Zerstörung durch Feuersbrunst in Waltersleben - meinanzeiger.de
19. August 2017
Erfurt

Zerstörung durch Feuersbrunst in Waltersleben

140 Jahre FFW Waltersleben Teil I

A P-47 in flight with belly tank attached and fragmentation bombs on the wings (this aircraft was flown by Edwin J. "Chick" Chickering and the photo is signed by him)

A P-47 in flight with belly tank attached and fragmentation bombs on the wings (this aircraft was flown by Edwin J. "Chick" Chickering and the photo is signed by him)

° 140 Jahre FFW Waltersleben Teil I:
Artilleriebeschuss und Tiefflieger am 10. April 1945 – Scheunen in Brand


(Tagesprotokoll der 80. US-Infanterie-Division: US-Soldaten des 318. Infanterie-Regiments trafen am 10. April, 20.55 Uhr in Waltersleben ein und inspizierten den Ort bis Mitternacht. Am 11. April, 2.35 Uhr wurde Waltersleben ein weiteres Mal inspiziert.)

Heinz Sondermann – damals 15 Jahre alt – war am 10. April 1945 vormittags mit seinem Vater Karl auf dem Feld, nahe der heutigen Pferderanch. Nach dem Einsetzen von Artilleriebeschuss aus Westen, Richtung Molsdorf suchten beide Schutz hinter der nahen Scheune der Familie Naubert. Kampfflieger überflogen Waltersleben ebenfalls von Westen kommend, drehten aber nach Erfurt ab und griffen Ziele im Steigerwald an.
„Mein Vater sagte: die schießen über uns hinweg, machen wir weiter“, erinnert sich Heinz Sondermann. Ziel des ganztägigen Artillerie-Beschusses war wahrscheinlich das Munitionsdepot im Willroder Forst.

Militärischen Widerstand gab es aus dem Ort nicht. Die in der Scheune bei Karl Sondermann einquartierten fremden Volksstürmer waren längst fort. So befestigte Hermann Müller ein weißes Bettlaken am südlichen Schallladen des Kirchturmes, um Schaden vom Ort abzuhalten. Dennoch trafen einige Brandgeschosse auf Gebäude am westlichen Ortsrand. Eines traf das Grundstück von Alfred Zacher (heute Weite Gasse 7). Es wurde rechtzeitig bemerkt und der entstehende Brand schnell gelöscht.

Bei Wilhelm Hildebrand (Weite Gasse 5a) gerieten die Scheune, der Göpelschuppen und die Stallungen in Brand. Der Hof wurde da schon nicht mehr bäuerlich genutzt. Auf dem Hof von Charlotte Müller (Wassergraben 6) brannte die Scheune. Und auch das Gehöft von Willy Grau (Wassergraben 8) war durch den Brand von Scheune und Stallungen betroffen. Personen wurden bei den Angriffen nicht verletzt.

Das Vieh von Willy Grau kam auf den Hof von Horst Urbich. Das von Charlotte Müller wurde bei Kurt Braun (Wassergraben 5) untergestellt. Nennenswerte Verluste von Tierbeständen waren nicht zu verzeichnen.

„Ich sehe heute noch Arthur Schneider – meinen späteren Schwiegervater – zwischen Haus und Stall bei Grau‘s auf der Leiter stehend (heute Möbisburger Straße), um ein Übergreifen des Feuers zu verhindern“, erinnert sich Heinz Sondermann. Die Motorpumpe und die Handdruckspritzen waren von 20 Uhr bis in die Morgenstunden am Laufen. „Wasser wurde aus der Schließe und dem Teich bei Schneiders entnommen“, sagt der Zeitzeuge. Und die verpflichtete Frauengruppe der Walterslebener Feuerwehr war auch pausenlos im Einsatz.
„Mein Schulkamerad Helmut Hess und ich lösten sogar mal kurz die Männer an der Spritze ab, damit sie mal verschnaufen konnten“, erinnert sich Heinz Sondermann.

Über den bäuerlichen Hilfsverein erhielten die betroffenen Höfe Unterstützung. Der Schutt wurde gemeinschaftlich beseitigt und Futtermittel bereitgestellt.

In einer handschriftliche Aufzeichnung von der Familie Kurt Sondermann heißt es: „Am Abend des 10. April 1945 drang ein amerikanischer Stoßtrupp in das Dorf ein. Drei Scheunen und Stallungen verbrannten.“

Auch interessant