Ansichtssache: Analoge Urlaubspoesie - meinanzeiger.de
8. Juli 2016
Erfurt

Ansichtssache: Analoge Urlaubspoesie

Sind Ansichtskarten aus dem Urlaub out, outer, am outesten? Dieser Autor ist anderer Meinung.



Ich gehöre offenbar zur aussterbenden Spezies der Urlauber, die noch Ansichtskarten an Freunde und Verwandte in die Heimat schicken.

Viel zu knallige Farben, die Retrokleidung der Menschen, arg eckige Autos – die steinalten Kartenmotive gewähren vieler Orten einen Blick in die Vergangenheit. Offenbar ist der Postkartenmarkt schon vor Jahren zusammengebrochen. Zum Teil sind die Karten so fossil, dass ich mir sicher bin: Wer hier auf dem Bild noch faul am Strand liegt, ruht längst auf dem Friedhof.

Die Karte selbst legt auch eine Reise zurück.




Meine Urlaubspoesie über Wetter, Essen, Unterkunft und Erlebnisse mag ich nicht per Smartphone mitteilen. Statt eines Posts für alle, ein persönlicher Gruß. Statt einer digitalen Nachricht, ein physisches Stück Karton, das selbst eine Reise zurückgelegt hat.

Ich weiß, das ist die alte Schule. Irgendwie selbst gebastelt wie das Herz zum Muttertag, das ich vor Jahrzehnten mit kindlicher Liebe aus Erbsen zusammengeschustert habe und das seitdem über Mamas Bett hängt. Ich stelle mir vor, dass heute ganz ähnlich meine Postkarten die Pinnwände und Kühlschränke der Adressaten schmücken. Und alle tragen die gleiche herzerwärmende Aussage: Ich denke gerade an dich.

Auch interessant