11. Juni 2021
Eisenach

Neuer Artenschutzturm in Neukirchen soll Flugkünstlern ein Quartier bieten

Bereits am 5. März wurde im Eisenacher Ortsteil Neukirchen ein Schwalbenturm errichtet.

Der Artenschutzturm (Foto: Ulrike Unger/Stadtverwaltung Eisenach)

Bereits am 5. März wurde im Eisenacher Ortsteil Neukirchen eine speziell als Artenschutzhaus konzipierte Herberge für Vögel errichtet.

Der Schwalbenturm soll vorrangig Mehlschwalben ein Obdach zur Aufzucht ihrer Jungen bieten, aber auch für andere Tiere wie Mauersegler und Fledermäuse nutzbar sein. Der Nistturm steht auf dem Grundstück des Trink- und AbwasserVerbandes Eisenach-Erbstromtal (TAVEE), der die Fläche unentgeltlich zur Verfügung stellt.

Multifunktionale Unterkunft

Der Artenschutzturm fügt sich harmonisch in die Landschaft. In ca. 7 Metern Höhe gibt es neben 12 Nestern speziell für Mehlschwalben noch 36 Einfluglöcher verschiedenster Form und Größe. Die obersten sechs rechteckigen Aussparungen sind als Brutkammern für Mauersegler gedacht, die in der Region immer seltener werden. Die untersten 12 Schlitze sollen Fledermäusen als Zugang dienen. Alle restlichen Löcher können von Singvögeln wie Sperlingen, Staren oder Meisen genutzt werden. Die multifunktionale Ausführung der Unterkunft ist damit breiter aufgestellt als ein reiner Schwalbenturm.

Schwalben zunehmend unerwünscht

Die Lage des Turms ist naturnah und grenzt unmittelbar an den Siedlungsraum an. Hier fließt die Böber, deren Ufer mit Gehölzen bewachsen sind. Der Teich der Kläranlage schafft zudem ein Wasserangebot. Das lädt förmlich zum Einzug ein, denn Schwalben werden immer weniger als Nutzer von Hausfassaden geduldet, an denen sie ihre Nester bauen. Dabei gäbe es Lösungen, die für Mensch und Mehlschwalbe verträglich wären. Statt Kotbretter anzubringen, werden die Tiere aber stattdessen aufwändig zum Beispiel mit Flatterband vergrämt. Mehlschwalben macht zudem die seit den letzten Jahren häufiger auftretenden langen Trockenzeiten zu schaffen. Schlammpfützen werden somit rarer. Diese benötigen sie jedoch, denn ihre Nester bestehen aus Lehm, aus dem sie kunstvolle Halbhöhlen bauen. Seit jeher sind Schwalben mit dem ländlichen Raum verbunden, sie gelten als Frühlingsboten und Glücksbringer.

Gezielte Investition in den Natur- und Artenschutz

Der Turm wurde über Ausgleichsmaßnahmen im Bereich Natur- und Artenschutz finanziert und ist eine gezielte Investition in den nachhaltigen Umweltschutz. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 10.000 Euro. Die Wartung und Reinigung der Anlage soll alle zwei Jahre durch die örtliche Freiwillige Feuerwehr samt Jugendwehr erfolgen. Den dazu notwendigen Steiger will die Stadt zur Verfügung stellen. Inzwischen sind an verschiedenen Einfluglöchern bereits Benutzerspuren erkennbar, es bleibt zu hoffen, dass viele „Dauer- und Saisonmieter“ den Nistturm besiedeln.

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