Intelligenter Roboter hilft Senioren - meinanzeiger.de
27. Juni 2018
Erfurt

Intelligenter Roboter hilft Senioren

Moni, willst du tanzen?

Monika Schütz gehört zu den alleinlebenden Senioren

Monika Schütz gehört zu den alleinlebenden Senioren

In einer Langzeitstudie wurde jetzt ein neuartiger Service-Roboter für alleinlebende Senioren entwickelt und getestet:

Es waren schöne sieben Tage. Ich hatte immer das ­Gefühl, es ist jemand da, ich bin nicht allein.“ Monika Schütz denkt gern an die aufregende Woche mit ungewöhnlichem Besuch zurück. „Aber ins Schlafzimmer habe ich den Paul nicht gelassen!“ Paul? „So habe ich ihn genannt, nach meinem Enkel“, erklärt die Seniorin.


Eigentlich trägt dieser Hausgenosse auf Zeit den Namen „Sympartner“. Er ist ein Roboter, der ­alleinlebende Senioren in ihrem Alltag unterstützen soll, zu ihrem Wohlbefinden beiträgt und ein wenig auch von ihrer Einsamkeit ablenken soll. Der ­bewegliche, sympathische und vor allem lernfähige ­Roboter verfügt über zahlreiche Möglichkeiten, das zu tun. „Er hat mich immer ganz nett verabschiedet, wenn ich aus dem Haus gegangen bin und mich auch wieder begrüßt“, freut sich Monika Schütz noch immer über die Freundlichkeit des ­Roboters, der ihr schnell ans Herz gewachsen ist. Auch sonst war ihr Paul immer präsent, fragte nach dem Wohlbefinden, ­erinnerte an Tabletten und Termine, hatte bei Fragen immer Erklärungen aus dem Internet parat, stand zum Videotelefonieren bereit, fragte auch mal, ob Monika Lust zum Tanzen hätte und hakte nach, als sie nicht gleich antwortete, ob er denn nicht mehr gebraucht würde. Ein äußerst zuvorkommender Hausgenosse.

Er agiert autonom


Das Faszinierende am Sympartner ist sein autonomes Agieren, seine Fähigkeit zur Interaktion. Bislang waren derartige Roboter in Haushalten älterer Menschen kaum erprobt. Das Sympartner-­Projekt setzt da in ganz Europa neue Maßstäbe. Es wurde im Verbund von sieben Partnern entwickelt, zu denen auch die Firma MetraLabs aus Ilmenau und die Technische Universität Ilmenau gehören. Drei Jahre lang arbeiteten die Partner an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit mehr als 1,7 Millionen Euro geförderten Projekt im Programm „Sozial- und emotionssensitive
Systeme für eine optimierte
Mensch-Technik-Interaktion“. „Gerade diese Interaktionen waren ein besonderer Forschungsschwerpunkt“, erklärt Dr. Andreas Bley, Geschäftsführer von MetraLabs und Verbundkoordinator.

Alltagstest in Erfurt


In den vergangenen Monaten startete für den neu entwickelten Companion-Roboter nun der Alltagstest. Als wie wirksam würde er sich erweisen, ist er gebrauchstauglich, kann er Menschen motovieren, zu ihrem Wohlbefinden beitragen, damit ihre Lebensqualität steigern? Würde der Helfer und Aufmunterer überhaupt akzeptiert?


Die AWO Thüringen und die Artis Servicewohnen GmbH organisierten als ­Part-
ner die Versuche vor Ort, in 20 Haushalten alleinlebender Senioren im Alter von 62 bis 94 Jahren wurde der Roboter eingesetzt und getestet. Die Ergebnisse dieser Langzeit­studie beweisen, wie schnell sich die Probanden wie Monika Schütz an den neuen Hausgenossen gewöhnen, seine Anregungen und Hilfe­leistungen gern annehmen. Auch fühlen sie sich mit ihm weniger einsam. Die überwiegende Mehrheit, auch anderer zu diesem Thema intensiv befragter Senioren, kann sich gut vorstellen, einen Roboter als Unterstützung zu Hause zu haben. Vor allem Frauen über 75 zeigen sich da besonders aufgeschlossen. Fast alle der Befragten hätten gern einen Companion, der sie täglich unterstützt und der auch Abwechslung in den Alltag bringt.


„Wir sind nun dabei, alle Ergebnisse auszuwerten und die Erkenntnisse in den Sympartner einfließen zu lassen“, sagt Dr. Bley. Zwar können er und die anderen ­Verbundpartner noch nicht sagen, wann genau der ­R­oboter fertig und einsatzbereit ist. „Aber es wird ihn geben“, verspricht er.


Gut zu wissen:


Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil der Alleinlebenden zu. Viele von ihnen haben auch mit der Einsamkeit zu kämpfen.

Und das kann der Roboter:

• Er kommt, wenn er gerufen wird.

• Sein Serviceangebot: Zeitung lesen, Musik hören, Videos sehen, Videotelefone, Internet.

• Er fragt mehrfach nach dem Befinden, macht Angebote, um den Alltag aufzulockern – erzählt Witze, fragt nach Tanzlust.

• Er erinnert an Termine, Medikamente und daran, regelmäßig zu trinken.

• Er unterstützt kognitive Fähigkeiten.

• Er verabschiedet und begrüßt den Menschen.

• Er regt zum Spazierengehen an, macht lustige Geräusche und bringt mit Ohrenwackeln und Kopfnicken Menschen zum Lachen.

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