Gerd Krambehr wird 60 und erzählt auf seiner neuen CD seine "Menschsmomente" - meinanzeiger.de
25. April 2018
Erfurt

Gerd Krambehr wird 60 und erzählt auf seiner neuen CD seine „Menschsmomente“

Der Liedermacher - so nah wie nie

Der Erfurter Liedermacher Gerd Krambehr feiert am 27. April 60. Geburtstag und gibt auf seiner neuen CD „Menschsmomente“ Einblicke in die Jahre seines Lebens und poetischen Schaffens.


„Es kommt einfach aus mir raus.“ Es ist gut vierzig Jahre her, als Gerd Krambehr zum ersten Mal fühlt, dass er voller Poesie ist. Die will heraus: „Ich muss Dinge sagen, die mich und die Leute bewegen.“ Er sagt sie mit Musik. So viele ungezählte, intensive Momente erlebt und verwandelt er – es sind liedgewordene Begegnungen und Menschen, Gefühle, Ansichten, Beobachtungen, Kritik ohne Umwege oder mit feinsinniger Ironie vorgetragen oder zwischen den Zeilen stehend. Noch heute beseelt den heute fast 60-Jährigen das Gefühl, wie es war, als er seiner Poesie den ersten großen Ausflug gönnte – er schrieb 1979 das Lied „Bekenntnis eines Soldaten“. Seine Mit-Kameraden bei der Armee tobten vor Begeisterung, die Urlaubssperre von ‚oben‘ für ihn war da nur halb so wild. „Dieses Gefühl, dass der Song so viele berührte, ist unglaublich. Das hat mich ermutigt weiterzumachen.“ Ermutigt auch, weiter ehrlich zu sein, Dinge beim Namen zu nennen.

Er ist sich treu geblieben



Heute, mehr als 700 Lieder später, ist er noch immer derselbe. Liedermacher, wortbalancierender Gitarrenpoet, Lebenskünstler, einer, der Menschen mit offenen Armen und offenem Herzen gegenübersteht und Brücken baut. Trotz seiner Berufe – Gerd Krambehr ist unter anderem studierter Lehrer und arbeitete auch als Sozialarbeiter – ist es immer die Musik, die bei ihm an erster Stelle steht. Er habe nie viel Geld mit seinen Liedern verdient oder großen Ruhm erlangt, sagt er bescheiden. Und doch kennt man ihn nicht nur in Thüringen, sondern auch in Kiew oder St. Petersburg. Beiden Städten widmete er ein Lied. Doch eine russische Seele sagt man Gerd Krambehr viel länger schon nach, seit er den Dichter und Sänger Wyssozki verehrt und ihm Programme widmet. Genauso liebt er es, gemeinsam mit Freunden zu musizieren. Im Vielklang mit anderen klingt es bei dem Erfurter Liedermacher auch mal rockig, nach Swing oder Chansons.


Wenn Gerd Krambehr am 27. April seinen 60. Geburtstag feiert, wird der auch klangvoll für die Fans: Mit seiner aus diesem Anlass erscheinenden CD „Menschsmomente“ veröffentlicht er die wohl persönlichste seiner CDs. „Meine drei Töchter – ich habe so tolle Kinder – haben mich auf diese Idee gebracht“, plaudert er aus dem Familien-Nähkästchen. 25 Songs und zwei Gedichte erzählen auf dem Silberling aus Gerd Krambehrs turbulentem Schaffen, die meisten der Lieder wurden zuvor noch nicht veröffentlicht. Zwei Songs sind schon älter: Das Liebeslied „Der Magnet“ für Gerds inzwischen verstorbene Frau lässt den Hörer erahnen, wie groß und intensiv eine Liebe zu sein vermag. Und die vor über 20 Jahren geschriebenen „Marionetten“ sind heute noch so präsent wie in der vergangenen Diktatur. „Auch in einer Demokratie gibt es Menschen, die führen, andere manipulieren“, weiß der lebenskluge Krambehr. Die Menschen seien zwar frei, werden aber auch durch die Freiheiten von Konsum und Kapital manipuliert. Ist die Demokratie wirklich so demokratisch, fragt er sich.


Liebenswert, offen & auf den Punkt


Gerd Krambehr bleibt auch mit 60 Jahren, wie ihn seine Freunde kennen: immer mit anderen im Gespräch, liebenswert und offen, kritisch, auf den Punkt. Es sind nur ganz wenige zweifelnde Momente, in denen er sich fragt, warum er noch immer Lieder schreibt. Gedanken eines Mannes, der wie andere in diesem Alter einfach Bilanz zieht. Wenn er dann singt und ihm Menschen zuhören, ist er wieder vollends glücklich. „Es ist herrlich, wenn die Leute die Musik annehmen, sich mitreißen lassen“, gesteht er, der sehr gern auch Konzerte gibt, sich sogar Auftritte in Wohnzimmern vorstellen kann. Er fühlt sich gut mit seinen 60 Jahren, er ist angekommen. „Jetzt lebe ich so, wie es vernünftig ist, habe Menschen um mich herum, die mir gut tun. Ich fühle mich fit, nicht alt, obwohl man schon näher an der Rente ist als mit 50“, lächelt er die runde Zahl weg.

Noch sei er weit entfernt davon, weise zu sein. Obwohl das Leben und auch die Einschnitte, schlimme Erfahrungen, ihn minimalistischer, demütiger, noch bewusster haben werden lassen. Vielleicht hat auch das dazu geführt, dass er sich von seiner typischen Mütze, die er fast zwanzig Jahre lang trug, getrennt hat. „Es war Zeit für eine Veränderung, ganz nach dem Motto ‚Nur wer sich verändert, bleibt sich treu“, erklärt er den Abschied. „Jetzt bin ich mehr ich, jetzt kann man mich als Menschen richtig sehen.“ Das war allerdings schon mit Mütze so. Auch dank seiner Lieder.




Die neue CD:



„Menschsmomente“, Infos: www.krambehr.de

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