Ansichtssache: Der Statistik(um)deuter - meinanzeiger.de
23. Dezember 2016
Erfurt

Ansichtssache: Der Statistik(um)deuter

Weihnachten putt.

Weihnachten putt.

Jetzt bin ich doch noch in Weihnachtshektik verfallen. Um alles bin ich gekommen – Supermarkteinkauf, Geschenkejagd mit Verlegenheitskauf, Baum, das Schmücken, das Entknoten von Lichterketten, das Kochen, Putzen… All das versprach, ein besinnliches Weihnachtsfest zu werden – zurück zum Anfang. „Frieden auf Erden“.

Doch dann versaut mir die Statistik doch noch meine festliche Gelassenheit. Stolze 477,10 Euro gibt der Deutsche im Durchschnitt für Weihnachtsgeschenke aus. Mir fehlen allein zu den Sparsamsten – im PLZ-Gebiet 1 planen die dort lebenden Bundesbürger nur 423 Euro für Gaben ein – über 300 Taler.

Statistisch gesehen bin ich praktisch Luft, durchs Sieb gefallen, undeutsch. Na ja, ich schwimme ja gerne gegen den Strom, doch das dies ins Unbedeutende führen soll, kann ich nicht zulassen. Auch wenn ich weiß, dass zig andere, die Tausende Eus-Scheine für Geschenke hinblättern, mich statistisch ausgleichen, gebe ich einen Obendrauf. Das konnte die Statistik noch nicht wissen: Ich verkaufe meine zu vergebenden Weihnachtsgeschenke gewinnbringend. Somit habe ich minus 125 Moneten „verschenkt“ und andere müssen draufzahlen – statistisch gesehen. Das Zahlenwerk muss neu geschrieben werden. Und das feiern wir ganz in Familie.

Ich freue mich schon auf Ostern, in 114 Tagen. Die zugehörige Statistik werde ich freilich wieder austricksen. Das nenne ich Auferstehung oder Auflehnung. Schließlich werden in Deutschland über 50 Millionen mehr Schokoladen-Osterhasen gefertigt als Weihnachtsmänner und Nikoläuse zusammen – statistisch belegt. Ich lasse mir doch nicht einen Hohlkörper für einen Osterhasen vormachen. Weihnachten ist doof, Statistikdeuter sind es wohl auch. Trotzdem ein Frohes Fest. Ich werde es genießen.

Fotos: www.pixelio.de

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