16. Oktober 2017
Erfurt

Stimmt es, dass bei älteren Menschen die Ohren wachsen?

Nur eine Frage

Die Antwort weiß Dr. med. Gerhard Zegowitz:

„Prinzipiell stimmt dieser Eindruck, aber man sollte die Mechanismen kennen, die dazu führen, weil man sonst glauben könnte, den Menschen würden Ohren wie Elefanten wachsen: Die Bildung von Wachstumshormonen in der menschlichen Hypophyse, einer kleinen Drüse im Kopf, die den Hormonhaushalt steuert, ist nicht auf Kindheit und Jugend beschränkt.   Allerdings lassen die langen Röhrenknochen, die in den Beinen und Armen unser Größenwachstum bestimmen, kein weiteres Körperwachstum mehr zu, wenn die Wachstumsfugen in der Regel am Ende des zweiten Lebensjahrzehnts verschlossen sind. Knorpelzellen, und aus solchen bestehen die Ohren, aber auch zu großem Anteil die Nase, behalten dagegen ihre Fähigkeit zu wachsen und sich zu teilen, so dass diese, sehr langsam zwar, aber größer werden.

Dass das manchmal sogar sichtbar geschieht, liegt vermutlich aber an weiteren Faktoren, wie die verminderte Spannung der Haut im Alter und der Tatsache, dass der Mensch insgesamt etwas „schrumpft“: Organe wie Nase und Ohren wirken schon allein deshalb größer.

Dass Ohren und Nasen im Alter größer erscheinen, hat allerdings nichts – wie vielfach behauptet – mit der Akromegalie zu tun. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, bei der die Enden der menschlichen Extremitäten, Hände, Füße, Kinn, Ohren, äußere Genitalien oder Nase, besonders stark wachsen. Ursache hierfür ist ein gutartiger Tumor in der schon erwähnten Hirnanhangdrüse, der Wachstumshormone produziert. Ein imposantes Beispiel für die Akromegalie ist der Schauspieler Richard Kiel, der es unter anderem als hünenhafter „Beißer“ mit Metallgebiss in zwei James-Bond-Filmen („Der Spion der mich liebte“ und „Moonraker“) oder im Clint Eastwood-Western „Pale Rider“ zu Weltberühmtheit gebracht hat.


Zur Person:



Dr. med. Gerhard Zegowitz ist leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Katholischen Krankenhauses Erfurt. Er ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und u.a. spezialisiert auf die Gerontopsychiatrie.

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