Ich bin kein Draufgänger - meinanzeiger.de
27. Oktober 2011
Erfurt

Ich bin kein Draufgänger

Werden uns zum Konzert in Erfurt wieder alte Bekannte begegnen wie zum Beispiel Bassist Frank Itt?
Die Musiker sind die, die man kennt. Wir haben nur einen neuen Chorsänger namens Roby, der eine unglaubliche Stimme hat.

Es wird wieder eine richtige gute Show geboten?
Ich hoffe, das haben wir immer gemacht. Ich weiß mehr denn je, dass die Leute die alten Erfolge hören wollen. Es werden sehr viele dabei sein. Spätestens seit ich bei RTL erfahren habe, dass ich 51 Titel in den Charts hatte, was ich wirklich nicht wusste, da ist mir klar: Die Leute wollen die hören. Da wird ein großer Teil davon dabei sein. Es wird eine sehr intime Show. Ich bin viel näher am Publikum, werde auch im Saal agieren.

Im Lied „Woran denkst du?“ beschreiben Sie einen flüchtige Begegnung im Cafe. Auch andere Lieder erzählen von verpassten Momenten: zum Beispiel Du warst mein Leben für 7 Sekunden? Oder Schade dass ich sonst nichts von ihr weiß. Ist der Privatmann Howard Carpendale schüchtern?
Ich bin kein Draufgängertyp. Nein. Das bin ich in meinem Beruf. Da bin ich sehr ehrgeizig, tue alles, was ich tun muss. Aber privat bin ich sicherlich eher schüchtern als laut.

Wir haben 700 Liebeslieder geschrieben. Es ist wahnsinnig schwer, immer neue Wege zu finden, über die Liebe zu schreiben. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen. Da singe ich schon Worte, die ich selber sehr genau kontrolliere und sage: das singe ich nicht oder: das finde ich sehr gut. Es geht um erwachsene Liebeslieder. Das ist es, was ich gerne singe.

Sie leben in Florida und München. Wie oft pendeln Sie? Wo fühlen Sie sich zu Hause?
Ich lebe in München durch die ganzen Sommermonate. Im Winter gehe ich meistens nach Florida rüber. In diesem Jahr wird es nicht so sein. Also ich versuche immer ein bisschen, die Sonne mitzunehmen.

Mein Golfplatz ist umringt von Bergen. Das ist schon sehr schön, Nur ich darf nicht das Gefühl haben: die engen mich ein. Es muss schon eine Öffnung geben.

Im Frühjahr standen sie mit ihrem Sohn Wayne als Schauspieler vor der Kamera. Im ARD-Film „Lebe dein Leben“ spielen Sie ein zerstrittenes Vater-Sohn-Gespann. Andere Filmangebote wurden zuvor von Ihnen abgelehnt. Was hat Sie an diesem Drehbuch überzeugt?
Weil es ähnlich wie meine Texte eine sehr gute Geschichte ist. Eine sehr erwachsene Geschichte. Vater und Sohn, da ist kein Schnulz, kein Herz-Schmerz dabei. Es ist ein richtig warmer Film geworden. Das gehört zu den drei Dingen im Leben, die für mich am wichtigsten waren, was ich überhaupt hinterlassen möchte. Dieser Film ist toll geworden. Ich kann aber leider noch nicht sagen, wann er kommt.

Was sind die beiden anderen wichtigen Dinge?
Mein Auftritt am 13. Dezember 2003 in der Kölnarena, als ich wirklich dachte, das wird mein letzter Auftritt sein. Und meine ganze Comeback-Tour, die ein Erlebnis für einen Künstler ist, wenn man auf die Bühne kommt und sieht 14000 Menschen in einer Halle sitzen. Das war schon etwas, was ich nie vergessen werde. Ich würde sagen, beruflich die drei Sachen.

