Weiterer Wolf in Thüringen heimisch geworden - meinanzeiger.de
27. Januar 2021
Eisenach

Weiterer Wolf in Thüringen heimisch geworden

Experten haben Wolfspuren seit Februar 2020 im Wartburgkreis nachweisen können. Hier ein Wolf in einem Tiergehege. (Foto: Gerd Zeuner)

In Thüringen ist eine weitere Wölfin sesshaft geworden. Experten haben Spuren des Tiers über einen Zeitraum von etwa einem Jahr im Wartburgkreis nachweisen können, wie das Umweltministerium mitteilte. Daher stufe das beim Ministerium angesiedelte Kompetenzzentrum Wolf/Biber/Luchs die Wölfin, die sich im Gebiet um Zella/Rhön aufhalte, nun als standorttreu ein.

Die Fähe stamme aus dem Wolfsrudel „Göritz/Klepzig“ in Brandenburg und sei bereits im Februar 2020 bei Weilar im Wartburgkreis nachgewiesen worden. Die Spuren waren an einem gerissenen Tier gefunden worden, wie es hieß. Über einen weiteren Rissabstrich an einem Wildtierkadaver in diesem Jahr sei nun der zweite genetische Nachweis bei Kaltensundheim (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) erbracht worden. Das Kompetenzzentrum nimmt unter der Telefonnummer 0 361 57 3941 941 Hinweise entgegen, wenn etwa jemand einen Wolf gesehen hat.

Lange Zeit galt eine Wölfin mit Revier bei Ohrdruf (Landkreis Gotha) als Thüringens einzige standorttreue Vertreterin ihrer Art. Inzwischen hat sich aber auch ein männlicher Wolf zu ihr gesellt. Experten gehen davon aus, dass sich die Tiere paarten und im Frühjahr 2020 Jungtiere zur Welt kam. Diese gelten als erster bekannter Wolfsnachwuchs in Thüringen seit 150 Jahren. Zudem gilt die Wolfsfamilie bei Ohrdruf als Thüringens einziges bekanntes Rudel.

Die Rückkehr der Wölfe ist nicht unumstritten. Schäfer und andere Viehhalter fürchten um ihre Tiere, wenn diese auf Weiden stehen. Das Land unterstützt finanziell verschiedene Schutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe, darunter die Anschaffung spezieller Zäune und von Herdenschutzhunden, zu 100 Prozent.

Info: Thüringer Kompetenzzentrum Wolf-Biber-Luchs

Zur Brandenburger Wölfin, die im Wartburgkreis eine neue Heimat gefunden hat, erklärt Silvester Tamás der Sprecher, der Landesarbeitsgruppe Wolf und Luchs beim NABU Thüringen: „Nach 30 Jahren Rückkehr der Wölfe nach Deutschland geht die natürliche Wiederbesiedlung in Thüringen nur in kleinen Schritten voran. Wir vermuten, dass es entweder mehr Wölfe und auch Luchse im Freistaat gibt als bislang bekannt ist, aber entsprechende Meldungen nicht gemacht werden, oder dass es tatsächlich so ist, dass auch in Thüringen eine vergleichsweise hohe Dunkelziffer an Wölfen illegal erlegt wird. Denn eigentlich müsste es schon deutlich mehr Wölfe im Freistaat geben. Um den Schutz der einzelnen bislang in Thüringen sesshaft gewordenen Luchse und Wölfe zu gewährleisten, ist es wichtig, das Monitoring im Freistaat zügig auszubauen. Wir brauchen mehr Daten und die Einbeziehung des ehrenamtlichen Naturschutzes und der Jäger, damit die Rückkehr der Wölfe nach Thüringen eine Erfolgsgeschichte wird.“

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