin die Chance auf höfische Erziehung hatten, um ihr Leben gut gestalten zu können. In ihrer Art der radikalen Nachfolge errichtete sie auch auf ihrem Witwengut ein Hospital, in dem sie Ausgestoßene und Kranke pflegte. Sie lebte nach den Regeln, die ihr Beichtvater, der Dominikanermönch Konrad von Marburg, für sie aufgestellt hatte. Von den zahlreichen Entbehrungen ihres Lebens gezeichnet, verstarb sie im Alter von nur 24 Jahren am 17. November 1231. Zwei Tage später wurde sie in Marburg beigesetzt. Das Verfahren zur Heiligsprechung fand vier Jahre später seine Vollendung.
Der Vortrag wurde durch die Verlesung der „Sieben Werke der Barmherzigkeit für Thüringen heute“ von Altbischof Dr. Joachim Wanke beschlossen, in denen er die Taten der Elisabeth in den aktuellen Kontext stellt und für heutige Menschen erschließt. Damit konnte ein interessanter Anstoß zur Umsetzung „elisabethischer“ Nächstenliebe in der Jetzt-Zeit gegeben werden.
Zum nächsten Montagsgespräch lädt die LHVHS am 05. November 2018 um 19.30 Uhr ein. Dabei referiert Monika Scherer (Schulleiterin der LHVHS) zum Thema „Vergänglichkeit, Tod und Ewigkeit in der Literatur“. In einem Streifzug durch verschiedene Epochen der deutschen Lyrik und Literatur soll der durch den jeweiligen Zeitgeist geprägte unterschiedliche Umgang mit dieser Thematik beleuchtet werden. Der Eintritt zum Montagsgespräch ist frei. Um eine Spende zur Unterstützung der Bildungsarbeit der LHVHS wird gebeten.

Pfarrer Helfried Maas (Pfarrer im Kirchspiel Wiehe und an der LHVHS)

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