Verabschiedung von Ordinariatsrat Winfried Weinrich - Vater Theodor Weinrich war Stasi-IM Franz - meinanzeiger.de
16. November 2017
Erfurt

Verabschiedung von Ordinariatsrat Winfried Weinrich – Vater Theodor Weinrich war Stasi-IM Franz

Unterlassene Diskussion zu Stasi-IM im Bistum Erfurt

Wenn der Leiter des Katholischen Büros Erfurt, Ordinariatsrat Winfried Weinrich (63) beim diesjährigen Elisabethempfang des Bistums Erfurt für Thüringer Politiker am Donnerstag, 16. November durch ein außerordentliches Programm verabschiedet wird, dann wird auf jeden Fall eine Tatsache nicht erwähnt, nämlich dass Weinrichs Vater Theodor einer der wichtigsten inoffiziellen Mitarbeiter des MfS in der Thüringer CDU
im DDR-UNRECHTSSTAAT war.

Es passt sicher schlecht in das Bild, denn Ordinariatsrat Winfried Weinrich sorgt sich um die Aufarbeitung des Themas „Christen in der DDR“ im Freistaat Thüringen. Auch die katholische Kirche arbeitet mit ihren Fachleuten in der jüngst zusammengestellten Arbeitsgemeinschaft „Christen und Kirchen im DDR-Unrechtsstaat“ mit.

Nun ist es nicht so, dass die IM-Tätigkeit des Vaters ein Geheimnis wäre. Eine Teilaufklärung gab es Anfang der 90ziger Jahre, als der Benno-Verlag ein Buch mit dem Titel „Kirche im Visier“ herausbrachte. Das Buch erschien einmalig 1998, da war Weinrichs Vater bereits im Ruhestand bei der Vereinigten Kirchen- und Klosterkammer – Stiftung öffentlichen Rechts, die seit der Wende wieder vollkommen in kirchlichen Besitz übergegangen war. Die Vorbereitung für das Buch hatte sicher einige Jahre gedauert. Auf Seite 74 wird GI/IM Franz auch erwähnt als CDU Funktionär im Bezirksvorstand und Mitarbeiter der Klosterkammer. Seine Tätigkeit wird von 1954 bis 1989 angegeben.
Sein Klarname Theodor Weinrich wird nicht genannt. Wann immer ich kirchliche Mitarbeiter nach diesem Namen fragte, stieß ich auf betretenes Schweigen.

Theodor Weinrich alias GI/IM Franz wurde als „Stimmungsinformant“ benutzt und er lieferte immer prompt. Über katholische Würdenträger sagte er nie etwas Negatives, dafür war keiner seiner Parteifreunde vor ihm sicher. Auch aus dem katholischen Gemeindeumfeld berichtete er gern, was verabschiedene Gemeindemitglieder so dachten und ob sie zur Wahl gingen oder nicht und wer die Kabine benutzte, um bei der Pseudowahl jemanden durchzustreichen. Vor dem Mauerbau machte er das MfS aufmerksam auf potentielle Republikflüchtlinge und andere unsichere Kandidaten. Unsicher im Verhältnis zur DDR-Diktatur. Das brachte ihm schon mal eine von der Stasi bezahlte Fahrt zu einem Katholikentag ein.

Alles aus dem CDU-Bezirksvorstand berichtete er brühwarm und sorgte so dafür, dass jede abweichende Meinung schnell sanktioniert werden konnte. Das sorgte für dauerhaften Blockansatz der CDU an die die SED. Jede eigenständige Aktivität einzelner CDU-Mitglieder konnte so schnell im Keim erstickt werden. Während seiner Tätigkeit in der Kirchen und Klosterkammer informierte er natürlich auch über alles, so gibt es einen mehrseitigen Bericht über den Besuch eines Kirchen und Klosterkammer-Präses aus Hannover.

Ein IM-Bericht aus dem Jahre 1989 schildert wie Bischof Dr. Joachim Wanke katholische Fürsorger zurechtweist und ihnen deutlich empfiehlt, sich ausschließlich um ihre Aufgaben zu kümmern, denn Wanke wusste ja noch nicht, wohin der Zeiger gehen wird und wer am Ende gewinnt. Vielleicht haben diese Verhaltensweisen letztlich dazu geführt, dass Bischof Wanke Herrn IM Franz in seiner Tätigkeit bei der Klosterkammer bestätigte. Immerhin war er sicher auch ein verlässlicher Immobilienverwalter und so passte er weiterhin gut in das System.

Bischof Dr. Joachim Wanke hat in den 90ziger gern darüber referiert, wie unerträglich es sei, dass noch immer so viele ehemalige Stasi-Mitarbeiter im Öffentlichen Bereich tätig sind. An IM Franz hat er dabei wahrscheinlich nicht gedacht, der war ja nützlich. Jetzt geht der Sohn des IM Franz in Rente und vielleicht, eine späte Hoffnung für manchen Denunzierten, wird es ja doch noch eine verspätete Diskussion über katholische Stasi-Mitarbeiter geben.
Im Bildteil finden sie Auszüge aus der Akte IM Franz.

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