19. August 2020
Erfurt

Warum muss die Generalprobe am Theater schieflaufen?

Serie: Nur eine Frage

Der Aberglaube, dass eine schlechte Generalprobe zu einer guten Premiere führe, hält sich hartnäckig am Theater. Foto: Pixabay

Wird schon schiefgehen. Aber was, wenn die Generalprobe am Theater so richtig gut läuft? Bekommen Theaterleute dann die Panik? Die Antwort weiß Johannes Beckmann, stellvertretender ­Generalintendant am Theater Erfurt.

Wie um vieles am Theater rankt sich auch um die Generalprobe ein ganzer Strauß von Aberglauben. Wenn die Generalprobe zu gut läuft, ­haben wir Theaterleute Angst, dass die Premiere schiefgeht. Gleiches gilt, wenn auf den freundlichen Wunsch „Toi, toi, toi“ ein „Danke“ erwidert wird… Da ist die Katastrophe vorprogrammiert!

Nein, man antwortet natürlich „Wird schon schief ­gehen“ und hofft dann ­darauf, dass die „self-fulfilling ­prophecy“, die selbst­erfüllende Vorhersage, sich eben gerade nicht erfüllt. Das Spucken über die Schulter ging auch in der Prä-Corona-Ära. Doch wer sich seitlich rechts vertut, denn man spuckt immer über links, der ist dann auch verantwortlich für alles Unglück, dass die Schauspieler oder Musiker ­ereilt.

Ein Körnchen Wahrheit

So weit der Aberglaube. Aber wie so oft gilt auch hier das Sprichwort vom Körnchen Wahrheit. Denn ­tatsächlich hat wahrscheinlich jeder an einer Premiere beteiligte Künstler schon ­genau das ­erlebt: Die Generalprobe läuft perfekt, dann sinkt die Spannung, und prompt macht sich in der ­Premiere ein Energieverlust ­bemerkbar und produziert Flüchtigkeitsfehler. Weshalb sich auch nach einer ­erfolgreichen Premiere ein ­anderer Aberglaube oft ­bestätigt: Die zweite Vorstellung wird grauenvoll.

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