Katrin Hölzer - Malerin mit und ohne Bremse - meinanzeiger.de
1. März 2017
Erfurt

Katrin Hölzer – Malerin mit und ohne Bremse

Bitte schön intensiv: Katrin Hölzer mag es in ihren Bildern  farbenprächtig

Bitte schön intensiv: Katrin Hölzer mag es in ihren Bildern farbenprächtig

Die Erfurterin Katrin Hölzer malt leidenschaftlich gern – in Farbe und auch mal ganz reduziert und zeigt ihre Bilder bald im egapark.


„Sich selbst zu bremsen ist nicht so einfach.“ Das glaubt ihr jeder unbesehen. Katrin Hölzer ist eine Frau voller Leben. Ein Wirbelwind, der mit seinem zum mit-Fröhlichsein einladenden Lachen und nicht enden wollender Energie alles um sie herum mit sich reißt. Einhalt zu gebieten fällt da schwer. Zum Glück ist es selbst auferlegte Zurückhaltung, die sie umtreibt, außerdem gilt die nur für ihr neuestes Projekt: Die Erfurter Hobby-Malerin versucht sich in Sumi-e. Das ist eine japanische Tuschemalerei, die dem Zen-Glauben verbunden ist und sich mit ihren kraftvollen, scheinbar hingeworfenen Strichen auf das Wesentliche konzentriert, auch durch Weggelassenes und Angedeutetes wirkt. So erfahren die Motive, meist Szenen aus der Natur, eine ungewohnte Ausdruckskraft.


Eigentlich sind es ja kurze Gedichte, die Katrin Hölzer Japan und seiner Kunst näher brachten, die kürzesten überhaupt. Sie heißen „Haiku“ und befolgen strenge Regeln. Die Silbenzahl ist vorgegeben – in der ersten Zeile fünf, in der zweiten sieben, in der dritten, letzten wieder fünf. Außerdem müssen sie jahreszeitbezogen sein und einen Sinn ergeben. „Das darf kein dahingesprochenes Irgendwas sein“, weiß Katrin Hölzer darum, dass es die kleinen Kunstwerke in sich haben. Ihr fällt es zum Glück nicht schwer, kreativ zu sein und sich Haikus auszudenken. Beinahe jedesmal, wenn sie durch ihren geliebten egapark schlendert, finden die Worte fast wie von allein zu ihr. Man kann davon sogar dort lesen, die Erfurterin entschied kürzlich den Haiku-Wettbewerb im egapark für sich. Nun ist sie dabei, die kurzen Gedichte mit ihren Sumi-e zu illustrieren, das Ganze soll als Buch erscheinen. Gedruckte Kunst, die mit wenig auskommt.

Am liebsten ausschweifend



Dabei mag es Katrin Hölzer sonst doch lieber farbenfroh und ausschweifend. „Oh ja, Farben sind genau mein Ding“, schwört sie, deren Büroalltag im öffentlichen Dienst eher mit verschiedenen Grautönen besetzt ist. Seit sie vor mehr als 15 Jahren das Malen für sich entdeckte, kann sie nicht mehr vom Pinsel lassen. „Ich brauche das, kann mich so total ausleben!“ Fast täglich begegnen ihr unterwegs Motive, manchmal geht sie dafür mit entdeckenden Augen extra auf die Suche. Oft sind es die kleinen Dinge, denen Katrin Hölzer in ihren Bildern ein farbintensives Denkmal setzt. Dann wieder finden sich kleine und große Kirchen oder ein Segelboot in Feininger-Manier unter ihren Werken. Am liebsten aber mag sie Szenen am Wasser. „Mein absolutes Faible sind Sonnenuntergänge am Meer oder an einem See“, sagt sie. Aber auch Felder, Bäume, zarte Blätter finden den acrylgestärkten Weg auf ihre Leinwand.


Dicke, kaum zu bändigende Mappen erzählen von all dem, was Katrin Hölzer noch vorhat zu malen. Ideen und Skizzen sammelt sie dort, es werden immer mehr. Und da spricht sie schon gar nicht von erträumten Reisen nach Island oder Äthiopien, die noch mehr Inspiration für neue Bilder bringen könnten. Manchmal, gesteht sie, hätte sie gern mehr Zeit für ihr geliebtes Hobby. Doch wenn sie nach der Arbeit ab und zu ihren Musiker-Mann begleitet, für ihn Kostüme entwirft, die Moderation übernimmt, manchmal als Katrin Sorell mit ihm singt, dann ist sie auch da ganz in ihrem Element, nimmt sich Zeit. Dann wieder gestaltet sie zwischendurch ein Buch für einen Kollegen, schreibt kleine Geschichten, würde gern noch so viel mehr ausprobieren. Aber die Malerei wird dabei wohl immer die Nummer eins bleiben. Mal mit und meistens ohne Bremse.




Ausstellung:



Im egapark Erfurt stehen die floralen Hallenschauen (in Halle 1) im Frühling (11. März bis 9. April) und im Sommer (13. Mai bis 11. Juni) unter dem Motto „Ein Tag am See“. Dort ergänzen Bilder von Katrin Hölzer die beiden Schauen, zur Sommer-Präsentation sind es andere als im Frühling.



Katrins Sieger-Haiku:



Katrin Hölzer gewann beim Haiku-Gedicht-Wettbewerb im egapark den ersten Platz mit ihren Gedichten. Die Haikus sind auf Tafeln im Japanischen Felsengarten des egaparks installiert. Eines davon:


Diamantenstaub

Mondlicht glitzert auf dem Schnee

Reichtum des Winters

Auch interessant