Eine Frau und ihre Engel Sammlerin aus Breitenworbis - meinanzeiger.de
28. Januar 2020
Eichsfeld

Eine Frau und ihre Engel

Seit 17 Jahren sammelt die Breitenworbiserin Hiltrud Beykirch Engel – inzwischen gleicht ihre Wohnung einem Museum für die Flügelfiguren.

Hiltrud Beykirch liebt ihre Engel. Foto: Mühlhaus

Von Gregor Mühlhaus

Angefangen hat alles, als Hiltrud Beykirch 2003 in Marburg zur Kur war. Dort entwickelte die Frau aus Breitenworbis ihre Leidenschaft für Engel, die sie seitdem begleiten und bis heute nicht mehr loslassen.

Engel in allen Größen und Variationen

„Ich war in der Adventszeit zur Kur und wollte in der Vorweihnachtszeit in den tristen Kuralltag etwas Leben bringen. So habe ich aus 24 Klopapierrollen eine Pyramide gebaut und sie mit Servietten beklebt, auf denen Engel gedruckt waren. In jede Rolle kam, wie bei einem Adventskalender, eine kleine Überraschung für meine Tischnachbarn“, erinnert sich die 70-Jährige, wie sie ihre große Passion entdeckte. Sie sammelt Engel in allen Größen und Variationen. Die meisten habe sie geschenkt bekommen oder sich selbst zugelegt. Viele bastelt sie auch selbst. Aus Plexiglas hat sie einen Engel geschnitten und ein Herz dahinter geklebt. Die beiden Herzhälften bilden nun die Flügel des Engels mit der Aufschrift: „Menschen, die ein Herz für andere haben, sind wie Engel“.

Wohnstube als Engelmuseum

Im ganzen Haus hat Beykirch Engel aus Kristall, Glas, Porzellan, Holz, Papier und Textil verteilt. Ihre Wohnstube gleicht einem Engelmuseum. „Ich bekomme von Verwandten und Bekannten wirklich viele Engel geschenkt. Wenn ich irgendwo außergewöhnliche Engelmotive sehe, kann ich nicht daran vorbeigehen“, meint die Eichsfelderin. „So einige Tausend werden es schon sein, die sich in ­meinem Haus verbergen.“

Ein Fan von Raffael

Angetan haben es ihr ­besonders die Motive des italienischen Malers Raffael, der im 16. Jahrhundert die Sixtinische Madonna malte. Unter dieser blicken zwei
kleine Engel hoffnungsvoll und erwartungsfroh gen Himmel. „Ich habe eine Zwillingsschwester“, erzählt Beykirch, „die Raffaelsengel schauen auch wie Zwillinge aus. Ich denke dann immer gern an meine Schwester.“ Auf einem Bild, das auf ihrem Flur hängt, zieren sogar Nikolaus­mützen die Häupter der beiden Raffael-Engel. „Da hat sich ein Hobbymaler einen Spaß gemacht“, schmunzelt Beykirch.

Jeder Mensch hat einen Schutzengel

Beykirch hat gehekelte ­Engel, Engel als Back­formen, auf Brotbüchsen oder auf dem Deckel einer Truhe klebend. Auf Regalen, in Setz­kästen und auf Borden haben sitzende, liegende, große, kleine und fast ausnahmslos ­freundlich dreinschauende Engel ihren Platz. Beykirch glaubt, dass jeder Mensch einen Schutzengel hat. Die ­religiöse Frau erzählt auch gern im Bekanntenkreis von ihren neuen Errungen­schaften, von Engeln, die noch keiner hat. Dass sie sich vor einigen Jahren zwei Engel auf den Unterarm tätowieren ließ, hätte sie vorher selbst nicht gedacht. „So sind zwei Engel bei mir verewigt“, meint Beykirch und betont, dass jeder Mensch für andere ein Engel sein kann.

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