13. November 2020
Erfurt

Kleinod in Hanglage

 Serie: Mein Dorf – Landleben in Thüringen:  Waltersleben feierte 790. Geburtstag und ist dabei wohl schon 3000 Jahre alt

Waltersleben

St. Nikolaus, Waltersleben, Thomas Gräser
St. Nikolaus, Waltersleben, Thomas Gräser
Waltersleben
St. Nikolaus Waltersleben, Urheber: Thomas Gräser *** Local Caption *** Urheber: Thomas Gräser

Waltersleben, Sankt Nikolaus

Windkrafträder
Erster Spatenstich, Feuer- und Rettungswache Waltersleben, 30. Oktober 2012
Winterlandschaft erheltn die Herzen.
Kathleen, Erfurt, Griechische Landschildkröte, Breitbandschildkröte

EF-Waltersleben, Ortsfest 2017, Bürgerpark
EF-Waltersleben, Ortsfest 2017, Bürgerpark

Waltersleben, Ortfest 2017, Bürgerpark, Einweihung der Hangrutsche, Foto für Plakat
Übung der Freiwilligen Feuerwehr Waltersleben

Fridolin der Nachbarshahn

Empfohlen von Karola Kausch. Sie war fast ­ 30 Jahre Bürgermeisterin in ­Waltersleben.

 

Wofür ist der Ort bekannt?
Waltersleben war bereits seit den 20er-Jahre als Ausflugsziel bekannt. Die Gaststätte mit großem Biergarten genoss einen guten Ruf. Das setzte sich in den 60er-Jahren als Raststätte und „Alte Grotte“ mit Kellerbar fort. In den 70er-Jahren etablierte sich im Ort die Pferdesportgemeinschaft (waltersleben-voltigieren.de). Nach der Wende haben die Kirch- und politische ­Gemeinde ein Pilotprojekt ­gestartet. In drei Bauabschnitten wurde die ­Kirchenruine saniert. Tanz unter der Empore und Gottesdienst unter zwei ­Dächern. Nicht zu vergessen ist unsere Stützpunktwehr. Sie erhielt 2014 eine neue Feuerwache mit ASB-Rettungs­wache (www.ffw-waltersleben.de). Der Ort ist auch durch die „Walterslebener Kultur“ bekannt. Funde aus Jungstein- und Bronzezeit ­belegen eine frühe Besiedlung.

Warum lässt es sich in ­Waltersleben gut leben?
Unser Ort ist ein Haufendorf mit viel Grün in Hanglage am Wiesenbach. Die Nähe zu Steigerwald und Landschaftsschutzgebiet bietet Raum für Spaziergänge. Von Vorteil ist auch die Nähe zu Erfurt und Arnstadt – zum Arbeiten, Versorgen, für Kultur und Sport. Das Dorf lag als ehemaliges ,Küchendorf’ schon zeitig im ,Speckgürtel’ von Erfurt und wurde 1994 eingemeindet. Der Kindergarten verfügt heute über 34 Plätze. Feuerwehrverein, Ortsverein und die Pferdesportgemeinschaft bieten Angebote im Jahreslauf und die Kirche monatlich ­Senioren­nachmittage. Und im Büropark gibt es ein Bistro.
Was gibt es hier zu sehen?
Markantestes Bauwerk ist die St.-Nikolai-Kirche. Im Ort stehen einige Häuser unter Denkmalschutz. Und es bestehen noch guterhaltene Vier-Seiten-Höfe. Vorbei an den Windkrafträdern gibt es noch einen weiten Ausblick zum Thüringer Wald. Und dann ist da noch der alte Grenzstein von 1788, der im Bürgerpark – wie auch der alte Mühlstein – zu bestaunen ist.

Höhepunkte im Dorfleben?
Die Feuerwehr (FW) organisiert im Januar ein Weihnachtsbaumverbrennen und das Maifeuer. Es gibt Reit- und Voltigierturniere, das Ortsfest, den FW-Nachtpokal, die Kirmes, Senioren-Weihnachtsfeier, Weihnachtsmarkt und Silvesterparty. Die dörflichen Festreigen starteten bereits 1979 / 80 mit den ­ersten Kinderfesten.

Wo trifft man sich?
Im Haus der Generationen (ehemals Jugendclub) – welches heute Domizil des Ortsvereins ist – sorgen Kartenspiel, Bastelnachmittage und gesellige Treffen für Kurzweil. Natürlich ist der Haupttreffpunkt das Kirchenschiff als Multifunktionssaal und dessen Außenanlagen für das Ortsfest. Der Bürgerpark ist eine Begegnungsstätte für Sport und Spiel auf dem ehemaligen FW-Areal. Auch der Bolz- und Basketballplatz an der Hangwiese werden ­rege genutzt. Viele Frauen sind im Chor und in der Sportgruppe aktiv.

Gab es schon berühmten ­Besuch oder Einwohner?
Einige. Da ist Ehrenbürger Kurt Müller zu nennen. Er hat die FW nach dem Krieg mitgegründet, war 40 Jahre Wehrleiter und 20 Jahre Gemeindebuchhalter. 2003 predigte hier der Bischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen Axel Noack zur Wiedereinweihung der Kirche. In den 70er-Jahren speiste ein DDR-Minister in der „Alten Grotte“. Zuvor tangierten Juri Gagarin per Nachtfahrt und Täve Schur mit Friedensfahrtkollegen den Ort. Und Olympiateilnehmer und DDR-Meister wuchsen hier auch auf.

Und sonst noch?
Das Wohngebiet „Alte Chaussee“ war das erste im Landkreis Erfurt nach der Wende und 1997 eröffnete das Möbelhaus.

Was liegt Ihnen am Herzen?
Gemeinderat und Investoren waren sich 1992 einig, dass im Außenbereich ein Gewerbegebiet (Büropark) entstehen soll. Bei einer jetzigen Umnutzung für Wohnzwecke würde sich die Einwohnerzahl von derzeit 421 mindestens verdoppeln. Das ­sehe ich kritisch, da Infrastruktur im Ort fehlt und die nahangrenzende Landesstraße viel zu hohe Emissionswerte (Staub, Lärm) aufweist. Überhaupt fehlt dem Ortsteil Lärmschutz. Das Splitten der alten B 4 in jüngster Zeit und lästiger Schall von der BAB 4 zeigen das deutlich.

 

 

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