27. November 2020
Erfurt

Einfach vernünftig leben – mit Kneipp

Kneipp-Verein Erfurt gibt es seit 25 Jahren

Von klein auf achtsam mit sich selbst und der Gesundheit umgehen: Kinder aus der Klasse 1a und der ­Arbeitsgemeinschaft der Erfurter Moritzschule erfüllen die Kneippschen Gedanken mit Leben. Vereinsmitglieder sind auch Kindergärten aus Erfurt, Jena, Klettbach, Hottelstedt, Tannroda und Arnstadt. Foto: Floeckner

Der über die Stadt hinaus aktive Kneipp-Verein Erfurt gibt seit 25 Jahren den Gedanken um eigenverantwortliche, natürliche Gesundheitsförderung weiter.

Gesund zu sein, ist einer der innigsten Wünsche des Menschen, nicht nur in dieser pandemie­bestimmten Zeit. Es müssen ja nicht unbedingt die Tauch­bäder in der kalten Donau sein, möchte man es heute dem 1821 geborenen Sebastian Kneipp gleich tun, der einst an Tuberkulose erkrankte und durch jene Tauchbäder wieder gesundete. Daraus entwickelte er später seine Naturheilverfahren – vor allem mit den berühmten Wasser­anwendungen – und machte sie anderen zugänglich. Doch Kneipp ist ganz viel mehr als bloßes Wassertreten.

Peter Weber ist seit rund 20 Jahren Vorsitzender des Erfurter Kneipp-Vereins.

„In der Kneippschen Lehre geht es darum, den Leuten nahe­zubringen, etwas für ihre ­Gesundheit zu tun“, fasst es Peter Weber zusammen. Dabei gehe es im ganzheit­lichen ­Ansatz darum, das Immun­system zu stärken, präventiv Krankheiten entgegen­zuwirken oder die Selbstheilungskräfte für die Bewältigung selbiger zu mobilisieren. Peter Weber ist der Vorsitzende des Erfurter Kneipp-Vereins, der im ­November vor 25 Jahren von Dr. Friedel Ziegenhahn ­gegründet wurde und der sich seitdem als Botschafter und Kämpfer für mehr ­Gesundheit stark macht. Heute hat er über 70 Mitglieder, zu ihnen gehören auch eine Klasse und eine Arbeits­gemeinschaft einer Grundschule und Kinder­gärten aus der Region.

„Fange nie an aufzuhören und höre nie auf anzufangen“, formuliert Weber seine Überzeugung, dass Kneipp für jede Altersklasse geeignet ist. Schon die kleinen Anhänger wissen, wie es funktioniert. „Die Lehre Kneipps beruht auf fünf Säulen“, erklärt Peter Weber, der leidenschaftliche Kneippianer, der sich vor Jahren mit einem Aufbaustudium noch mehr Wissen rund um sein Lieblingsthema zulegte. Die Säulen umfassen Wasseranwendungen, Ernährung, Kräuter, Bewegung und die Lebensordnung. Gemeinsam ergeben sie ein Ganzes, können helfen, gut und gesund zu leben. „Man könnte auch sagen, es geht darum, einfach nur vernünftig und eigen­verantwortlich zu ­leben“, sagt Peter Weber und plädiert ­dafür, sich nicht mit Krankheiten zu ­befassen, sondern sich lieber intensiv mit ­Gesundheit auseinanderzusetzen. „Gesundheit kann man einüben“, ist er überzeugt.

Fünf Kneipp-Säulen:

Die fünf Kneipp-Säulen ­seien da sehr hilfreich. ­Peter Weber könnte zu jedem Punkt stundenlang Vorträge halten. ­„Allein bei den Wasseranwendungen gibt es um die 120 verschiedene, für jedes Zipperlein ist etwas dabei.“

In ­Sachen Ernährung legt Kneipp seinen Anhängern eine einfache, naturbelassene Art zu essen nahe. „Man soll möglichst das ­essen, was um einen herum gerade wächst“, empfiehlt ­Peter Weber. Jetzt sind das zum Beispiel Grünkohl oder Kohlrüben. Dazu fünf Portionen Gemüse und Obst, Fleisch nur selten, so ­Vegetarier Weber.

Auch Kräuter sind ein wichtiger Bestandteil in der Kneippschen Lehre, für die Anwendung innen wie außen. ­„Natürlich geht es auch hier um Kräuter aus der ­Region“, bekräftigt Weber, dem es vor allem die Brennnessel angetan hat. ­Genauso schwört er auf Ringelblumen, Kapuzinerkresse, Johanniskraut, Sellerieblätter und so vieles mehr. Er trocknet sie, macht daraus Essig, Öle, Pulver oder heil­same Tinkturen. „Gegen fast ­jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen.“

Für ganz wichtig hält der Vereinschef auch das Thema Bewegung: „Nichts Extremes, kein Leistungssport.“ Vielmehr empfiehlt er entspannende Arten der Betätigung – Wandern, Radfahren, Nordic Walking, Tai Chi, Yoga oder ein wenig Gymnastik. „Das Allerbeste, was man machen kann, ist das Tanzen“, lautet Webers Geheimtipp, den er selbst als begeisterter Line­dancer und -lehrer praktiziert. Genau wie Aqua­fitness oder seine regelmäßigen winter­lichen ­Badeeinheiten im eiskalten Wasser des Erfurter Nordstrands.

Laut Kneipp ­gehört es auch zum gesunden Leben, auf das richtige ­Verhältnis von Anspannung und Entspannung zu ­achten. Insgesamt stützt sich die Kneippsche Lehre auf fünf Säulen.
Foto: Floeckner

Beim Punkt Ordnung schließlich gehe es darum, auch der Seele Gutes zu tun, für ein ausgeglichenes Verhältnis von An- und Entspannung zu sorgen.

Sein Verein, für den Peter Weber seit 20 Jahren als Vorsitzender an der Front steht, tut ganz viel dafür, die Kneippsche Idee nach außen zu tragen. In den Partner­Kindereinrichtungen sind sie viel unterwegs, dort erfahren schon die Kleinen, wie gut Kneipp tun kann. Auch die Großen sind erpicht auf die guten Ratschläge, auch wenn es wieder einmal heißt „Kneippen im Alltag mit Peter Weber“ oder der Verein zu ­Exkursionen, Treffen, Vor­trägen, Lehrgängen oder ­regelmäßig stattfindenden Kursen mit den zertifizierten Übungsleitern einlädt. „Wir können die Welt nicht verändern – aber uns selbst“, sagt der 74-jährige Peter ­Weber und schwört, dass es gar nicht schwer sei, gesund zu leben. In jedem Alter Sein Verein macht es vor.

 

Mehr Infos:

www.kneippverein-erfurt.de

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