Zombies in Eisenach - Neues Buch von Magret Kindermann - meinanzeiger.de
15. Januar 2020
Eisenach

Zombies in Eisenach – Neues Buch von Magret Kindermann

Vom Balkon ihrer Eisenacher Wohnung kann Autorin Magret Kindermann auf die Wartburg blicken. Ob sich diese als ­geeigneter Rückzugsort in der Zombie-Apokalypse eignet, beschreibt sie in ihrem neuen Buch. Foto: Steinfeld

Im Jugendroman der Eisenacher Autorin Magret Kindermann kämpfen sich die Überlebenden einer Apokalypse durch eine Stadt in Trümmern.

Am Morgen nach dem Weckerklingeln aufzustehen, ist ohnehin schon spaß­befreit. Wer nun nach langem Fiebertraum in der Apokalypse erwacht und sich als letzter Mensch auf Erden unter lauten Untoten vermutet, der hat noch ganz andere Probleme. So ergeht es aber Bea im neuen Roman von Magret Kindermann.

Die Zombie-Apokalypse

„Ich fand Zombies schon immer faszinierend – ­zumindest den ­Gedanken, dass man einen Neuanfang haben kann, wenn die Welt in Trümmern liegt“, sagt die Autorin. Nicht nur für ihr jüngstes Buch hat sie sich schon oft die gleichen Fragen gestellt: Können Zombies schwimmen? Sind Burgen ein geeigneter Rückzugsort für die Überlebenden? Und warum sind meist nur Menschen von dem selt­samen Virus bedroht? „Ich habe lange darüber nachgedacht. Aber wenn selbst Vögel Zombies wären, dann überlebt wahrscheinlich wirklich keiner mehr.“

Ansonsten ist das Leben in der Zombie-Apokalypse aus Sicht der 31-Jährigen durchaus händelbar. Die größte Gefahr besteht laut Kindermann eher darin, dass man sich schnell zu sicher fühlt. „Wenn man einmal herausgefunden hat, dass man nur leise sein muss und zur Not wegrennen kann, wird man leicht nachlässig.“

Buchtipp: „Killing Zombies And Kissing You“, Gedankenreich-Verlag

Dass Bea nicht der letzte Mensch ist, bemerkt sie gleich zu Beginn, als sie einen Brief bekommt. Wie die Teenagerin sind auch die anderen Prota­gonisten 08 15­Normalos. „Ich habe mich gefragt, wie es in so einer Situation Menschen wie mir ergeht. Wahrscheinlich wäre ich in fünf Minuten tot. Doch was wäre, wenn nicht“, rätselt die Wahl-Eisenacherin. Im ­Gegensatz zu den ­Vorbildern aus den US-­Serien und Filmen haben die Überlebenden im Roman ­keine Knarre in der Sockenschublade, sondern wehren sich mit dem Küchen­messer. Immerhin wissen sie, womit sie es zu tun haben. „Das regt mich zum Beispiel bei »The Walking Dead« auf: Die haben noch nie von Zombies gehört, ­obwohl ihre ganze Popkultur sonst die gleiche ist.“ Auch rennen Zombies nicht gleich ganze Häuser ein. „Das kann hier nicht passieren“, lobt sie die deutsche Baukunst.

Genre-Mix aus Dystopie und Romanze

Das Buch spielt in Eisenach – „das bemerkt der Leser, auch wenn der Stadt­name nie erwähnt wird“. Und der Buchtitel verrät es schon: Bea kämpft nicht nur um ihr Leben, sondern verliebt sich dabei auch in Simon. Dieser Genre-Mix aus Dystopie und Romanze ist Kindermanns erster Roman in der Jugend- und Erwachsenen-­Literatur.

Es ist das vierte Buch der gebürtigen Hessin, die über Darmstadt und Berlin mit ihrer Familie in Thüringen gelandet ist – das erste, das sie nicht selbst verlegen muss. Als sie die Story als Kurzgeschichte in einer Lesung präsentierte, wurde sie von einem Verlag entdeckt. „Eine richtige Prinzessinnenstory.“

„Ich wollte mir beweisen, dass ich es schaffen kann.“

Für ihr Erstwerk ­kündigte die studierte Online-Journalistin ihren Job, nahm sich ein Jahr Zeit und mindestens 1600 getippte Wörter am Tag zur Aufgabe. „Ich wollte mir beweisen, dass ich es schaffen kann. Das erste Buch ­musste nicht mal gut werden, aber machbar und fertig.“

Seit ihr Pilot geklappt hat, schreibt es sich für die junge Mutter viel einfacher. „Es ist die pure Freiheit, ohne Verpflichtungen zu schreiben. Wunderschön“, schwärmt die Autodidaktin und räumt ein, dass sie zwar noch nicht von ihren ­Büchern leben kann, aber zum Glück auch noch nicht muss.

Manche Fragen bleiben offen

Wichtig ist ihr, wie sich die Figuren entwickeln, an ihren Herausforderungen wachsen oder scheitern und dass die Sprache in ihrem Jugend­roman nicht aufgesetzt klingt. In Teenager kann sich die 31-Jährige noch ganz gut ­hineinversetzen. „Sie ver­missen beispielsweise ihre toten Eltern und würden alles wegwerfen für nur zehn Minuten mit ihnen.“

An einem guten Ende ­müssen für die Thüringerin noch Fragen offen bleiben, die sich der Leser selbst ­beantworten kann. Diesmal existierte der Schluss tatsächlich als erstes in Kindermanns Kopf. „Ich bin ein Freund von Happy Ends, aber nur von realistischen. Es ist schön, wenn man ein Buch mit einem positivem Gefühl verlässt. Doch das Ende muss auch zur Geschichte passen.“

Buchtipp:
„Killing Zombies And Kissing You“, Gedankenreich-Verlag, Mehr Infos unter: www.gedankenreich-­­verlag.de, www.facebook.com/MagretKindermann

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