31. März 2017
Erfurt

Nur eine Frage: Warum beißen Marder so gerne in Autokabel?

Sind Autokabel so schmackhaft für Marder? Sind die Tiere einfach sauer auf Menschen oder ist das Wüten im Motorraum ein Balzverhalten? Die Antwort auf dieser Frage kennt Dirk Weigel. Er hat als Erfurter Filialleiter der „HDI Versicherung AG“ berufsbedingt mit Marderbissen zu tun.



Gestern lief das Auto noch ohne Probleme, heute hat der Motor Zündaussetzer. Ein Blick unter die Motorhaube zeigt dann schnell das typische Schadenszenario, das Marder gerne hinterlassen: Angebissene Schläuche, zerfetztes Isoliermaterial und angenagte Kabel.

Im Frühling, aber auch in der Paarungszeit im Juli/August verteidigen die Tiere ihr Revier besonders nachdrücklich. Nichts anderes hat ein Marder im Sinn, wenn er Kabel, Gummimanschetten und Schläuche zerlegt. Denn er sieht den Motorraum eines parkenden Autos als ein ideales Versteck, das er mit entsprechenden Duftmarken kennzeichnet.

Die jährliche Schadensumme stieg auf 64 Millionen Euro




Stellt der Autofahrer nun seinen Wagen an einem der folgenden Tage im Revier eines anderen Marders ab, nimmt dieser die Duftmarkierungen seines Konkurrenten wahr. Erbost macht er sich dann über die markierten Teile her. Mit entsprechenden Folgen für weiche Kunststoff- und Gummikomponenten. Und natürlich markiert er seinerseits ausgiebig den nun von ihm beanspruchten Wohnraum. Fährt der Autofahrer mit seinen Wagen anschließend wieder zurück, reagiert jetzt der erste Marder allergisch auf die Nummer Zwei.

Mit den entsprechenden Folgen: 2007 verzeichnete die deutsche Versicherungswirtschaft noch rund 175.000 Marderschäden, 2014 waren es rund 216.000. Die jährliche Schadensumme stieg im selben Zeitraum von 38 Millionen auf 64 Millionen Euro.

Mottenkugeln, WC-Steine oder Säckchen mit Hundehaaren im Motorraum – Abwehrmaßnahmen wie diese bringen meist nur mäßige Resultate. Genauso wenig helfen in der Regel Ultraschall-Geräte. Denn Marder können sich sowohl an die Gerüche als auch an den für sie ohrenbetäubenden Lärm gewöhnen. Auch unter den Wagen geschobener feinmaschiger Kaninchendraht hilft nur so lange, bis sich die Besucher an den wackligen Untergrund gewöhnt haben.

Am wirkungsvollsten ist es, den kompletten Motorraum zu verkleiden. Allerdings sind entsprechende Bausätze nicht für alle Autos verfügbar. War ein Marder zu Besuch, sollte auf jeden Fall eine gründliche Motorwäsche auf dem Programm stehen. Nur so lassen sich die Duftspuren im Motorraum entfernen und ein weiterer Besucher wird nicht unnötig gereizt. Und auch ohne sichtbare Schäden sollten Dinge, die im Motorraum nichts zu suchen haben – wie Eier, Brotreste oder tote Beutetiere – stutzig machen. Ein Marder ist dann offenbar dabei, seine Wohnung einzurichten.

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