25. Februar 2021
Erfurt

„InnenAnsichten“ auf der Krämerbrücke

Plastik und Grafik von Gisela Eichardt (Berlin)

(© Gisela Eichardt, VG Bild-Kunst Bonn)

Erfurt. In der Zeit vom 1. bis 27. März 2021 ist in der Galerie im Haus zum Bunten Löwen auf der Erfurter Krämerbrücke die Personalausstellung „InnenAnsichten“ mit Plastiken und Grafiken von Gisela Eichardt zu sehen. Die Eröffnung findet – virtuell per Zoom-Konferenz – am Montag, den 1. März zur „klassischen“ Vernissagezeit um 18 Uhr statt. Den Link zur Zoom-Konferenz finden Interessenten dann auf der Webseite www.kuenstler-thueringen.de.

Aufgrund der aktuellen Regelungen ist die Galerie für den Besucherbetrieb zwar geschlossen, aber die Ausstellung ist, wie alle seit Jahresbeginn, in einem 360-Grad-Rundgang auf der Webseite zu erleben. Sobald die Bestimmungen das zulassen, wird die Galerie für Besucher geöffnet.

Informationen zur Künstlerin, ihrer Arbeitsweise und der aktuellen Ausstellung

Gisela Eichardt lebt und arbeitet in Berlin, hat aber einen starken Bezug zu Thüringen. Sie ist in Jena geboren und aufgewachsen. 1990 ging sie nach Mainz um Freie Kunst (Bildhauerei) zu studieren. Nach dem Diplom und Meisterschülerjahren kehrte sie 1999 zurück, lebte in Erfurt und wurde im Jahr 2000 Mitglied im Thüringer Künstlerverband. Auch wenn sie kurz darauf nach Berlin zog, ist sie seither weiterhin mit Ausstellungen und Projekten im Thüringer Raum sehr aktiv.

2004 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, zeigte ihre Werke in der Erfurter Kunsthalle und wurde mit dem Kunstpreis der „artthuer – Kunstmesse Thüringen“ geehrt. Auf dem Marktplatz in Ruhla stehen Seite 2 von 2 zwei ihrer lebensgroßen Figuren. Auf dem Skulpturenwanderweg Behringen, wo seit vielen Jahren die Ergebnisse des Internationalen Bildhauersymposiums aufgestellt werden, ist sie mit einer Stein-Stele vertreten, in die das Meister-Eckhart-Zitat geschlagen ist: „Geh‘ in deinen inneren Grund! Inwendig, im Innersten der Seele: da ist dein Leben, und da allein lebst du“.

Mit dem Titel „InnenAnsichten“ knüpft die Künstlerin dort wieder an, macht in der Ausstellung Innerstes sichtbar. Das Konzept stand bereits vor der Zeit des Lockdowns fest, umso passender erscheint es nun, da die Werke vorerst unzugänglich sein werden. Mehr als sonst sind die Menschen zum Rückzug ins Private gezwungen, vieles spielt sich in ihrem Inneren ab, doch gibt es auch Zeit zum Sinnen, Spüren, Nachdenken. Die ausgestellten Holzplastiken zeigen zwar verschiedene Menschentypen, doch sind diese immer ruhig und nach innen schauend, wie der „Harlekin“, eine Gestalt der Unterhaltung und Erheiterung dienend. Er selbst blickt aber etwas traurig, denn er symbolisiert eine Gestalt aus der armen Bevölkerung, zwar Spaß verbreitend, jedoch das harte Leben kennend.

Den Hauptteil der aktuellen Kabinettausstellung in der Galerie des VBKTh nehmen neuere Werke ein, die im Rahmen des Fontane-Jahres 2019 entstanden sind. Gisela Eichardt war damit an zwei Fontane-Ausstellungen, in der Kunsthalle Brandenburg und im Kloster Zehdenick, beteiligt. „Die Braut“ eine lebensgroße Halbfigur in Holz sowie eine Serie von Siebdrucken beziehen sich auf Frauengestalten aus Fontanes Romanen wie „Effi Briest“, „L’Adultera“ und „Frau Jenny Treibel“. Die aktuellen Holzplastiken sind zum Teil mit Fundstücken, Holzresten und Ornamenten gebaut. Die Künstlerin spielt dabei mit den Teilen und Fragmenten, fügt an, lässt etwas wachsen. Mehr einer Vision als einem festen Entwurf folgend lässt sie sich treiben vom Geschehen, vom kreativen Schaffensprozess, mit offenem Ausgang.

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