8. Oktober 2020
Eisenach

Schlichte Renaissance in Eisenach – Der US-Präsident gehörte schon zu den prominenten Gästen

Serie: Thüringer Rathäuser

Das Eisenacher Rathaus mit dem Brunnen, den der Heilige Georg schmückt. Foto: Stadt Eisenach

Als im Februar 1945 die Bomben auf Eisenach fielen, blieb das Rathaus wie durch ein Wunder verschont. Katja Wolf, Oberbürgermeisterin der Stadt Eisenach, stellt das historische Haus vor.

An der Nord-Ost-Ecke des Eisenacher Markt­platzes steht ein schlichter Renaissancebau: das Rathaus. Der drei­geschossige verputzte Fachwerkbau ist vor allem – durch Gurtgesimse betont – ­horizontal gegliedert.

Hervor tritt der Uhrturm, der wahrscheinlich erst beim ­Umbau 1564 hinzukam. Die Reliefs am Unterbau des Turmes stammen vom Stadtbaumeister Hans Leonhard, dessen Wirken auch am ­Lutherhaus sowie am Creutznacher Haus nachzuweisen ist. Am Reliefsockel sind ­heute eine „Eisenacher Elle“ und ein Pranger-Ring zu sehen, an der bei Stadtführungen oft Station gemacht wird.

Das Haus wurde zunächst als städtischer Weinkeller ­genutzt, in dem schon damals bestimmte Ratshandlungen vollzogen wurden. Herzog ­Johann Ernst von Sachsen-­Eisenach wies 1596 das ­Gebäude dem Eisenacher Rat als Rathaus zu. Fortan vollzogen sich alle Amtshand­lungen für die Eisenacher Bürgerschaft im neuen Rathaus, das allerdings von einem Stadtbrand 1636 arg in Mitleidenschaft ­gezogen wurde. Bis 1641 erfolgte der Wiederaufbau in seiner ­heutigen Form.

Der Heilige Georg bewacht das Rathaus

Im Februar 1945 ­zerstörten Bomben angrenzende ­Gebäude – wie durch ein Wunder blieb das Rathaus aber erhalten. An Stelle der zerstörten Gebäude wurde der Rathausgarten eingerichtet.

1993 begann eine Komplettsanierung des Rathauses. Im Zuge dessen wurden die freien Flächen wieder bebaut. Das alte Renaissance-Rathaus ist seit Juni 1996 Bestandteil eines Rathaus-Sparkassen-Gebäude­komplexes.

Vom Rathaus blickt man auf den Marktplatz mit dem Brunnen, auf dem der Heilige Georg steht, Drachentöter und Schutzpatron der Stadt, und zur Georgenkirche, die Taufkirche von Johann ­Sebastian Bach.

Zu den berühmtesten ­Gästen gehörten Bundeskanzler Helmut Kohl und Bill Clinton. Der Präsident der Vereinigten Staaten von ­Amerika besuchte am 14. Mai 1998 die Wartburgstadt und auch das Rathaus.

Im Rathaus habe ich als Oberbürgermeisterin mein Büro. Dort werden auch die Ratskette und das ­Goldene Buch der Stadt aufbewahrt, allerdings für Besucher nicht frei zugänglich, ebenso die Gast­geschenke an die Stadt. Ein Teil ­davon – ins­besondere aus den Partnerstädten der Wartburgstadt – ist im Rathaus-­Foyer ausgestellt.

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