Wunschkonzert mit Lieblingsstücken - meinanzeiger.de
22. Juni 2019
Erfurt

Wunschkonzert mit Lieblingsstücken

Theater Erfurt/ 11. Sinfoniekonzert am 21.06.2019

Philharmonische Orchester Erfurt

Philharmonische Orchester Erfurt

Das letzte Konzert vor der Sommerpause steht bei den Erfurtern hoch im Kurs, denn für viele ist es mit einem Freiluft-Picknick vor dem Theater verbunden. Aber auch das Haus selbst war ausverkauft. In diesem Jahr wurde dem Publikum vor dem Konzert eine Musikliste zur Auswahl angeboten und neun Stücke wurden davon ausgewählt.

Das Wunschkonzert begann mit
Franz von Suppé und seiner Ouvertüre zur Operette „Leichte Kavallerie“.

Diese Ouvertüre ist berühmt und spricht das Publikum besonders durch ihre feurigen Rhythmen, die sich mit wunderschönen melancholischen Phrasen abwechseln, an. Den absoluten Höhepunkt dieses Stückes bildet die musikalische Beschreibung eines Kavallerie-Ritts durch die ungarische Steppe. GMD Myron Michailidis hat viel Temperament und zeigt es auch. Unter seinem dirigentischen Ansporn vollbrachte das Philharmonische Orchester Erfurt eine schwungvolle Einleitung in das Wunschkonzert und bekam dafür viel Beifall.

Auf den furiosen Beginn folgte: Wolfgang Amadeus Mozart „Konzert für Klarinette und Orchester“ A-Dur, KV 622., 2. Satz Adagio

Mozarts Klarinetten-Konzert ist eines seiner letzten vollendeten Werke. Geschrieben hat er es ursprünglich für seinen Freund, den Klarinettisten Anton Stadler. Heute hat das Konzert jeder Solist von Rang und Namen in seinem Repertoire. Aber auch außerhalb des Konzertsaals wird die Musik mit Begeisterung eingesetzt. Es gibt wohl kaum eine Musik, die in so vielen anrührenden Filmszenen vorkommt wie das Thema aus dem zweiten Satz. Ein achttaktiges Thema formt einen Melodiebogen, der in seiner Schlichtheit eine unglaubliche Intensität und Ausdrucksstärke besitzt.

Was an diesem Stück schwer ist? Der musikalische Ausdruck! Diese ganzen Sechzehntell-Läufe müssen kontrolliert, aber leicht klingen. Das ist bei Mozart einfach das wichtigste, dass auf diese Weise ein großer Spannungsbogen entsteht. Jens Kaiser gelang dieser Bogen gut. Auch das Wechselspiel mit dem Orchester gelang flüssig, so dass die Spannung bis zum Schluss des Stückes anhielt. Natürlich gab es dafür viel Applaus.

Darauf folgte: Edvard Grieg „Peer-Gynt-Suite“ Nr. 1 op. 46, Morgenstimmung, Aases Tod, Anitras Tanz und In der Höhle des Bergkönigs.

Dieses Stück ist natürlich auch beim Erfurter Publikum sehr beliebt und wegen seiner Leitmotivik besitzt ein Hörpublikum große Wahrnehmungsbereitschaft und Kenntnis. GMD Myron Michailidis spannte mit dem Philharmonische Orchester Erfurt ein nordisches Panorama mit viel norwegischem Kolorit. Im Detail hätte man sich aber auch manchmal mehr luzide Präsenz gewünscht. Zu sehr lag sein Fokus auf den Tempi. Die Begeisterung des Publikums trübte das nicht.

Stephanie Appelhans, 1. Konzertmeisterin des Philharmonischen Orchesters Erfurt, wagte sich an die Romanze für Violine und Orchester F-Dur op.50 von Ludwig von Beethoven, eines, der wohl bekanntesten Geigenstücke Beethovens.

Mit ihrem Spiel erzeugte sie viel Wärme. Es gelang ihr aus dem Holz und den Seiten eine völlig natürliche, lebendige Klang-Symbiose zu schaffen. Sie entfaltete klar und mit leuchtend samtenem Ton das ganze Farbspektrum dieser brillanten Romanze, was mit großem Applaus gewürdigt wurde.

Nach der Pause ging es weiter mit Antonín Dvořáks „Slawischen Tänzen“.

Dafür hatte GMD Myron Michailidis folgende Auswahl getroffen: op 46, 1 Presto (Furiant), Nr. 3 in As-Dur, Poco allegro (Polka), op 72 Nr. 4 (12) in Des-Dur, Allegretto grazioso (Dumka) und op 46, Nr. 8 in g-Moll, Presto (Furiant).

Im vielseitigen Werk des böhmischen Komponisten Antonín Dvořák spielen die „Slawischen Tänze“ Opus 46 und Opus 72 eine prägende Rolle. Seine große kompositorische Könnerschaft und die subtile Mischung von Heimatliebe und rauschhaft-berauschender Lebensfreude überzeugten nicht nur die Musikkenner, sondern übertragen sich immer noch auf die Zuhörer. Das ist der Grund, warum auch heute noch alle Dirigenten diese frischen, rhythmisch und melodisch lebhaften Stücke in ihren Konzertprogrammen haben wollen.

GMD Myron Michailidis kluge Interpretation betonte dabei die kompositorische Raffinesse dieser bekannten und beliebten Melodien, ohne in Effekthascherei zu verfallen. Unter seiner Leitung und mit der Bravour und Präzision des Philharmonischen Orchesters Erfurt fanden die böhmischen Tänze den richtigen schmissigen Sound und bewiesen, dass diese Musik auch heute noch ihre Wirkung nicht verfehlt. Rauschender Beifall war das Ergebnis.

