Roland Büttner: ein besonderer Mann - immer für andere da - meinanzeiger.de
24. Mai 2019
Erfurt

Roland Büttner: ein besonderer Mann – immer für andere da

Spender des Monats: Ein wandelndes Archiv

Roland Büttner ist eine Bereicherung für die Stadt Erfurt

Roland Büttner ist eine Bereicherung für die Stadt Erfurt

Erfurt/Tambach-Dietharz. Roland Büttner ist ein Archiv auf zwei Beinen. Er ist nicht einfach ein Stadtführer, wie andere. Er hat diese besondere Gabe, jene Dinge ans Tageslicht zu holen, die anderen verborgen bleiben. Er kennt die kleinsten Winkel, jeden Stein, jeden Baum, jedes Haus und unzählige Anekdoten zum Ausschmücken unterwegs. Er macht jede Führungen lebendig, entführt die Menschen mit Geschichten in die Zeit des Geschehens.

Und ganz nebenbei, oder auch hauptsächlich, wie man es betrachtet, will er die Welt zu einem bessern Ort machen, als sie ist. Er hat die Initiative ergriffen, hat eine Bibliothek für das Kinder- und Jugendhospiz Mitteldeutschland in Tambach-Dietharz fast im Alleingang organisiert. Beim Aufbau hat er die „Nervensäge“ bei einem insolventen Buchhändler gegeben, nur um kostenlos dessen Regale für diesen Zweck zu ergattern. Thüringer Bürgermeister bewegte er dazu, der Initiative „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für Frieden) beizutreten. Von anfangs nur zehn Beteiligten ist die Zahl in Thüringen auf 158 angewachsen. Es kümmert sich um Umwelt- und Naturschutz oder die Integration von Migranten, die er durch die Stadt führt und mit der Geschichte vertraut macht.

Bei Fahrradtouren, auf Inline-Skates, Nordic Walking oder zu Fuß hat der Wahl-Erfurter nicht nur Touristen geführt, sondern auch Einheimische und dabei die vor allem für Auswärtige spannenden Attraktionen links liegen gelassen. Stattdessen durchschreitet er sich winzige Gässchen und zitiert aus verborgenen Inschriften, kramt vergessene Fotos oder Ereignisse hervor. Immer dabei hatte er seine Spendenbox. Bei seinen Rundgängen hat der geborene Südthüringer, der vor 82 Jahren in Wernshausen bei Schmalkalden das Licht der Welt erblickte, immerhin mehr als 7000 Euro zusammen getragen. Er führte die Eltern von betroffenen Kindern aus dem Kinderhospiz durch die Stadt, hat sich vor Ort in Tambach-Dietharz ein Bild gemacht und wird nicht müde, auf diese besondere soziale Einrichtung hinzuweisen. Und darauf, wie sehr sie auf Spenden angewiesen ist.

Geschichten kann Büttner viele erzählen, beispielsweise als er mit Stadtführungen anfing. 1968 war das. Damals hat er die erste Tour durch Erfurt geführt. „Schon nach kurzer Zeit habe ich wegen meiner Russischkenntnisse Reisegruppen begleitet. Das große Highlight der Busrundtour in den 1970er Jahren waren für die Gäste aus der ‚Sowjetunion‘ die Neubaugebiete wie Berliner Platz oder Moskauer Straße. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Das fühlte sich für die russischen Gäste so an, als wären DDR-Bürger in den Westen gereist“, erinnert sich Büttner mit einem Lächeln auf den Lippen. Immer wieder fließen auch solche Geschichten mit ein, wie er als Reiseführer auf einem Schiff unterwegs war. Zuvor hatte er dort als Betreuer von Menschen mit Behinderung angefangen, aber so schön die Gruppen geleitet und mit Informationen versorgt, dass er eine neue Berufung angeboten bekam. Richtig ins Schwitzen geriet er dabei nur einmal, als er im ihm völlig unbekannten Andernach durch die Stadt führen sollte, weil das Schiff zuvor in Koblenz keine Erlaubnis zum Anlegen bekam. „Ich habe auf die Schnelle alles zusammengesucht, was ich zu Andernach finden konnte. Die Rolle des bekannten Christophorus-Bildes und etwas über die Mikwe vor Ort. Am Ende hat keiner etwas gemerkt“, lächelt er etwas schelmisch.

Ob Insektenhotel im Kindergarten zu installieren, Führungen zu Flora und Fauna der Stadt zu geben, zu politischen Ereignissen – oder Spenden zu sammeln. Büttner ist als rühriger Erfurter auch in hohem Alter noch unterwegs. Und wenn man ihn fragt, wie es ihm geht, kommt immer ein: „Ich bin zufrieden.“

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