1. Februar 2021
Thüringen

Serie MeinMuseum: Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte

Das Museum642 am Pößnecker Klosterplatz. (Foto: Ulrich Fischer)

Die Leiterin vom Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte, Antonie Lau, stellt ihr Museum vor:

Was gibt es „Musehenswertes“?

Antonie Lau (Foto: Stadtverwaltung Pößneck)

Bohlenstuben, Schwarze Küche, Pferdehimmel – das sind die Höhepunkte, die es zu entdecken gilt. Auf dem Rundgang durch die Räume erleben die Besucher nicht nur Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Sie begegnen außerdem bekannten historischen Persönlichkeiten wie Goethe, aber auch einfachen Menschen aus verschiedenen Jahrhunderten und ihren Schicksalen – und natürlich dem Museumskater Franz Adelbert Hüthling. Jeder einzelne Raum ist nicht nur architektonisch einmalig, er bietet auch mehrere Erzählebenen. Diese zeichnen die Stadt- und Hausgeschichte nach und öffnen zudem den biografischen Blick aus der Sicht von historischen Personen der Stadtgeschichte. Spannung pur – vom Einzelobjekt bis zum multimedialen Einblick in die Geschichte von Pößneck. Für Kinder wird der Besuch ebenso spannend wie für Erwachsene. Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen das Angebot. Alle Räume des Museums sind barrierefrei zugänglich.

Woran führt kein Weg vorbei? 

… am „Pößnecker Pferdehimmel“, dem sicher kuriosesten Objekt in unserer Ausstellung.
Ausgrabungsarbeiten, die 2009 im Zuge des Umbaus zum heutigen Museumskomplex stattfanden, förderten in einem der Erdgeschoss-Räume einen besonderen archäologischen Fund zu Tage: das Skelett eines Arbeitspferdes. Die Lage über einem mittelalterlichen Keller und die beiliegenden Hufeisen datieren diesen Fund ins 17. Jahrhundert. Jedoch gibt der Fundort dieses Pferdeskeletts einige Rätsel auf. Möglicherweise wurden die Besitzer Opfer der 1625 in Pößneck wütenden Pest-Epidemie und konnten sich daher nicht mehr um das im Stall stehende Pferd kümmern, das dann ebenfalls dort verstarb. Später entdeckt, wurde der Tierkadaver vor Ort in eine notdürftig um das Tier herum ausgehobene Grube beerdigt. Der vom Januar bis in den Herbst 1625 reichenden Pest-Epidemie in der Stadt Pößneck fielen zwei Drittel der damals 1.600 Einwohner zum Opfer.

Außer der Reihe

Es gibt regelmäßig jedes Jahr drei bis vier Sonderausstellungen zur Pößnecker Stadtgeschichte, Regionalgeschichte oder mit Werken regionaler Künstlern zu sehen. Die Sonderausstellungen sind im Museumsrundgang inbegriffen.

Museum zum Anfassen 

Jeder einzelne Raum im Museum642 ist nicht nur architektonisch einmalig. Er bietet zudem mehrere Erzählebenen, die vom Einzelobjekt bis zum multimedialen Einblick in die Geschichte von Pößneck reichen. Ein Beispiel hierfür sind die Guckkästen – kleine Bildschirme, die den Besucher in Bild und Ton mit historischen Pößnecker Persönlichkeiten bekannt machen. Es gibt unkonventionelle Präsentationsformen wie einen Friseurstuhl, auf dem man sitzen kann und mit der Handbrause am Ohr etwas über die Pößnecker Haarschneideaktion erfährt. Wer aufmerksam durch die Räume geht, wird eine Vielzahl weiterer Hörstationen entdecken, die an berührenden Einzelschicksalen teilhaben lassen. Wiederum ein völlig anderes multimediales Erlebnis bietet das Fischbecken, ein Terrazzobecken aus der Zeit der gewerblichen Nutzung des Museumsdomizils. Heute schwimmen hier digitale Fische im interaktiven Rätsel zur Stadtgeschichte. Zahlreiche Schubladen und Schränke warten darauf, geöffnet und erkundet zu werden. An einem interaktiven Schreibpult können die Besucher*innen selbst Dokumente mit historischen Schriften gestalten und per E-Mail versenden. Und historische Kostüme laden die ganze Familie zum Verkleiden ein.

Ihr liebstes Stück? 

