14. Januar 2021
Eichsfeld

Der Hundehetzer

Matthias Lippold mit Beißarm in Aktion. (Foto: Gregor Mühlhaus)

Als Matthias Lippold aus Siemerode im Eichsfeld vor acht Jahren einen Kreuzbandriss erlitt, hat er die Fußballschuhe endgültig an den Nagel gehängt. Dass er sich allerdings einem neuen Hobby zuwenden würde, dass so weit vom Fußball entfernt ist, wie die Sonne vom Mond, hätte er selbst nicht für möglich gehalten. Denn heute arbeitet er mit Hunden und „hetzt“ als Lehrhelfer Veranstaltungen quer durch Thüringen. „Hetzen“ bedeutet, dass Lippold auf dem Hundesportplatz derjenige ist, der einen gepolsterten Beißarm trägt, an dem sich ein scheinbar angriffslustiger Hund zu schaffen macht.

Das Wort Lehrhelfer, so der Siemeröder, stehe für eine Person, die befähigt sei bei Veranstaltungen  im Zusammenspiel mit einem Leistungsrichter die Grundlage für die Bewertung der Leistung des Gespannes Hundeführer-Hund zu bilden“. stellt Lippold klar.

Lippold ist Mitglied im „Verein für Deutsche Schäferhunde – Ortsgruppe Mengelrode“ und einer von nur vier Lehrhelfern in Thüringen. So ist der Sechsunddreißigjährige regelmäßig bei  Veranstaltungen von Sonneberg bis Nordhausen und von Gera bis Eisenach unterwegs.

Aber bis jemand Lehrhelfer werden könne, sei es ein langer Weg, sagt Lippold. Einmal müsse man mindestens einen Hund bis zur „Schutzhundeprüfung III“ geführt haben um Hetzer werden zu können. Zum Zweiten sei eine Übungsleiterlizenz, die nach vier Jahren erneuert werden müsse, Bedingung. An Schulungen teilnehmen und selbst Schulungen abhalten, komplettieren den Anforderungskatalog.

Günther Engel aus Worbis, der als Polizeihundeführer bei der Polizeiinspektion Nordhausen arbeitet, bezeichnet Lehrhelfer sogar als hohes Gut und meint, dass ein Lehrhelfer „etwas Besonderes“ sei. Lippold selbst ist da bescheidener und betont, dass ein Hetzer den Hund eben einfach „sehr gut arbeiten müsse“, so der Fachjargon. Jeder der meine, er verstehe etwas von Hunden, könne diese spezielle Hundearbeit jedoch nicht so einfach ausüben, denn die Vierbeiner seien sehr sensibel und wüssten genau ob sie es mit einem Profi oder Anfänger zu tun hätten. Wenn Lippold „einen Hund arbeitet“, dann weiß er im wahrsten Sinne des Wortes, was auf ihn zukommt. „In unserem Sport wird den Hunden beigebracht, dass sie auf Befehle hören müssen. Von klein auf wird den Tieren suggeriert, dass es nichts Besseres gibt, als auf einen Beißarm zu gehen und zuzuschnappen“, sagt der Fachmann und fügt hinzu, „Würde mein künstlicher Beißarm abfallen, ginge der Hund niemals auf meinen echten Arm. Er würde dann den gepolsterten Arm wegschleppen“.

Meist arbeitet Lippold mit belgischen Schäferhunden. „Die sind vom Kopf her überdrehte Hunde, sehr hyperaktiv und überaus agil“, stellt der Eichsfelder klar. Das jedoch mache eine gute Arbeit mit dieser geradezu prädestinierten Hunderasse aus. Auf die Zeit wenn Lippold wieder mit einem Leistungsrichter auf dem Platz stehen und „hetzen“ wird, freut er sich jetzt schon. „Dann ist die Leidenschaft mit den Tieren zu arbeiten wieder voll da und ich werde im doppelten Sinne wieder der verlängerte Arm des Leistungsrichters sein“.

Von Gregor Mühlhaus

Matthias Lippold mit Beißarm in Aktion. (Foto: Gregor Mühlhaus)

Auch interessant