Reise der Greise durch die Galaxien - meinanzeiger.de
17. April 2020
Eisenach

Reise der Greise durch die Galaxien

„Zahnlos durchs Weltall“ heißt der Roman des Eisenachers Andreas Kinder. Foto: Michael Steinfeld

Der Eisenacher Andreas Kinder hakt einen Punkt auf seiner Lebensliste ab und veröffentlicht einen Roman. „Zahnlos durchs Weltall“ heißt sein Werk.

Wer mit 100-Jährigen zu tun hat, der weiß, was wirklich alt ist“, sagt Andreas Kinder. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet der Eisenacher in der ­Altenpflege. „Zahnlos durchs Weltall“ heißt der Roman, den er über die Abenteuer einer greisen Raumschiff­besatzung geschrieben hat.

Das humorige Buch, das eine Mischung aus Science-Fiction und Fantasy ist, hat einen ernsten Kern. „Unsere Gesellschaft überaltert. Es traut sich kaum noch jemand, Kinder in die Welt zu setzen und es geht auch nur noch um Themen von Senioren“, beobachtet der Autor. In seinem Erstlingswerk wirft Kinder einen überspitzten Blick in eine mögliche Zukunft, in der es keine jungen Menschen mehr gibt. Außerirdische ­haben den Senioren auf der Erde von einem Jungbrunnen in einer fernen Galaxie vorgeschwärmt, der ihre Probleme lösen könnte.

Robin Hood und der kleine Prinz

Auf ihrer erlebnisreichen Reise trifft die Crew um den 112 Jahre alten Captain Ignatius Lambert auf so manch skurrilen Charakter wie Robin Hood oder der kleinen Prinzen aus dem Roman von ­Antoine de Saint-Exupéry, der in Wahrheit wohl ein richtiger Rotzbengel ist. Die Greise stoßen auf Dinosaurier, erfahren, woher die Pyramiden stammen, was eigentlich schwarze Löcher sind und wie Zeitmaschinen funktionieren. Dabei werden wissenschaft­liche Theorien gerne einmal ad absurdum geführt. Die ­Besatzung ist zwar auf Rheumasalbe und Rollstuhl angewiesen, und beim Beamen ­gehen regelmäßig die Gebisse verloren. Am Ende kommen alle wieder wohlbehalten ­zurück zur Erde.

Der Schluss lässt eine Fortsetzung zu, doch weitere ­Bücher hat Kinder erst einmal nicht geplant. Eine CD aufnehmen, ein Buch schreiben – auf seiner Lebensliste fehlt jetzt noch, einen Film zu drehen. „Das Buch hat vielleicht seine Schwächen. Ich bin ja kein Profi. Aber mir gefällt es. Man muss gerne lachen wollen und offen sein für verrückte Erklärungen.“

Idee entstand beim Fasching

Die Idee um die betagte ­Besatzung des Raumschiffs entstand für eine Büttenrede beim Fasching. Als Kinder dann für ein halbes Jahr krankheitsbedingt außer ­Gefecht gesetzt war, baute er die Geschichte in schlaflosen Nächten zum Buch aus. „Ich hatte keine Erfahrung und kein Konzept. Ich mag es, überrascht zu werden und ­habe selbst immer geschaut, wie es weitergeht. Manchmal habe ich mich in Situationen geschrieben, bei denen ich lange überlegen musste, wie ich da wieder herauskomme.“

Wer sich im Wohnzimmer von Andreas Kinder ­umschaut, der bekommt gleich einen Einblick von seinem Leben und erkennt, welche seiner Hobbys sein Buch beeinflusst haben. In den ­Bücherregalen stehen ­Werke britischer Autoren wie Walter Scott oder Conan Doyle und allen voran Terry Pratchett und seine Scheibenwelt­-Romane. Es ist der britische Humor, der Andreas Kinder so begeistert, der so trocken und hintergründig daherkommt. „Manchmal bereitet Pratchett einen Witz auf Seite 34 vor und löst ihn erst auf Seite 84 auf“, schwärmt er über sein Schriftsteller-Vorbild.

Blick auf Orion-Nebel

In der Ecke des Zimmers verrät das mächtige Dobson-Teleskop den Eisenacher als Hobby-Astronomen. Bei ­gutem Wetter betrachtet er mit seiner „Sternwarte“ beispielsweise die zweieinhalb Millionen Lichtjahre ent­fernte Andromedagalaxie. „Wenn ich mir den Orion­-Nebel ansehe und fotogra­fiere, komme ich nach einem anstrengenden Tag wieder runter“, sagt Kinder. Die Astro­fotografie ist das einzige Hobby, das er nicht mit seiner Frau teilt.

Im Gegensatz zur Musik: Die vielen Instrumente ­belegen die Vorliebe für Celtic Folk-Rock, den er mit der Band „Metil Stone“ auf die Bühnen bringt. Um sich fit zu halten, betreibt der 56- Jährige, der sich selbst eher 20 Jahre jünger fühlt, die ­Kampfkunst Aikido. Vor dem Älter werden, fürchtet er sich nicht, auch wenn nach hartem ­Training manchmal das Knie ein wenig schmerzt. „Aber das geht allen so. Wem nix weh tut, der macht auch nichts.“

Im Gegenteil: Er bewundert die Senioren. „Alte Leute sind fantastisch mit ihren Erfahrungen. Man kann viel von ihnen lernen. Und sie sind die eisernsten, sonst wären sie gar nicht erst so alt geworden.“ So versucht auch der Eisenacher, Vater von drei erwachsenen Kindern und Opa einer süßen Enkelin, jeden Tag bewusst zu leben. „Und zwar nicht gestern oder morgen, sondern

Buchtipp:
„Zahnlos durchs Weltall“ von Andreas Kinder ist im Twentysix-Verlag erschienen, ISBN-13: 978-3 740 762 902.

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