18. März 2021
Erfurt

Serie „Mein Dorf“: Gierstädt

Ein wahrhaft blühender Ort

Das idyllisch gelegene Gierstädt. Foto: Jörg Dornberger

Gierstädt am Rande der Fahner Höhe ist für den Obstbau bekannt, überzeugt mit Infrastruktur und intaktem Dorfleben. Bürgermeister Ulf Henniger erzählt uns noch mehr:

Bürgermeister Ulf Henniger. Foto: Floeckner

Wofür ist Gierstädt ­bekannt?
Vor allem für seinen Obstanbau und die damit verbundenen Feste. Der Obstanbau hat eine lange Tradition: Schon 1722 ließen sich die Herren von Seebach hier Obstgärten anlegen, und jedes frisch vermählte Paar musste einen Obstbaum pflanzen. Ab 1772 begrün­dete Pfarrer Sickler den Obstbau. Er wirkte in Kleinfahner – der Nachbarort, der zur ­Gemeinde gehört. Heute bauen wir zumeist Äpfel an, gefolgt von Süß- und Sauerkirschen sowie Pflaumen.

Warum lässt es sich hier gut leben?
Gierstädt ist wunderschön gelegen, am Fuße der Fahner Höhe, nur ein paar Schritte und man ist mitten in der Natur. Außerdem sind wir von der Infrastruktur her sehr gut aufgestellt. Wir ­haben einen Kindergarten, eine Kaufhalle, ein Freibad, drei Gaststätten, eine Kegelbahn, eine Tankstelle und ­diverse Hofläden. Unser ­Gewerbegebiet ist zu 100 Prozent ausgelastet, es läuft gut für Gierstädt.

Was gibt es hier zu sehen?
Im Frühjahr die faszinie­rende Blüte der Obstbäume. Seit mindestens 150 Jahren zieht es die Besucher in dieser Zeit zu uns, um sie zu ­bestaunen. Dann haben wir neben zwei ­Kirchen den Aussichtsturm am Grünen ­Klassenzimmer und das Obstbau­museum Kleinfahner.

Welche Höhepunkte gibt es im Dorfleben?
Das Blütenfest Ende April und im Herbst das Erntefest. Wir planen gerade, wie wir das Blütenfest gestalten können, je nachdem, was ­Corona möglich macht. Wir möchten gern die Vereine ins Boot holen, eventuell einen kleinen Markt – ohne Bühnenprogramm – gestalten und Wanderungen anbieten. Ansonsten ist auch die Kirmes jedes Jahr ein Höhepunkt. Und der Kirschlauf.

Welche Vereine gibt es?
Ganze drei Feuerwehr­vereine, den Kegelverein, den Gierstädter Traditionsverein, den Förderverein vom Kindergarten, die Interessen­gemeinschaft Fahner Höhe und den Kulturverein Kleinfahner mit Aktivitäten wie Sport, Malzirkel, Spinnstube, Kirmes und mehr.

Wo trifft man sich?
In den Gaststätten, auf der Kegelbahn, am Aussichtsturm, im herrlichen Freibad, übrigens eines der ältesten Thüringens oder in Klein­fahner am Teich. Wir haben hier ein gutes Miteinander, ein intaktes, funktionierendes Dorfleben.

Wie gehen Sie mit der Ortsgeschichte um?
Unsere Chronik endet in den 70er-Jahren. Es wäre schön, wenn die weiter­geführt würde, dafür ­suchen wir einen Ortschronisten.

Was liegt Ihnen am Herzen?
Dass wir, wenn die Pandemie vorbei ist, wieder viele Besucher aus ganz Thüringen ­begrüßen dürfen. Auch die Einweihung der MDR-Wanderwege hier und die Buchvorstellung dazu stehen noch aus. Ansonsten wünsche ich den Vereinen, dass sie bald wieder aktiv werden können, dass sich die Menschen treffen und gemeinsam etwas erleben können.

 

Gierstädt auf einen Blick:

Lage: Landkreis Gotha, am Rande des Landschaftsschutzgebietes Fahner Höhe

Einwohnerzahl: rund 850 (mit Kleinfahner)

Ersterwähnung: die älteste Urkunde stammt von 874

Mehr im Internet: www.vg-fahner-hoehe.de

Im Herbst wird hier immer das Erntefest gefeiert. Foto: Jörg Dornberger
Ein wahrhaft märchenhafter Anblick.
Auch Äpfel gedeihen hier prächtig.
In der Natur ringsherum gibt es vieles zu entdecken. Foto: Dornberger
Freizeit genießen inmitten der Natur. Foto: Jörg Dornberger
Blick auf das 92 Jahre alte Freibad, eines der ältesten Thüringens. Foto: Martin Gelzinnes
Die in den Jahren 1844 bis 1846 erbaute St.-Bonifatius­Kirche am ­Kirchberg über Gierstädt, gelegen am Waldrand, vereint englische und ­deutsche Neugotik sowie italienische Renaissance. Foto: Martin Gelzinnes

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