Ankunft bei den Göttern im Erfurter Angermuseum - meinanzeiger.de
19. Juli 2018
Erfurt

Ankunft bei den Göttern im Erfurter Angermuseum

Serie: Hohe Kunst

Das Deckengemälde im Angermuseum

Das Deckengemälde im Angermuseum

Für diese wunderschönen Decken legen wir gern unseren Kopf in den Nacken und werfen den Blick nach oben. Hinauf an die Decke im 2. Obergeschoss des Erfurter Angermuseums schaut Thomas von Taschitzki, Kurator der dortigen Gemälde- und Skulpturensammlung:


Es ist ein Glücksfall, dass es dieses wertvolle Deckengemälde mit der „Apotheose des Herkules“ noch gibt. Einst zierte es die Decke eines Saals von Schloss Stedten in Bischleben bei Erfurt, das 1948/49 auf sowjetischen Befehl dem Erdboden gleichgemacht wurde. Das Leinwandbild konnte vor der Zerstörung gerettet werden.

Das große ovale Gemälde zeigt die Vergöttlichung des Herkules, seine Aufnahme in den Olymp der antiken Götter. So wird er für seine äußerst mutigen, heldenhaften Taten belohnt. Alle wichtigen Götter, zwölf an der Zahl, haben sich ringsherum versammelt. So sehen wir im Zentrum den Göttervater Jupiter (griechisch: Zeus) mit seinem Symboltier, dem Adler. Neben ihm sitzt seine Gattin Juno und weiter rechts mit Helm und Rüstung die Göttin Minerva, der eine Eule zugeordnet ist. Unten rechts ist Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus, zu erkennen, zusammen mit Bacchus, Gott des Weines und des Rausches sowie dem Meeresgott Neptun. Besonders auffällig ist der mit flatterndem Gewand frei im Himmel schwebende Götterbote Hermes. Auf der linken Seite thront Apoll, erkennbar am Lorbeerkranz und dem Saiteninstrument Lyra, daneben die Jagdgöttin Diana und der Kriegsgott Mars. Die barbusige Dame rechts neben Apoll ist sicherlich Venus, Göttin der Liebe und Schönheit.


Die Botschaft des Bildes ist eindeutig: Ein großer, heldenhafter Mensch wird zum Gott und erlangt Unsterblichkeit. Die Dynamik des Bildes rückt Herkules in den Mittelpunkt des Geschehens. Gut erkennbar sind seine Attribute: Die Keule hält er lässig an seiner Seite, sein Löwenfell verweist auf seine erste große Heldentat, die Erlegung des Nemeischen Löwen. Die beiden Pferde, die Herkules zu den Göttern geleiten, sind besonders plastisch dargestellt. Die versammelten Götter heißen ihn willkommen, wenn auch nur Zeus und Demeter ihn direkt anblicken. Wir gehen davon aus, dass Johann Heinrich Ritter (gestorben 1751), Hofmaler in Gotha, das Bild malte. Zu seiner Zeit war es durchaus üblich, dass Auftraggeber derartiger Bilder den Helden mit ihren Gesichtszügen versehen ließen. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Christoph Dietrich von Keller, dem damaligen Hausherrn von Schloss Stedten, ist im Vergleich mit einem erhaltenen Porträtgemälde nicht von der Hand zu weisen.

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