30. September 2017
Erfurt

Einkaufsüchtig

Lyrik & Prosa von Uta-Christine Breitenstein

Aus dem Zyklus ,,Kinderaugen“

Du lerntest, dir das Glück zu kaufen. Du tat`st es wieder, mehr und mehr

So mancher hat sich schon einmal etwas gegönnt, um sich zu belohnen oder sich nach großem Frust besser zu fühlen. Bleibt es die Ausnahme und behalten wir die Kontrolle darüber, hatten wir einfach einen schönen Tag.

Kaufsucht (pathologisches Kaufen) hingegen ist eine Krankheit. Negative Gefühle
wie das Empfinden von Minderwertigkeit und innerer Leere, auch Ängste und Depressionen führen ursächlich zum Verlust der Impulskontrolle. Menschen mit psychosozialer Veranlagung sind zudem der Gefahr einer verlockenden, konsum-orientierten Welt ausgesetzt, der sie schnell erliegen können.
Obwohl sich die pathologische Kaufsucht (nicht stoffgebundene Abhängigkeit) von anderen Süchten unterscheidet und einem zwanghaften Verhalten gleicht, kann es zu Symptomen kommen, die wir von der Sucht kennen: Euphorische Zustände nach Genuss, seelische und körperliche Entzugserscheinungen, finanzieller Ruin mit allen persönlichen Konsequenzen.

Schmerz und Sucht gehen miteinander.

Die Kindheit ist ein entscheidendes Kriterium für jeden Menschen. Trägt das Kind ein mangelndes Selbstwertgefühl und schmerzliche Erinnerungen in das Erwachsenenalter hinein, kann das zum Drang nach Kompensation führen. Eine Kompensationsmöglichkeit ist auch das pathologische Kaufen. Während des Kaufrausches lassen diese Menschen das entstehende Hochgefühl von Glück sie den tiefen Schmerz ihres „Inneren Kindes“ für einen Lebensmoment vergessen. 

Einkaufsüchtig 

Die Liebe gab´s von denen nicht,
die dir doch einst das Leben schenkten.
Warst wie ein Schwamm, der Liebe suchte.
Doch alle Poren blieben leer.
Die Leere wollte niemals enden.
Vertrocknet rissen Wunden ein. 


So fand`st du eine andere Welt,
in der es bunt war, fröhlich, schön.
Du lerntest, dir das Glück zu kaufen.
Du tat`st es wieder, mehr und mehr,
bis deine Schränke überquollen.
So war dein Konto immer leer. 


Du merktest, dass es sinnlos war,
ersetzte dir die Liebe nicht.
Hätt` man dich in den Arm genommen,
ein wenig kindlich` Zärtlichkeit,
dir dein Vertrauen nicht genommen,
wär`s so weit gar nicht erst gekommen. 


So bist du rastlos auf der Suche.
Das Kaufen wurde eine Sucht
mit kurzen, kleinen Glücksmomenten.
Doch wird die Suche niemals enden,
denn was du suchst, das find`st du nicht. 



Ein Bezug zu lebenden Personen kann nur rein zufällig sein und ist von der Autorin unbeabsichtigt. 


Ihre
Uta-Christine Breitenstein 


Aus dem Buch „Kinderaugen“ von  Uta-Christine Breitenstein,
Bild: Digitale Montage, Autorin.
www.turricula-verlag-erfurt.de

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