Der nächste Höhepunkt des Abends war Camille Saint-Saëns, „Der Schwan“ aus „Karneval der Tiere“.

Dafür hatte das Erfurter Theater Natalia Krekou vom Chemnitzer Ballett eingeladen. Die aus Zypern stammende Tänzerin hat inzwischen schon einige große Rollen getanzt wie die Giselle oder die Julia. Natalia Krekou trat mit klassischer Spitzentechnik auf und verzauberte damit das Erfurter Publikum. Mit ihrem sehr emotionalen Körperausdruck konnte sie das Publikum fesseln und Spannung aufbauen, mit der sie die Zuschauer in Atem hielt. Diese Spannung löste sich in tobenden Applaus und Bravo-Rufen auf.

Musikalisch wurde ihr Tanz von Streichern sowie Harfe und natürlich Solo-Cello begleitet. Das Arrangement hat Christof Escher geschrieben. Während Harfe und Streicher unter der Leitung von Myron Michailidis einen schönen Klangteppich entwickelten, konnte der Cello-Solist Eugen Mantu mit seinen Melodiebögen nicht wirklich überzeugen. Zu fragmentiert und unsicher wirkte sein Spiel und mit wenig Emotion. Hinzu kam, dass er leider nicht immer den richtigen Ton traf.

Der gesamten „Schwan“-Darbietung tat das keinen Abbruch und der Beifall für die Aufführung war verdient.

Der „Säbeltanz“ ist ein Satz aus dem Ballett „Gayaneh“ des sowjetisch-armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan.

Man kann sich kaum vorstellen, dass der Komponist dieses Stück, das ihn so berühmt machen sollte, eher widerwillig an einem einzigen Abend aufschrieb. Der Grund für die Entstehung dieses später so populären Stückes waren die Anfeindungen gegen seine gesamte Ballettkomposition. In der sowjetischen Presse wurde das Stück als „naiv“ eingestuft. Chatschaturjan hatte davor schon mehrere Bearbeitungen vornehmen müssen.

So komponierte er den „Säbeltanz“ auch nicht aus eigenem Willen, sondern auf dringenden Wunsch des Ballettmeisters. Als Aram Iljitsch Chatschaturjan dem Choreografen Notizen machte, schrieb er darüber: „Verdammt, um des Balletts willen!“ Was aus Not begann, landete später im Guinness-Buch der Rekorde.

Myron Michailidis dirigierte das Orchester mit vorwärtstreibendem Puls. Die einprägsame Melodie brachte er mit sprudelnder Vitalität farbenprächtig und elementar auf die Bühne und das mit der nötigen Sensibilität für die klanglichen Details. Emotional mitgerissen, spendeten die Erfurter viel Beifall.

„Cavalleria rusticana“ (Sizilianische Bauernehre) von Pietro Mascagni ist eine Oper in einem Akt, darin spielt das Intermezzo sinfonico eine große Rolle.

Bei dem orchestralen Zwischenspiel werden die heiteren pastoralen Bilder, die kontemplativen Stimmungen in eine lyrische und sehnsuchtsvoll verstörende Melodie geprägt. Dies beruht vor allem auf breiten, vollen Akkorden, die die Spannung der Leidenschaften darstellen und mit gefühlsbetonter Timbre-Raffinesse versehen sind.

Myron Michailidis hat mit seinem bodenständigen rhythmischen Temperament das Stück einfühlsam zum Klingen gebracht. Auf so viel emotionalen Schwung folgte viel Applaus des Erfurter Publikums. Die Erfurter schwelgten in südländischem Flair und das schöne Wetter tat sein Übriges dazu.

Wem es dabei zu warm geworden war, der konnte sich jetzt auf eine heiter dramatische Abkühlung aus der „Moldau“ freuen. Das ist eine beliebte Auskoppelung aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedřich Smetana.

Er selbst schrieb über das Werk: „Die Komposition schildert den Lauf der Moldau, angefangen bei den beiden kleinen Quellen, der kalten und der warmen Moldau, über die Vereinigung der beiden Bächlein zu einem Fluss, den Lauf der Moldau durch Wälder und Fluren, durch Landschaften, wo gerade eine Bauernhochzeit gefeiert wird, beim nächtlichen Mondschein tanzen die Nymphen ihren Reigen. Auf den nahen Felsen ragen stolze Burgen, Schlösser und Ruinen empor. Die Moldau wirbelt in den Johannisstromschnellen; im breiten Zug fließt sie weiter gegen Prag, am Vyšehrad vorbei, und in majestätischem Lauf entschwindet sie in der Ferne schließlich in der Elbe.“

Myron Michailidis hat auch hier viele Details filigran herausgearbeitet und klanglich so präsentiert, dass die Zuschauer im Saal und draußen gebannt lauschten. Unter seiner Leitung machte das Philharmonische Orchester Erfurt diesen Flusslauf fühlbar. Auf das zarte Plätschern und die wogenden Wellen folgte der stürmische Beifall des Publikums.

Mit rhythmischem Klatschen erzwangen sie auch noch drei Zugaben: den „Hummelflug“ und zwei „Slawische Tänze“.

Dann ging Myron Michailidis gemeinsam mit der ersten Geigerin, Arm in Arm, hinaus in die lauschige Nacht. Auf der Videowand vor dem Theater konnte man Dank der Technikübertragung den Abend noch mal erleben und mit einem Gläschen schwelgen. Das ist „Dolce vita“ auf der „Piazza Theatro“ in Erfurt!

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