24. März 2021
Erfurt

Sängerin Sylvia Martens zurück in Thüringen

Als "Nea Marten" veröffentlicht sie ihr neues Album

Ein neues Album, ein neuer Name, dazu der Umzug von Leipzig in die ­Heimat Thüringen: Sylvia Martens kehrt privat und ­musikalisch zu ihren Wurzeln zurück. (Foto: Hagen Wolf)

Am Ende wird alles gut: Sängerin Sylvia Martens ist als „Nea Marten“ zurück in Thüringen, veröffentlicht Album, malt, studiert und ist voller Träume.

„Wir dürfen nicht aufhören zu träumen, einander in dem ganzen Alltagsstress nicht aus den Augen ver­lieren!“ Sylvia Martens liegt das besonders am Herzen, gerade in dieser Zeit, die für so viele Menschen so schwierig ist. Sie sei selbst ein eher verträumter Mensch, gibt die Sängerin und Neu-Erfurterin zu und wünscht sich eine Welt, der es gut zu ­Gesicht stünde, weniger ­verkopft zu sein. Träume ­lassen Gedanken fliegen, ­geben ­Gefühlen und Kreativität ­genügend Raum, sich auszubreiten.
Sie sind auch ein wunderbarer Titel für einen Sylvia-Martens-Song. Mehr noch, ihr ganzes im Juni erscheinendes Album trägt diesen Namen. „Es ist so eine Art Best Of der letzten Jahre. Auf dem Album werden Titel aus meiner NEA!-Zeit zu finden sein und auch ein paar neue Songs“, erklärt die Künst­lerin, die sich ab sofort „Nea Marten“ nennt. Fans dürfen sich auf 19 Songs freuen – ­darunter ein über­raschendes Unplugged­-Projekt – die ­berühren und mitten aus dem Leben sind. Manche ­davon sind hochemotional, keineswegs ­banal.

­Bekannte Texter und Komponisten stehen hinter den meisten dieser Songs, ­fünf der Titel stammen aus Sylvia Martens’ Feder, die meisten der Stücke wurden von Matt Pop neu gemixt. Im Mai macht die Single „Kaleidoskop“ schon Appetit auf den Rest. Darin heißt es „zwischen den Farben gibt es mehr, als sich mit einem Blick erklärt“. „Das Lied macht gute ­Laune“, verspricht die 39-Jährige. Der Song stehe aber auch für ­Solidarität, das ­Erkennen und Wertschätzen der Vielfalt unserer Welt, fügt sie hinzu und sprüht ­dabei vor lauter Energie.

Die lässt sie sich von keiner Krise nehmen. ­„Natürlich bin ich im vergangenen Jahr auch erst einmal wie so viele Künstler in ein Loch gefallen“, erinnert sie sich an das jähe Ausbremsen jeglicher Kreativität und der Möglichkeit, aufzutreten und Geld zu verdienen. Doch in all dem Negativen findet Sylvia ­Martens auch etwas Gutes: „Wir sind alle wieder mehr zusammen­gerückt, achten besser auf­einander, sind solidarischer ­geworden, weniger materiell eingestellt“, so hat sie es ­erfahren. Für Martens selbst ist die Zeit der Krise auch eine, um endlich einmal tief Luft zu holen, die verordnete Pause als Freiraum und als Chance für Neues zu­ ­sehen.

Neu ist inzwischen einiges bei ihr. Die ehemalige Greizerin lebte viele Jahre in Leipzig. Im November ist sie gemeinsam mit ihrem ­Ehemann zurück in die Thüringer Heimat gezogen, nach Erfurt. „Eine wunderbare Stadt.“ Im selben Atemzug hat sie den alten Künstler­namen abgelegt, mit dem sie jahrelang auf den Bühnen stand, kombiniert ihn jetzt mit ihrem Nach­namen – von dem sie das ‘s’ weglässt.

Auf die Wurzeln besinnen

Sylvia Martens oder besser gesagt Nea Marten besinnt sich auf ihre Wurzeln, ist ­reifer, erwachsener geworden. „Vor 15 Jahren, als ich mit der Musik ­angefangen habe, war ich noch ein Greenhorn“, sagt sie bekennend und möchte trotzdem ihre ­flippige Zeit und die ­musikalischen Ausflüge in die 80er und zur Italo-Discomusik nicht missen. „Aber ich habe mich weiterent­wickelt, ich muss mich nicht mehr verkleiden.“ Obwohl die 80er-Jahre immer einen Platz in ihrem Herzen behalten werden. Deshalb gibt es auf ihrem neuen Album auch den Song „Kassettenkind“. „Das ist meine ­Geschichte“, gesteht Martens. ­Damals, mit Mitte 20, hätte sie sich auch noch nicht so ausdrücken können, wie sie es 15 erfahrene, ­gelebte Jahre später kann. Deshalb habe auch jeder ihrer Songs seinen eigenen Charakter, ist voller Kraft und Intensität, so wird es ihr immer wieder ­bescheinigt.

Genauso kraftvoll und ­intensiv vermag sich Sylvia Martens auch auf andere Art auszudrücken. Sie hat das Malen für sich entdeckt, nach mehr als 20 Jahren ­Pause. „Ich bin ein Mensch, der Farben liebt“, sagt sie und greift nun täglich zu Pinsel und Stiften, ­erstaunt mit ihrem Können die Bild­betrachter. „Das macht riesigen Spaß und ­erdet mich.“ Wie ihre Musik stecken auch die Bilder voller Leben. „Ich möchte beide Seiten, das ­Malen und die Musik, mit meinem Publikum teilen. In Musik ist ­Farbe und Farbe ist in der Musik“, ist sie voller begeisterter Hingabe.

Immer neue Herausforderungen

Sylvia Martens liebt es, sich auszuprobieren, sich ­Herausforderungen zu stellen, immer noch etwas mehr zu tun. Deshalb hat sie jetzt damit begonnen, Journalismus zu studieren. „Das hilft mir auch dabei, mich besser auszudrücken“, erklärt sie und hat vor allem den ­Online-Journalismus für sich entdeckt. ­Vielleicht, so träumt sie wieder ein wenig, wird sie eines Tages in einem Internetblog von ihren ­Reisen berichten. Ihr großer Wunsch ist es, so bald wie möglich wieder auftreten zu dürfen. „Ich möchte Menschen mit meiner Musik ­berühren, sie zum Träumen bringen“, so die Sängerin. Die ­anderen, so sagt sie, sollen ruhig wissen, dass sie eine Träumerin ist. In Musik und Bildern könne man sich die Welt schön träumen, und Kunst habe auch den Auftrag, Menschen positiv zu stimmen – damit diese Einflüsse auch in die Realität einwirken und die Welt ein Stück besser ­machen – ist Nea ­Marten überzeugt. „Träumer glauben an das ­große Ganze und, dass am Ende alles gut wird.“

Sylvia Martens in Erfurt. (Foto: Hagen Wolf)

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