Karneval und Kirche - Buntes Treiben im Eichsfeld - meinanzeiger.de
10. Januar 2020
Eichsfeld

Karneval und Kirche – Buntes Treiben und strenge Geistige?

Warum sollten Karneval und Kirche nicht zusammenpassen?

Beim Karnevalistengottesdienst zeigt sich, dass Karneval und Kirche eng verbunden sind. Foto: Gregor Mühlhaus

Von Gregor Mühlhaus

Warum sollten Karneval und Kirche nicht zusammenpassen? Das fragte sich Pfarrer Markus Könen aus Leinefelde und stieß 2009 im Eichsfeld ein Projekt an, dem zu Beginn einige eingefleischte Karnevalisten mit einer gewissen Skepsis gegenüberstanden.

Die Bedeutung von Karneval und Kirche im Eichsfeld

Dem aus dem Rheinland stammenden Geistlichen war die Verbindung zwischen Karneval und Kirche aus ­seiner Heimat nicht fremd. „Da wo ich herkomme, in Köln, fällt dem Karneval eine große Bedeutung zu. Es gibt dort seit langem Karnevalistenmessen. Und das Eichsfeld, wo ich seit 2004 wirke, zeichnet sich auch durch Menschen aus, die gern Karneval feiern und im Glauben fest verwurzelt sind“, erzählt der Pfarrer.

Carnevale

Zwischen Karneval und Kirche gibt es durchaus Parallelen. In den christlichen Klöstern liegen die Anfänge für das bunte Treiben. Angenommen wird, dass das Wort Karneval auf das italienische Wort „carnevale“ zurückgeht. „Carne“ bedeutet „Fleisch“ und „vale“ lässt sich mit „Lebe wohl“ übersetzen, eine Anspielung auf die 40-tägige Fastenzeit. Nach dem Ritus der katholischen Kirche soll in dieser Zeit kein Fleisch gegessen werden. So mussten im Mittelalter die verbliebenen Fleischbestände in einem wilden Treiben und Feiern verzehrt werden.

Katholische Kirche tolerierte Gottlosigkeit

Auch in den Klöstern wurde noch einmal opulent ­gespeist. In einem liturgischen Buch aus dem frühen 16. Jahrhundert wird die Zeit der Fastnacht als Zeit der ­großen Sünden beschrieben. Es heißt: „Bei all‘ der fresserei, hochmut oder hoffart, unkeuschheit und narrheit wirt Gottes gantz vergessen.“ Die katholische Kirche tolerierte die Gottlosigkeit, weil am Aschermittwoch alles vorbei war und die vorösterliche Zeit der Enthaltsamkeit begann. In Kirchen wurden vom 12. bis weit in das 16. Jahrhundert Narrenfeste gefeiert, bei denen niedere Kleriker die Funktion der höheren Geistlichkeit übernahmen.

Mit Karnevalskluft in den Gottesdienst

Wenn es im Februar vielerorts wieder „Helau“ schallt und die Narren das Ruder übernehmen, haben die Eichsfelder ihren Karnevalisten­gottesdienst ­bereits gefeiert. Er wird wie immer in der Kirche St. Bonifatius in Leinefelde stattfinden. Am morgigen Donnerstag, 9. Januar, wird Pfarrer Markus Könen ­mehrere Abordnungen in ihrer Karnevalskluft begrüßen. Sie alle, ob Funkenmariechen oder Elferratsmitglieder, werden in Narrenkappen und Kostümen Gottesdienst halten und so Kirche und Karneval zusammenbringen.

Karneval macht Freude

„Der Karneval ist aus dem Eichsfeld nicht wegzudenken und das ist auch gut so. Er hilft uns über manche dunkle Zeit und depressive Winterstimmung hinweg. Er lädt uns ein, über menschliche Unzulänglichkeiten herzlich zu lachen und macht deutlich, dass unser Leben von großer Freude erfüllt sein soll“, bringt es der Pfarrer auf den Punkt.

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