Wenn sich Farbe und Struktur treffen - meinanzeiger.de
14. Dezember 2016
Erfurt

Wenn sich Farbe und Struktur treffen

Im Sonnenstrudel: Ines Aust gestaltet unter dem Motto „Farbe trifft Struktur“ ungewöhnliche Bilder.

Gelb ist nicht einfach gelb. Bei ihr nicht, da ist es sonnenstrudelgelb. Auch das Rot scheint feurig zu lodern, man meint beinahe die Wärme des Farbtons auf der Haut zu spüren. Und in das Meerblau gleich daneben möchte der Betracher am liebsten eintauchen. Ist da nicht so ein Rauschen? Ines Aust mag es intensiv, voller leuchtender Farben. So bringt sie ihre Bilder zum Leben. „Farben sind für mich ganz wichtig, sie können im Menschen einiges bewirken“, strahlt die Künstlerin mit ihren Werken um die Wette. Doch es sind nicht nur die kräftigen Töne, die so typisch sind für ihre Kunst, die hat außerdem Struktur. Durch mehrere Schichten Ölfarbe, manchmal auch eingearbeite Accessoires wie Getreideähren, Glasscherben oder Perlen, werden ihre Bilder plastisch.


„Da kann ich so schön in die Höhe bauen, das ist mein Steckenpferd“, sagt die 45-jährige Redaktionsassistentin, die in ihrer Freizeit auch Malerin ist. „Farbe trifft Struktur“ nennt sie ihre Art zu malen, mit der sie nun schon zehn Jahre für Aufsehen sorgt. Neben dem Pinsel ist der Spachtel das wichtigste Werkzeug der studierten Künstlerin. Mitunter dauert es sehr lange, bis ein Bild fertig ist, die neu aufgetragene dicke Farbschicht muss tagelang trocknen, bis sie bereit ist für die nächste. „Wenn ich mit dem Spachtel Farbmasse aufnehme und aufs Bild bringe, kann ich sie dorthin schieben, wo ich sie haben möchte, außerdem lässt sie sich gut formen“, erklärt die Strukturliebhaberin ihre ungewöhnliche Maltechnik. Dadurch entstünden dann faszinierende Effekte. Ihre derart modellierten Bilder wirken viel lebendiger als nur einfach gemalte. Bei jedem Ansehen erschließen sich dem Betrachter neue Perspektiven, das Bild erzählt immer wieder andere Geschichten. Manchmal nur dadurch, dass der Lichteinfall zu unterschiedlichen Tageszeiten ein anderer ist. Selbst Ines Aust ist darüber manchmal noch verblüfft.

Heiter und strahlend



Wenn es draußen kalt und dunkel wird, dann bleiben ihre Bilder heiter und strahlend, durch und durch positiv. „Schlechte Nachrichten gibt es genug“, weiß sie und überlegt einen Augenblick, ob sie zuerst an dem Bild mit den tiefroten Mohnblumen oder dem gelben Phantasiegebilde weitermalen soll. „Gelb tut richtig gut, wenn sich die Sonne rar macht“, trifft sie ihre Entscheidung. Ines Aust mag es genauso, sich beim Malen ihrer Phantasie hinzugeben und abstrakt zu sein wie eine wunderbare Erinnerung – etwa an das geliebte Meer – zu einem Bild werden zu lassen. Allerdings wird auch das realistische Gemälde bei ihr nie eine Kopie der Wirklichkeit sein. „Den künstlerischen Anspruch muss man schon sehen.“ Für alles andere gibt es ja Fotoapparate.

Im Gartenhaus der Familie hat sich Ines Aust Raum zum Malen geschaffen. Hierher, nach Klettbach, lädt sie auch ihre Workshop-Teilnehmer ein, die sich von ihr inspirieren lassen und etwas von ihrem Handwerk abgucken möchten. Sie schwärmt von dem fröhlichen, kreativen Miteinander, in dem sogar jene, die von sich behaupten, kein Talent zu haben, über sich hinauswachsen. Es ist längst nicht einfach mehr nur ein Hobby, das Ines Aust mit ihrer Malerei betreibt. „Das ist schon richtig Arbeit“, spricht sie über einen großen Aufwand. Inzwischen gibt sie in jedem Jahr einen Kalender mit ihren Bildern heraus, gestaltet Ausstellungen, ist sehr gefragt. Am schönsten aber ist es, wenn sie vor ihrer Staffelei stehen und malen und gestalten kann. Zaubern mit Pinsel und Spachtel.


Ausstellung:



Bis Ende Dezember zeigt eine Ausstellung im Erfurter „Victor’s Residenz Hotel“ Bilder von Ines Aust.

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