7. August 2018
Erfurt

Bei Graf Gotter & Co. im Schloss Molsdorf

Serie: Mein Museum

Das Schloss Molsdorf

Das Schloss Molsdorf

Das Museum im Schloss Molsdorf erzählt von einer prächtigen Zeit und bietet auch Raum für moderne Kunst, Spekulationen und Träumereien. Empfohlen von Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Direktor Kunstmuseen Erfurt: 


Was gibt’s Musehenswertes?

Die Hauptattraktion ist das Rokokoschloss mit seinem engen Bezug zum Garten. Die Prunkräume im Schloss – wie Bankettsaal, Marmorsaal, Damenkabinett, Konversationszimmer oder auch das geheime Kabinett – sind immer einen Besuch wert, auch wenn sie, seit Graf Gotter hier lebte, stark verändert wurden. Auch die Dauerausstellung mit Bildern aus dem Nachlass Otto Knöpfers und die Erotica-Sammlung sind spannend.


Warum führt hier kein Weg vorbei?

Weil dieses Schloss – obwohl Thüringen viele Schlösser hat – ein Unikum ist. Der aus dem bürgerlichen Stand zum Freiherrn und Reichsgrafen aufgestiegene Diplomat Gustav Adolf von Gotter ließ ab 1734 die einstige Wasserburg umbauen zu einem repräsentativen Landschloss mit prächtigen Räumen und Parkanlage. Dass ein Bürgerlicher derart aufsteigen und sich ein so qualitätvolles Schloss bauen lassen konnte, gibt es in Thüringen nicht noch einmal.


Außer der Reihe

Bei uns gibt es regelmäßig Sonderausstellungen. Die nächste zeigt bis Oktober Exponate junger Porzellangestalter.


Museum zum Anfassen?

Das ist es eher nicht. Besucher können nicht allein durch die Räumlichkeiten spazieren, sondern tun dies im Rahmen einer Führung. Dabei erfahren sie viel Wissenswertes. Wer möchte, kann sich dann auch die Ausstellung der Bilder von Knöpfer zeigen lassen. Die einstigen Privatgemächer Gotters sind aber nicht zugänglich.


Museumsrundgang

Eine Führung dauert etwa eine halbe Stunde und beginnt immer zur vollen Stunde. Bis dahin kann man im Park spazieren gehen oder die aktuelle Sonderausstellung bewundern.


Ihr liebstes Stück?

Das Bildnis, das Graf Gotter mit seiner Nichte Friederike von Wangenheim in durchaus galanter Pose zeigt. Es hat etwas Besonderes, Geheimnisvolles an sich. Nährt es vielleicht jene Gerüchte, die besagen, dass Gotter ein ziemlicher Hallodri gewesen sein soll, den vielen Frauen auch im Ort nicht abgeneigt? Das Bild, dessen Original übrigens von Antoine Pesne stammt und in Schloss Sanssouci zu sehen ist, gab so manchem Anlass zu Spekulationen. Mir zeigt es eher, dass der Graf eine enge Bindung zu seiner Familie hatte. Seine Mutter, die Schwester und auch die Nichte lagen ihm sehr am Herzen. Für Gotters angebliche Frivolität gibt es übrigens keine Beweise. Auch die Patenschaften für Kinder aus dem Dorf zeugen eher von seinem großen Herzen und von Bräuchen, denen Gotter als Gutsherr von Molsdorf folgte.


Sind auch Kinder museumsreif?

Wie jedes Schloss zieht auch unseres Kinder magisch an. Allerdings muss man ihnen noch nichts über die Zeit der Aufklärung oder den geadelten Grafen Gotter und sein Leben erzählen. Lieber sollte man die Kinder sich hier in eine Welt voller Märchen, Zauber und Geschichten hineinträumen lassen.


Museum zum Mitnehmen

Wir haben Postkarten mit attraktiven Motiven vom Schloss bis Otto Knöpfer sowie Publikationen und Faltblätter. Zu manchen Sonderausstellungen gibt es auch einen Katalog.


Das muss gesagt werden

Ich wünsche mir, dass die Kuratorenstelle im Schlossmuseum bald wieder besetzt wird. Seit die einstige Kuratorin 2014 in den Ruhestand ging, ist die Stelle vakant. Mein zweiter Wunsch: Dass für die weitere Betreibung des Schlosscafés ein geeigneter Pächter gefunden wird.


Zur Sache:



Schlossmuseum Schloss Molsdorf, Schlossplatz 6, 99094 Molsdorf

Telefon 036202 / 90505.

Geöffnet dienstags bis sonntags 10 – 18 Uhr. Führung zu jeder vollen Stunde und nach Vereinbarung. E-Mail: schlossmuseum.molsdorf@erfurt.de

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