Informationshotline der LIGA Selbstvertretung eingerichtet - meinanzeiger.de
1. April 2020
Erfurt

Informationshotline der LIGA Selbstvertretung eingerichtet

Menschen mit Behinderungen dürfen nicht pauschal als Risikogruppe diskriminiert werden

Die LIGA Selbstvertretung Thüringen ist die politische Interessenvertretung von Menschen mit Behinde‐
rungen in Thüringen. Aufgrund der aktuellen Corona‐Situation ist es für uns wichtig, dass Menschen mit
Behinderungen und Menschen, und insbesondere diejenigen die in besonderen Wohnformen (Heimen,
Wohngemeinschaften) leben, in einer WfBM beschäftigt sind, einen zentralen Ansprechpartner haben,
um ihre Sorgen und Ängste los zu werden. „Darf meine Assistenz mich zum Einkaufen oder zum Spazier‐
gang begleiten“, „Wer hilft mir, wenn ich es nicht mehr allein aushalte?“. Solche oder ähnliche Fragen
erhalten wir über unsere Erfurter Hotline. Wir arbeiten in ganz Thüringen mit den jeweiligen Verbänden
und Initiativen zusammen, um Hilfen weiter zu leiten oder vor Ort zu organisieren.
Die Liga Selbstvertretung stellt aktuell ein Informationsangebot mit Hotline und Forum auf die Beine, um
Menschen mit Behinderungen in der Corona Krise zu helfen. Über unsere Homepage unter
https://selbstvertretung‐thueringen.de finden diese Menschen Hilfestellungen, auch in leichter Spra‐
che. Auch über Verletzungen ihrer Rechte können sie sich hier beschweren. Über die Hotline unter Tele‐
fon 0361 55068700 können sie die Geschäftsstelle erreichen. Ab Mitte nächster Woche haben wir auf
unserer Homepage ein Forum integriert, so dass die Menschen sich untereinander austauschen können
und zusätzliche Hilfen finden.
Es ist für die LIGA Selbstvertretung ein ganz wichtiges Anliegen, dass die Rechte dieser betroffenen
Menschen nicht anlasslos rigoros eingeschränkt werden, sondern auch in Corona‐Zeiten behutsam und
mit Fingerspitzengefühl geschaut wird. „Menschen mit Behinderungen dürfen nicht pauschal als Risiko‐
gruppe diskriminiert und in ihren Rechten gesondert eingeschränkt werden. Eine Behinderung allein
bedeutet noch nicht ein höheres Risiko zu haben, an Corona zu erkranken“, so der Geschäftsführer der
LIGA Selbstvertretung Andreas Leopold.
„Wir haben große Sorge, dass nun Menschen mit Behinderungen in Heimen oder Wohngruppen mit
dem Argument der Ansteckungsverhinderung voneinander getrennt und in Heimen eingesperrt wer‐
den“, ergänzt einer der Vorstandssprecher Markus Walloschek. Die LIGA Selbstvertretung sieht das als
nicht von den Allgemeinverfügungen des Freistaates Thüringen gedeckt. Einfach nur spazieren gehen sei
schließlich ein Recht, was auch allen anderen Einwohnern Thüringens immer noch eingeräumt wird. Hier
fordern wir die Betreiber zu Augenmaß auf. Sie fordere daher die Träger dieser Einrichtungen auf, es zu

ermöglichen, dass Menschen mit Behinderungen, die nicht zu einer allgemeinen Risikogruppe angehö‐
ren, allein oder in ihren vertrauten Gruppen spaziergehen oder auch selbst einkaufen können. „Selbst‐
verständlich unter Einhaltung der allgemeinen Schutzvorkehrungen. Wir sehen sonst eine große Gefahr,
dass im Zuge der Einschränkungen Vereinsamung oder gar psychische Probleme drohen“, so Andreas
Leopold weiter. Auch der freie Zugang zum Internet und Telefonen müsse besonders in dieser Zeit in
den Heimeinrichtungen gewährleistet werden, bekräftigt Markus Walloschek.
Gerade bei einer langfristigen Ausgangssperre für diese Bewohner können sich zusätzliche Probleme
ergeben, die eventuell in körperlicher Gewalt oder in psychischen Extremsituationen eskalieren. Hier
versuche die LIGA Selbstvertretung auch einen direkten Zugang zur Landesregierung aufzubauen, um
offene Fragen und Auslegungen der Verfügungen zu klären.

 

 

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