7. Juli 2021
Erfurt

Musik als Zeichen der Hoffnung: Seit 75 Jahren gibt es das Polizeimusikkorps Thüringen

Die Musiker vom Polizeimusikkorps Thüringen sind Angestellte der Thüringer Polizei, tragen aber nur zu Auftritten ihre Uniform. In normalen Jahren geben sie bis zu 120 Konzerte. Foto: Polizeimusikkorps Thüringen

Ein Blick zurück

Es ist Juli 1946. Die Menschen stehen in Thüringen vor den materiellen und seelischen Trümmern, die der zweite Weltkrieg hinterlassen hat. In dieser Zeit wird in Weimar ein musikalisches Zeichen für den Neuanfang gesetzt, die Gründung der Landespolizei­kapelle Thüringen. Die ­Musik soll ein Hoffnungs­bote für bessere Zeiten sein – dass hat sich das Orchester auf die Fahne geschrieben. Daran hat sich auch bis ­heute nichts geändert.

Große musikalische Bandbreite

In den Anfangsjahren ging es vor allem darum, die Tradition der Blasmusik aufrecht zu erhalten. Alte Programme im Staatsarchiv zeigen aber auch, dass es sehr große Konzerte sogar mit Opernsängern gegeben hat. Die musikalische Bandbreite hat sich immer mehr erweitert und reicht heute von der Musik des 16. Jahrhunderts bis hin zu Rock-, Pop- und moderner Filmmusik.

Musik von regionalen Künstlern

Die 30 Berufsmusiker – ­darunter ist nur eine Frau– stehen heute unter der künstlerischen Leitung von Dirigent Christian Beyer. Er ist seit zwei Jahren dabei und hat auch gleich neue Ideen mitgebracht. „Ich habe in den Archiven in Meiningen und Rudolstadt nach der Musik von alten Hofkapellen geforscht und interessante Handschriften von regionalen Künstlern wie Rudolph Herfurth oder Heinrich-Josef Golde gefunden. Diese habe ich abgeschrieben und in eine moderne Partitur verwandelt.“ Es ist Musik, die seit Jahrhunderten nicht mehr gespielt wurde – wie die Eichhörnchen-Polka.

Die Corona-Zeit

Die Corona-Zeit hat auch dem Orchester einiges abverlangt. Proben fanden nicht oder nur mit maximal fünf Musikern statt. Um trotzdem die Musik nach außen zu tragen und damit Freude zu bringen, wurden neue Auftrittsmöglichkeiten erschaffen. „Wir sind mit je einer Handvoll Musikern vor ­Altenheime oder Kindergärten gegangen und haben dort kleine Konzerte von 30 Minuten gegeben. Insgesamt haben wir so 80 Pop-up-Konzerte in Thüringen gespielt“, sagt Christian Beyer. Schulkonzerte waren leider nicht möglich.

Jubiläumskonzert in Erfurt

Jetzt wagt das Orchester wieder einen Neuanfang in voller Besetzung. Eigentlich war geplant, das 75-jährige Jubiläum mit einem Konzert im Erfurter Theater zu krönen. Doch daraus wird coronabedingt noch nichts. So wird es ein Freiluftkonzert „Picknick mit Musik“ auf der Wiese vor der Severikirche auf dem Erfurter Domberg am 18. Juli geben. Picknickdecke und Verpflegung sind dabei selbst mitzubringen. Bis maximal 500 Leute finden hier – je nach Corona­lage – Platz. Musikalisch wird es einen guten Querschnitt geben, um Erwachsene und Kinder gleichermaßen zu ­begeistern. Auch die Eichhörnchen-Polka wird zu ­hören sein.

Neuer Verein

Dieses Konzert wird erstmals vom Freundeskreis des Polizeiorchesters Thüringen e.V. organisiert, der sich 2021 gegründet hat. „Die Vereinsmitglieder wollen dabei helfen, die Qualitäten dieses ­Orchesters einer bereiten ­Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so Torsten Stahlberg, Vereinsvorsitzender.

CD mit Werken Thüringer Künstler

Anfang September soll auch eine CD mit den Werken von Thüringer Komponisten eingespielt werden. „Wir haben so unglaublich viele musikalische Schätze, die bisher noch kein Thüringer unserer Generation vorher gehört hat“, sagt Christian Beyer. Auch bei diesem Projekt unterstützt der neu gegründete Verein das Vorhaben.

Termin:

Picknick mit Musik mit dem Polizeimusikkorps Thüringen
Sonntag, 18. Juli, 16 Uhr,
Erfurt, Wiese vor der
Severikirche auf dem Domberg,
Kasse ab 15 Uhr geöffnet

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