Bedenk-Tag - meinanzeiger.de
23. August 2019
Erfurt

Bedenk-Tag

Worte zum Sonntag

Im Kirchenkalender heißt der „10. Sonntag nach Trinitatis“ traditionell „Israel-Sonntag“. Ein Feiertag ist er nicht, eher ein Gedenktag. Er ist dem Gedenken an Israels Geschichte und Jerusalems Geschick gewidmet. Im jüdischen Kalender gibt es den Ursprung dieses Tages. Es ist der neunte Tag im Monat Av – Tischa Be’Av. Ein Trauertag im Gedenken an die Zerstörung des Tempels und der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492.

Für die Kirche im Mittelalter war der damals sogenannte „Juden-Sonntag“ dagegen ein Triumphtag im Bewusstsein der Überlegenheit über die Synagoge. Die stolze und starke Kirche, dagegen der zerbrochene Tempel und das verachtete Volk der Juden. Heute wissen wir: ein Irrweg der Kirchen­geschichte! So gesehen ist es ein „Bedenk-Tag“. Der Sonntag steht heute im Zeichen der Versöhnung und der Erkenntnis: Der Glaube der Christen wurzelt in jüdischen Traditionen. Jesus und seine Jünger waren in Israel zu Hause.
„So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1).

Ein bleibender Zuspruch für Israel! Diese Zusage hat Jesus für alle Völker geöffnet. Seine ausgebreiteten Arme am Kreuz umfangen die Menschheit und sein Ruf will jeden Menschen erreichen: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst.

Gesegnete Zeit.

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