„Keine Notlösung“ - Viele Thüringer Musikschulen geben jetzt Online-Unterricht - meinanzeiger.de
3. April 2020
Erfurt

„Keine Notlösung“ – Viele Thüringer Musikschulen geben jetzt Online-Unterricht

Die Thüringer Musik­schulen mussten wegen des Coronavirus schließen. Viele geben seitdem Onlineunterricht. Foto: MusikWerk Erfurt

Wie die anderen Thüringer Musikschulen ist auch das MusikWerk Erfurt derzeit verwaist. Unterricht findet dennoch und trotz des ­Coronavirus statt – direkt in den Wohn- und Kinderzimmern. Der Lehrer ist auf dem Bildschirm ­online per Skype zugeschaltet.

„Wir wurden mit voller ­Härte getroffen“, erinnert sich Stefan Räsch daran, als alle Thüringer Musikschulen vor ein paar Wochen schließen mussten. Der Erfurter ist Inhaber der größten freien Musikschule im Freistaat und vertritt Thüringen im Bundesverband mit seinen 400 Mitgliedsschulen. Wie seine Kollegen sorgte ihn nicht nur die wirtschaftliche Zukunft des eigenen Unternehmens, ­sondern auch die seiner Mitarbeiter. „Es geht uns darum, die Existenzen unserer 27 freiberuflichen Lehrkräfte zu ­sichern, die großteils vom Einkommen ­abhängig sind, dass sie bei uns erwirtschaften.“

Nur eine Lösung

Für viele freie Musikschulen zeichnete sich schnell ab, dass es nur eine Lösung des Problems geben könnte: den Unterricht ins Internet verlagern. In der Landeshauptstadt werden die Kurse jetzt via ­Skype durchgeführt. „Ich bin stolz und glücklich über unser Team“, freut sich Räsch. „Alle haben gleich den Ernst der ­Lage verstanden und sich auf die neue Unterrichtsform eingelassen.“

Online-Unterricht erschien vielen zunächst unvorstellbar. „Ein Problem ist die Übertragungsqualität. Wenn ich ­etwas spiele, kommt es ver­zögert beim Schüler an und ­umgekehrt. Ein gemeinsames Spiel, sonst fester Bestandteil eines jeden Instrumental­unterrichts, ist so fast nicht möglich.“ Da sich die Lehr­methoden nicht 1:1 in die Online-Welt übersetzen ­lassen, mussten Lösungen ­gefunden werden. Die Erfurter ­Musikschule baute beispielsweise eine Videoplattform auf, auf der Materialien und Unterrichtsinhalte abrufbar sind, Video-Tutorials und Playbacks bereit stehen.

Endlich angekommen

„Danke für diese wirklich unkomplizierte ­Sache in ­komplizierter Situation“, „Den Kids hat es viel Spaß ­gemacht“ und „Endlich sind wir im digitalen Zeitalter ­angekommen“ lauten die durchweg positiven Kommentare auf der Facebook-Seite des MusikWerks. „Der Alltag ist zum Erliegen gekommen. Da sind viele froh, dass dieser regel­mäßige Termin erhalten bleibt“, weiß Räsch.

„Das ist nicht nur eine Notlösung“, will der Schlagzeuger diese Variante auch anbieten, wenn die Einschränkungen wieder aufgehoben werden sollten. „Wenn sich die Situation am Ende des Jahres vielleicht wieder normalisiert hat, will ich zurückblicken und sagen können: Wir haben daraus viel gelernt, sind neue Wege gegangen, wurden ­gedanklich angestoßen, kreativ zu werden und die Musikschule weiterzuentwickeln.“

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