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21. Januar 2021
Erfurt

Angeklagter im Mordprozess schweigt – Mutter des Opfers sagt aus

Heute war Prozessauftakt am Landgericht Erfurt, vor Justitia stehen schwierige Verhandlungen. (Symbolbild: Pixabay)

Auf dem kurzen Weg von ihrem Arbeitsplatz nach Hause soll ein Mann seine Ehefrau mit einem Geländewagen totgefahren haben. Zum Prozessauftakt schweigt der Angeklagte. Und zeigt zunächst keine Regung.

Aus Hass und Rache hat ein Mann nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nach der Trennung seine Ehefrau ermordet. Der 49-Jährige soll heimtückisch und aus niederen Motiven gehandelt haben, sagte der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung am Donnerstag am Landgericht Erfurt. Konkret wird dem Mann vorgeworfen, im Juli vergangenen Jahres seine Ehefrau gezielt mit seinem Geländewagen angefahren zu haben, als die 40-Jährige mit dem Fahrrad in Arnstadt unterwegs war. Die Frau sei mehrere Meter weit durch die Luft geschleudert worden und auf dem Boden aufgeprallt. Dabei habe sie so schwere Verletzungen erlitten, dass sie noch am gleichen Tag im Krankenhaus starb.

Der Angeklagte soll dabei mit einer Geschwindigkeit zwischen 70 und 80 Kilometer pro Stunde auf die Frau zugefahren sein. Erlaubt gewesen war dort aber nur eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde, sagte der Staatsanwalt. Die Anklage lautet auf Mord in Tateinheit mit gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Als Beweggrund für die Tat verwies der Staatsanwalt bei der Anklageverlesung auf die Trennung der Eheleute etwa zwei Jahre zuvor. Der 49-Jährige habe sich auch dafür rächen wollen, dass die beiden gemeinsamen Kinder bei der Frau und ihrem neuem Partner lebten und diese den Mann als Stiefvater anerkannten. Zudem soll Streit um Geld aus dem Verkauf des gemeinsamen Hauses eine Rolle gespielt haben.

Zur Sache einlassen wollte sich der Angeklagte zum Prozessauftakt am Donnerstag zunächst nicht. Die Aussagen der Mutter des Opfers verfolgte der Mann beim Prozessauftakt weitgehend regungslos. Die Frau – die Schwiegermutter des Angeklagten – berichtete als Zeugin von der ihrem Erleben sich immer mehr verschlechternden Beziehung der Eheleute. Ihre Tochter habe lange kaum über ihre Ehe gesprochen. Es sei aber klar gewesen, dass etwas nicht stimme.

Erst später habe ihre Tochter unter anderem erzählt, dass der nun Angeklagte gedroht habe, ihr und der Familie etwas anzutun. Auch deshalb sei sie wohl immer wieder zu dem Mann zurückgekehrt, sagte die Zeugin. „Meine Tochter hat sich erst getrennt, als er ihr das Messer an den Hals gehalten hat.“ Erst nach dieser Episode im Dezember 2017 habe sich ihre Tochter endgültig von dem Mann lösen wollen und später dann auch die Scheidung eingereicht.

Erst als die Mutter der Ehefrau schluchzend davon berichtete, wie sie von dem Vorfall und dem Tod der Tochter erfuhr, wischte sich auch der Angeklagte dezent Tränen aus dem Gesicht. „Meine Tochter hatte eine fürchterliche Angst gehabt vor dem Mann. Sie hat immer gesagt, es würde etwas passieren und dass sie es nicht überlebt.“

Dagegen lösten Aufnahmen vom Tatort, die eine Sachbearbeiterin des Landeskriminalamts präsentierte, bei dem Angeklagten keine erkennbaren Reaktionen aus. Die Bilder zeigten Fahrzeugteile, darunter ein Nummernschild, Fahrradteile und persönliche Gegenstände der Frau, die über viele Meter entlang des Tatorts verstreut lagen. Auch das stark verbeulte und beschädigte Rad der Frau war zu sehen.

Ein Zeuge, erklärte, dass er überrascht von dem Geländewagen gewesen sei, der plötzlich in einer 30er-Zone beschleunigt habe. Der Wagen sei dann auf die rechte Seite auf eine Person mit Fahrrad zugezogen, die sich weiter hinten am rechten Straßenrand befand. Er habe ein Aufprallgeräusch gehört und dann gesehen, wie die Person hochgeschleudert wurde. Dann sei der Wagen, ohne langsamer zu werden, davongerast. Der Zeuge gab an, dass die Person leblos auf dem Boden lag. Er habe Anwohner alarmiert, die wiederum via Telefon Hilfe verständigt hätten. „Das war völlig unwirklich, dass sowas passiert“, erinnerte sich der Zeuge. „Wie konnte das passieren, sieht der nicht, dass da vorne jemand ist? Ich konnte mir darauf keinen Reim machen.“

Ein weiterer Zeuge gab an, dass er einen Knall gehört und ein schwarzes Auto schnell vorbeifahren gesehen habe. Dann habe er auch die Frau auf dem Boden liegen sehen.

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