Waldweide am Rande des Nationalparks Hainich - meinanzeiger.de
22. Juli 2020
Eisenach

Waldweide am Rande des Nationalparks Hainich

Neue extensive Ganzjahresweide mit Rindern und Wildpferden im Südlichen Kindel eingeweiht

Die Herde hat ab sofort ein neues Zuhause. Foto: Larissa Schönleiter

Vom NABU Thüringen wurde eine Ganzjahres-Waldweide mit Rindern und Wildpferden auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Kindel eingeweiht. Innerhalb eines etwa 5,4 Kilometer langen Zaunes sorgen in Zukunft zehn Konik-Wildpferde und 24 Gelbvieh-Rinder für die dortige Landschaftspflege.

Wildpferde und Rinder kümmern sich im „Südlichen Kindel“ um Landschaftspflege

Auf der rund 100 Hektar großen Fläche im ”Südlichen Kindel” grasen seit Mitte Mai wieder Rinder und Pferde. Ein gewohntes Bild, doch etwas ist anders. Statt mobiler Elektrozäune umgrenzt nun ein Festzaun das Areal. Um die dortige Landschaftspflege leichter durchführen zu können und ein einheitliches Beweidungsmanagement zu schaffen wurden drei unterschiedlich bewirtschaftete Weidegebiete zu einer großflächigen ganzjährig betriebenen Waldweide zusammengefasst.

Ganzjahresweide sichert Tierbestand

„Die ehemalige Militärfläche im ,Südlichen Kindel‘ bei Wolfsbehringen besitzt aufgrund ihrer Ausstattung mit besonders schützenswerten Biotopen und Arten wie dem Kammmolch und Braunkehlchen eine europaweite Bedeutung und ist als Flora-Fauna-Habitat- (FFH-) Gebiet ausgewiesen“, berichtet Claudia Chladek vom NABU Thüringen über die Hintergründe dieser Maßnahme. „Mithilfe der Ganzjahresweide und einem geringen Tierbesatz können die artenreichen Grünlandstandorte dieses europäischen Schutzgebietes dauerhaft gesichert und weiterentwickelt werden.“ Claudia Chaldek koordiniert für den NABU Thüringen das Projekt „Frosch- und Vogelweiden 2“, in dessen Rahmen die Einrichtung der Waldweide realisiert wurde. Über das von der Europäischen Union (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)) und dem Land Thüringen geförderte ENL-Projekt wurden im April 2020 der 5,4 Kilometer lange Elektroweidezaun und zwei frostsichere Tränken gebaut. Die Fläche ist größtenteils im Besitz des Freistaates Thüringen. Die ehemaligen Militärflächen der Westgruppe der Truppen (WGT) werden durch die  Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) verwaltet. Claudia Chladek erklärt: „Die Weide mit einem sehr hohen Waldanteil wird zukünftig ganzjährig mit Gelbvieh-Rindern und Konik-Wildpferden beweidet. Durch diese Art der Beweidung werden kleinräumige Mosaikstrukturen geschaffen und es entwickeln sich vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen wie zum Beispiel kurz- und langrasiges Grünland. Außerdem werden Gehölze in einem erwünschten Maß zurückverbissen und Rohbodenstellen durch Tritt und Suhlen der Tiere geschaffen.“

Diverse Partner unterstützen Projekt

Neben dem NABU und der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen als Flächenverwalterin der „WGT Liegenschaften Thüringen“ sind noch das Forstamt Hainch Werratal, die Natura-2000-Stationen Gotha-Ilm-Kreis und Unstrut/Hainich Eichsfeld sowie die Weidegemeinschaft Schäferei Reusche und Salix GmbH Crawinkel als Partner an dem Projekt beteiligt. Nach Ablauf der Projektlaufzeit Ende August 2020 übernimmt die Natura2000 Station Unstrut/Hainich Werratal die naturschutzfachliche Betreuung.

Auch interessant