Die Wilden und das Wappen im Erfurter Rathaus - meinanzeiger.de
7. Februar 2018
Erfurt

Die Wilden und das Wappen im Erfurter Rathaus

Serie: Hohe Kunst

Die Decke im 238 Quadratmeter großen Festsaal des Rathauses zeigt das Erfurter Stadtwappen

Die Decke im 238 Quadratmeter großen Festsaal des Rathauses zeigt das Erfurter Stadtwappen

Für diese wunderschönen Decken legen wir gerne ­unseren Kopf in den Nacken und werfen den Blick nach oben. Hinauf an die Decke des Festsaals im Erfurter ­Rathaus blickt Dr. Antje Bauer, Direktorin des Erfurter Stadtarchivs.

Der Erfurter Rathausneubau wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts errichtet. Damals war es schick, die Rathäuser mit großen, stadthistorischen Monumentalgemälden auszumalen. In Erfurt sind es beispielsweise Sagen des Faust, Tannhäuser oder Grafen von Gleichen oder Bilder aus dem Leben Martin Luthers.

Zur Krönung zeigt die Decke im 238 Quadratmeter großen Festsaal das Erfurter Stadtwappen, ein sechsspeichiges Rad. Im Mittelalter hatte es noch acht Speichen wie das Wappen des Erzbistums Mainz, zu dem die Stadt über 1000 Jahre gehörte. Aber ab dem 16. Jahrhundert wollte man sich vom Mainzer Wappen unterscheiden. Der Künstler war Peter Janssen, der unter anderem auch die Ausmalungen im Rathaus Elberfeld (heute Wuppertal) und in der Marburger Universität geschaffen hat.

Bei einem mittelalterlichen Turnier präsentierten die Ritter zunächst ihre Schilde und Helme. Dazu gehörten ein Wappentuch, in diesem Fall die Fahne in den Erfurter Stadtfarben Rot und Weiß. Den goldenen Helm zieren nochmals das Rad und Pfauenfedern. Als Schildhalter wählte man damals üblicherweise Engel, Tiere oder wie hier den wilden Mann und die wilde Frau. Diese starken Urmenschen galten als ursprünglich, als moralisch unverdorben und frei. Statt eines Sinnspruchs steht die Zahl, als das Bild entstand: Anno Domini 1881.

Im Festsaal finden Konzerte, Hochzeiten, Vorlesungen, Führungen und weitere Veranstaltungen statt.

Weitere wunderschöne Decken finden Sie hier.

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