Tom Blechschmidt hat das Judogen - meinanzeiger.de
29. Oktober 2017
Erfurt

Tom Blechschmidt hat das Judogen

Nach EM- und WM-Teilnahme hat er noch einiges vor

Der Stotternheimer Judoka Tom Blechschmidt freut sich über sein erfolgreichstes Jahr. Bisher… Da geht noch was!


Training, Schule, Training, wieder Schule. Vielleicht noch ein paar Kilometer laufen, für die Ausdauer und, um den Kopf frei zu bekommen. Später dann die Hausaufgaben und alles, was noch zu tun ist. Mancher Tag im Leben von Tom Blechschmidt ist derart vollgepackt, dass er kaum zum Luftholen kommt. Der 17-Jährige lächelt die Anstrengung beiseite. Genau das ist es, was er will. „Auf zehn Trainingseinheiten kommen wir locker die Woche“, überlegt der junge Judoka. Er spricht von einer normalen Woche – ohne Trainingslager und Wettkämpfe – am Sportgymnasium in Jena, wo er seit drei Jahren trainiert und lernt. Dabei hätte ihn sein Trainer am liebsten schon viel eher im Leistungszentrum gehabt.


Doch Stotternheim, vor allem sein Verein dort , der JSC Jigoro Kano“, ist so sehr Heimat für ihn. Und Familie. Schon mit vier Jahren macht Tom die ersten Schritte auf der Judomatte, der Tatami. Er erlernt die Kunst, sich beim Fallen nicht weh zu tun, die ersten zaghaften Würfe und vor allem das, was Judo bedeutet: Mit einer der vielen Techniken den Gegner im Zweikampf zu besiegen. Dabei immer fair zu sein, den anderen mit Respekt zu behandeln, im rechten Moment nachgeben zu können, um dann den siegreichen Wurf besser umsetzen zu können. Judo ist, trotz allen Kampfsports, der sanfte Weg. So wird es auch übersetzt. Tom weiß das alles im Grunde lange schon, bevor er zu ersten Mal den Judoanzug überstreift. Judo liegt bei den Blechschmidts in den Genen. Papa Ralf und Mama Katrin – sie holte 1989 und 1990 jeweils die Bronzemedaille bei der Judo-EM – sind beide Trainer im Verein, genau wie Toms Onkel, Tante und die Cousinen.


Sie alle, der gesamte rührige Verein, freuen sich mit ihrem Tom über ein sehr erfolgreiches Judo-Jahr. „Die Jahre davor waren auch nicht schlecht“, wiegelt der Kämpfer ab. Doch 2017 ist sein bislang bestes. Schon der Februar bringt ihm den Deutschen Vizemeistertitel in der Altersklasse der unter 18-Jährigen. Ähnlich gut läuft es bei den Bremen Masters, von den 78 Teilnehmern in seiner Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm kämpft sich „Blechi“ auf den dritten Platz. Die Leistungsdichte ist riesig bei solchen Turnieren, macht Tom immer wieder die Erfahrung. Für ihn ist das jedes Mal eine neue, gewollte Herausforderung. Tom, der Kämpfer. „Ich orientiere mich immer an den Besten, nur so kann ich mich weiterentwickeln“, formuliert er sein Motto.

Tom wird immer besser



Dass der junge Mann mit den Stotternheimer Wurzeln immer besser wird, fällt auch anderen auf. Nicht nur Mike Göpfert, seinem Stützpunkttrainer in Jena. Auch der Bundestrainer wird aufmerksam. Seit Jahresbeginn gehört Tom Blechschmidt zur Nationalmannschaft seiner Altersklasse. Die Berufung bringt noch mehr Training, härtere Trainingslager, weitere Wettkämpfe. Und einen Startplatz bei den Europameisterschaften. Toms neunter Platz dort ist beachtlich. So sehr, dass er sogar zur Weltmeisterschaft in Chile starten durfte. „Das hatte ich überhaupt nicht erwartet“, kommt diese Einladung für den 17-Jährigen völlig überraschend und wirft seine Ferienpläne über den Haufen. Dass es dort nicht ganz so erfolgreich läuft, im Auftaktkampf unterliegt der Thüringer dem späteren Bronzemedaillengewinner, auch die spätere Weltmeister ist in seiner Gruppe, tut Toms Kampfgeist keinerlei Abbruch. Das war längst nicht die letzte WM. Jetzt legt er beim Training noch einen drauf.


„Tom ist ein Techniker, außerdem trainiert er sehr diszipliniert“, beschreibt Mutter Katrin ihren kampfstarken Sohn, den sie nur noch selten zu Gesicht bekommt. Sogar im gemeinsamen Familienurlaub hat der Junge seinen Trainingsplan. Er will in Form bleiben, für den nächsten Wettkampf. „Er möchte das selbst so, wir haben ihn niemals unter Druck gesetzt“, so die Mutter und erfahrene Trainerin im Verein. Vor allem im Standkampf liegen seine Stärken, der Träger des 1. Dans – des ersten Meistergrades – zeigt sich in den Begegnungen auf der Matte vielseitig und topfit. Zwei Würfe sind es, die er am häufigsten anwendet, am besten kann, der O-Uchi-Gari und der Uchi-Mata. Dazu kommen die sogenannten Finten, die Tom, dem Techniker, besonders liegen. Dabei wird ein Wurf nur angesetzt oder angetäuscht, die Reaktion des Gegners darauf nutzt der Judoka aus, um seine eigentliche Technik durchzusetzen. Und mit ihr möglichst zu siegen.


Im neuen Jahr warten auf den Kämpfer neue Aufgaben. Vor allem die neue Altersklasse, die U 21, ist eine echte Herausforderung. „Es wäre schon toll, wenn Tom auch da bei EM und WM starten darf“, wagt Mutter Katrin einen hoffnungsvollen Blick nach vorn. Ihr Sohn winkt ab, einen Schritt nach dem anderen. „Mein großes Ziel ist erst einmal ein gutes Abschneiden bei den Deutschen Meisterschaften“, sagt er. Und vielleicht klappt es, dass er mal in ein Trainingslager nach Japan mit darf. Einmal im Judo-Mutterland trainieren, das wär’s…


Wenn ein Wochenende ansteht ganz ohne Wettkämpfe und Trainingslager, dann zieht es Tom nach Hause. „Nach so einer intensiven Woche heimfahren, etwas mit meinen Freunden unternehmen oder in der großen Runde mit der Familie zu sitzen, ist das Schönste“, schwärmt er. Doch schnell übernehmen seine Judo-Gene wieder das Kommando. Sobald Zeit ist, leitet er auch einmal das Training in der Stotternheimer Judohalle. Dann ist er rundum zu Hause.





Toms Erfolge im Jahr 2017:

– Deutscher Vizemeister

– 3. Platz bei den Bremen Masters (von 78 Teilnehmern)

– 5. Platz beim Europacup Berlin

– 9. Platz bei den Europameisterschaften

– WM-Teilnahme

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