Mauerspechte gegen die Mächtigen - meinanzeiger.de
8. November 2019
Erfurt

Mauerspechte gegen die Mächtigen

Worte zum Sonntag

Jahrzehnte trennte eine Mauer die Stadt Berlin, teilte ein Grenzwall Deutschland in Ost und West. Gerade die innerdeutsche Grenze wurde weltweit zum Begriff für ein unüberwindliches ­Hindernis. Stand diese Todeslinie nicht für Tränen, Angst und Zerrissenheit? Das ist seit dreißig Jahren Geschichte.
Bis auf wenige Gedenkstätten ist diese Grenze verschwunden. Andere Hindernisse sind geblieben oder neu aufgetaucht.
Sorgen und Probleme versperren manchem den Blick nach vorn und den Weg nach oben. Wie Mauern und Minenfelder bedrohen Krankheiten und Existenzfragen unser Leben. Ein Psalmbeter aus alter Zeit bekennt: „Herr, du hast Licht in mein Leben gebracht, du, mein Gott, hast meine Finsternis ­erhellt. Mit dir kann ich ganze Armeen zerschlagen, mit dir überwinde ich jede Mauer.“ (Psalm 18,29.30). Mit Gott kann man über Mauern springen. Für viele Christen damals in der DDR war der Glaube ein Lichtblick. Im schlichten Gottvertrauen begannen Montagsgebete. Im November 1989 erlebte Deutschland den Fall der Mauer und das Wunder der Freiheit. Noch in der Nacht begannen Mauerspechte den Betonwall zu zerbröseln und machten so die bisher Mächtigen lächerlich. Gott löst nicht immer alle unsere Sorgen in Luft auf, aber er nimmt dem Gefängnis die Enge. Doch auch das ist möglich: Gott reißt einfach die Mauern ab und führt in die Weite.

Gesegnete Zeit.

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