Eines der bemerkenswertesten Hinterlassenschaften aus der frühen Geschichte Thüringens: Der Pößnecker Maskenarmreif. Hierbei handelt es sich um einen gegossenen Bronzearmring in Gestalt zweier gedrehter Stäbe mit drei plastischen Masken. Er ist die Grabbeigabe eines keltischen Kriegers aus der Eisenzeit (um 500 – 400 v. Chr.), dessen Grab am Ostfuß des Pößnecker Hausberges „Altenburg“ gefunden wurde.
Dieses seltene Schmuckstück wurde 1874 zufällig freigelegt. Beim Kiesabbau am Fuß der Pößnecker Altenburg wurden damals mehrere Gräber angeschnitten. Im Zusammenhang mit einem einfachen Armreif und einem eiserenen Schwert wurde einem keltischen Krieger im ersten vorchristlichen Jahrhundert ein außergewöhnlich verzierter Armreif mit drei Aufwölbungen mit ins Grab gegeben. Die erste bildet ein menschliches Gesicht mit Augen, Nase und einem nur schwach angedeuteten Mund, eine weitere einen Widderkopf und die dritte ist mit einem Kreis- und Fischblasenmuster verziert – eine Symbolik, die eine Verbindung zwischen Menschlichem, Animalischem und Mystischem schafft.
Die Orlasenke, zu deren markanten Städten heute Pößneck gehört, ist aufgrund der hier oberflächlich anstehenden Kupfererze, die man für die Herstellung von Bronzen benötigt, in den Metallzeiten sehr beliebt gewesen, und es können zahlreiche Siedlungs-, Begräbnis- und Bronzeverarbeitungsplätze dieser Epoche nachgewiesen werden. Dies, verbunden mit weiteren bekannten Bronzegegenständen aus der Fertigung von keltischen Siedlern in Thüringen, spricht für eine Produktion vor Ort.
Der Pößnecker Maskenarmreif gilt als das älteste bekannte Bildnis eines Menschen im Orlagebiet und ist ein besonderes Zeugnis, das die keltischen Spuren in unserer Region dokumentiert.

Museum For You 

Wir bieten zur deutschen Variante auch eine Audioführung durchs Haus in Englisch an, die über ein Leihgerät oder auch mittels App auf dem eigenen Smartphone genutzt werden kann.

Sind auch Kinder museumsreif? 

Und ob! In Audio-Begleitung des Museumskaters Franz Adelbert Hüthling entdecken Kinder das Museum642. Diese Kinder-Audioführung macht das Entdecken der Pößnecker Stadtgeschichte zum besonderen Erlebnis und führt zu ganz speziellen Orten wie der begehbaren Litfaßsäule aus dem DEFA-Kinderfilm „Moritz in der Litfaßsäule“, der in Pößneck gedreht wurde. Drinnen sitzend können Ausschnitte aus dem Film angeschaut werden. Oder der Sagenturm kann bestiegen und in der angrenzenden Leseecke gemütlich in den Pößnecker Buchdruckerzeugnissen geschmökert werden. In der gesamten Ausstellung sorgen Fußbänke dafür, dass unsere kleinen Museumsbesucher nichts verpassen und alle Knöpfe drücken bzw. alle Schubladen öffnen können.

Museumrundgang 

Je nach Geschmack können unsere Besucher*innen eine 60- bzw. 90-minütige Hausführung mit einer*m unserer Museumsführer*innen buchen oder sich individuell das einzigartige Gebäudeensemble und die Pößnecker Stadtgeschichte erschließen.

Museum zum Mitnehmen

Der Eingangsbereich unseres Museums ist gleichzeitig die Pößnecker Stadtinformation. Daher sind hier nicht nur kleine Erinnerungen an Pößneck und das Museum zu haben, sondern auch Informationen für weitere Entdeckungen in unserer Region.

Das muss gesagt werden 

Regelmäßig bieten wir mit unseren Kooperationspartnern interessante Ferienprojekte an, bei denen Geschichte erlebt werden oder sich künstlerisch ausprobiert werden kann – so konnte man z. B. jüngst Tafeln wie die Griechen und Römer beim Thema „Antike Esskultur“ –, oder wir initiieren Filmprojekte, bei denen bereits mehrere kleine Filme zu stadtgeschichtlichen Episoden entstanden sind, die auf dem Youtube-Kanal des Museums angesehen werden können.

Kontakt:

Museum642 – Pößnecker Stadtgeschichte · Klosterplatz 2-4-6 · 07381 Pößneck
Telefon Museumskasse/ Stadtinformation: 0 36 47 412295; Museumsleitung: 03647 50 47 69, www.museum642.de, E-Mail: museum@poessneck.de

Öffnungszeiten

Das Museum642 und die Stadtinformation Pößneck sind bedingt durch die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 zur Zeit für Besucher geschlossen. Ansonsten gelten folgende Öffnungszeiten:

Mo, Di, Fr, Sa 11 bis 16Uhr
Do 11 bis 18 Uhr
So 13 bis 17 Uhr
Mi und feiertags geschlossen

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