19. März 2021
Bad Langensalza

Auch mit 85 hat Dieter Schmidt noch viel vor

Der Bad Langensalzaer war jahrelang in Thüringen als Fotojournalist tätig

Seit sechs Jahren ist der ehemalige Fotojournalist Dieter Schmidt in Bad Langensalza zu Hause. Hier fühlt er sich sehr wohl, er ist angekommen.  Foto: privat

Da kommt noch was!“ Gert Dieter Schmidt ist nur schwer zu bremsen, wenn er ins Erzählen gerät. Der ­Senior und einstige Fotojournalist mit der riesigen Leidenschaft für Sportfotografie fühlt sich gut, auch wenn die Schulter gerade ein wenig schmerzt. Das darf sie bei einem Mittachtziger. Am 15. März ist Dieter Schmidt (den „Gert“ lassen die meisten einfach weg) 85 Jahre alt geworden. Und er hat noch einiges vor.

„Ach“, winkt er ab, bloß kein Aufhebens um seine Person machen, er meine sich doch nicht selbst mit der Ankündigung, dass da noch etwas komme. Sein Buch wird dicker. „Ich ­arbeite gerade an der zweiten Auflage“, sagt er und macht neugierig, welche Geschichten er seinen 2018 erschienenen Erinnerungen „Etwas aufregend war es schon – mein ­Leben als Fotojournalist“ noch hinzufügt. Darin plaudert er beispielsweise von seiner charmant-schlitzohrig ­ertricksten Begegnung mit Diego Maradona, erzählt von den unzähligen Schnappschüssen „seiner“ geliebten Thüringer Spitzensportler oder lässt den Leser an ­Begegnungen mit Helmut Kohl oder Udo Lindenberg teilhaben. Jetzt kommt auf jeden Fall noch Beckenbauer hinzu, lässt uns Dieter Schmidt wissen, noch in diesem Frühjahr soll alles fertig geschrieben sein.

Er schreibt inzwischen Bücher

Auch ein anderes seiner Bücher, sein erstes, ist gerade wieder im Fokus. Darin setzt Dieter Schmidt seinem Großvater Ernst Otto Schmidt ein Denkmal, dem „Maler­meister, Erfinder und Visionär“, der sich um die ­Entwicklung des Drehflüglers – des Hubschraubers – mit verdient gemacht hatte. Wissenschaftler Berend van der Wall vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt interessiert sich brennend für diese ­Geschichte. „Er möchte dazu nächstes Jahr Vorträge in den USA halten, mit dem Buch als Vorlage“, ist Dieter Schmidt sichtlich stolz.

Obwohl er sich seines ­Wissens­durstes wegen mit so sehr vielen Dingen vom Drehflügler bis hin zum Bernsteinzimmer und anderen verborgenen Schätzen recht gut auskennt, ist ihm die Sportfotografie über all die Jahre doch ­immer das Herznächste. „Es ist das Faszinierende daran, dass es ­dabei so viele unerwartete ­Momente gibt“, versucht er seine Leidenschaft zu erklären. „Die Situation vor der Kamera­linse kann sich in ­Sekundenbruchteilen verändern. Da musst du unwahrscheinlich schnell reagieren, der Zeit manchmal voraus sein“, weiß er um das ­Geheimnis so manchen Schnappschusses. Auch, wenn es nicht um Sportler als Motiv geht.

Unzählige Bilder & Geschichten

Tausende seiner Bilder hat er zu Hause archiviert, ungezählt viele waren in seinen Jahren als Fotojournalist in Thüringer Zeitungen zu ­sehen, auch das „Deutsche ­Historische Museum“ besitzt Bilder von ihm. Wer Dieter Schmidt begegnet und ein wenig Zeit hat, kann dazu viele Erinnerungen und ­Geschichten hören. „Ich ­hatte das Glück, viele ­berühmte Sportler fotografieren zu dürfen, habe auch die DDR-Nationalmannschaft begleitet“, weiß er zu berichten.
Zu vielen von ­ihnen hat er noch heute einen guten Draht. Genau wie zu seinen einstigen Fotografenkollegen, die ihn – der während seiner Armeezeit das Fotografieren für sich entdeckt hatte und das später im Kombinat Umformtechnik vervollkommnen durfte – mit offenen Armen aufnahmen und ihn an ihrem Wissen teil­haben ließen, als Dieter Schmidt nach der Wende ­beschloss, das Fotografieren beruflich zu betreiben. „Wenn ich noch mal jung wäre, würde ich wieder Sportfotograf werden“, lautet heute sein Fazit. Alles richtig ­gemacht. Er lacht und ist voller Energie. „Nie den ­Optimismus verlieren“, ist sein Lebensmotto.

Mit seinen 85 Jahren gönnt es sich Dieter Schmidt, nur noch zum Vergnügen zu fotografieren. Vielleicht, so überlegt er, wagt er wieder einmal ein paar Experimente in Schwarzweiß. „Damit kann man ganz viel machen, kann sehr variabel sein.“

Wenn es ihn noch in diesem Jahr in „sein“ Marbella zieht – dort stellt er sein Buch über die Stadt vor – dann ergeben sich bestimmt wieder viele neue Motive für den passionierten Fotografen. Oder wenn er es endlich schafft, sich seinen großen Traum von der Florenz-Reise zu erfüllen. „Mein Lieblingsland ist Italien“, spricht ­Dieter Schmidt über seine Urlaubsträume. Bis es soweit ist, genießt er es, zu Hause zu sein. In Bad Langensalza, ­wohin ihn vor ein paar Jahren die Liebe verschlagen hat. „Die ist noch frisch“, sagt er lächelnd und fühlt sich so sehr wohl. „Hier ­leben ganz viele nette Menschen.“ Und wenn die Schulter nicht mehr wehtut, schwingt er sich auch wieder aufs Fahrrad und packt im Garten tüchtig mit an. Da kommt noch was.

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