War es diese Magie, die Sie als Musikpensionär in Florida vermisst haben?
Ja, diese Magie auf der Bühne ist nur halt schwer zu erklären. Für mein Gefühl ist das eine sehr starke Form von Geben. Und Menschen müssen geben in ihrem Leben. Man kann nicht immer nehmen. Das klingt jetzt ein bisschen stolz. Ich kann es aber nicht ändern: Diese Form zu sagen, da sitzen tausende Menschen, die freuen sich. Man geht da raus und tut alles, was man kann. Egal in welcher Laune man sich befindet, um diese Menschen mitzureißen. Diese Challenge habe ich ein bisschen vermisst, ja.

Sie sagen Wayne ist ihr wichtigster Kritiker. Was haben Sie auf seinen Rat hin schon einmal geändert oder gar gelassen?
Sehr oft. Gerade bei Konzerten. und auch bei deisem Film. Wayne ist ein sehr erfahrener Schauspieler und er hat mir sehr geholfen. Aber ich glaube, das ist gegenseitig.

Würden Sie gern mit ihm tauschen und noch einmal gern so jung sein.
Ach, in dieser Welt: Ich bin froh, dass ich mein Leben gelebt habe. Diese Welt ist schon im Moment nicht einfach.

Aber Sie sind sogar auf Facebook aktiv
Es ist nicht gut, wenn man seine Möglichkeiten beschränkt. Die Welt hat sich verändert und man bis zu einem gewissen Grad mitgehen, sonst wird man alt.

Haben Sie Probleme mit dem Älterwerden?
Ich finde es schade, dass man gewisse Erwartungen an jemand ab 60 stellt. Wir leben in einem Jugendwahn in Deutschland. Das sieht man an den Medien und so weiter. Das finde ich ein bisschen schade. Aber ich fühle mich deswegen kein Stück älter.

Im Titelsong der neuen CD bekennen Sie unter anderem „Liebe und Hass… Das alles bin ich“. Was lieben Sie und was hassen Sie?
Ich liebe Menschen, die heute sehr rar sind. Menschen, denen man vertrauen kann. Wo man weiß; wenn man dem was mitteilt, dass es unter sich bleibt. Einfach vertrauenswürdige Menschen. Faire Menschen. Das löiebe ich schon sehr. Und ich hasse, alles, was das Gegenteil ist. Ich staune heute manchmal sehr, wie sehr unsere Welt egoistisch geworden ist und wie sehr Geld und Gier eine Rolle spielt. Das ist schon etwas, was ich sehr hasse.

Mischen Sie sich deshalb nicht in die Schickeria von München?
Da habe ich gar nichts mit zu tun. Rote Teppiche interessieren mich nicht. Ich lebe außerhalb von München.

Aber Sie gehen schon einmal gerne weg?
Ja, aber ich weitaus mehr ein Sportlertyp als von Natur ein Künstler. Meine Sportlerfreunde sind schon sehr geerdet. Das ist mir lieber als diese Schickeria.

Mit 18 wollten Sie Cricket-Profi werden. Welche Rolle spielt der Sport heute in Ihrem Leben?
Nach wie vor eine ganz wichtige. Als Zuschauer gucke ich alles mögliche. Nur Fußball ist nicht mein Ding. Aber im Moment laufen die Rugby-Weltmeisterschaften. Da habe ich meinen Sohn gebeten rauszukriegen, wie ich das übers Internet sehen kann. Das hat er auch geschafft. Golf spiele ich gerne, wobei man in Deutschland ein völlig falsches Bild von Golf hat. Das ist mit der schwierigste Sport, den ich kenne. Ich mag diesen Kampf sehr.

Warum ist ihnen Sport so wichtig, dass sie auch ihre Söhne dazu anhielten?
Fainess spielt eine sehr große Rolle im Sport. Sich selbst beobachten dabei, wie man mit gewissen Situationen umgeht, gerade was Fairness und Ehrlichkeit angeht. Bei Sportarten kriegt man nicht viel mit von Hooliganism. Es ist ein sauberer guter Sport mit sehr guten Charaktereigenschaften. Und das gilt für die meisten Sportarten.

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